Sonntag, 28. September 2008

Davis-Cup 2009: Enge Sache gegen Österreich

Auch 2008 ist bald schon wieder vorbei. Die Leute drehen ihre Heizungen auf, das Segelboot ist eingemottet, und man wird plötzlich gefragt, was man sich eigentlich zu Weihnachten wünscht. Und nun zum Tennis: In dieser Woche war die Davis-Cup-Auslosung für 2009.

Hier ist sie:

Argentinien - Niederlande
Tschechien - Frankreich
USA - Schweiz
Kroatien - Tschechien

Schweden - Israel
Rumänien - Russland
Deutschland - Österreich
Spanien - Serbien


Um die Chancen der deutschen Mannschaft zu beurteilen, reicht ein Blick auf die Erstrundenbegegnung. Deutschland spielt gegen Österreich. Wer da gewinnt, scheidet im Viertelfinale in Spanien aus.

Das Spiel gegen Österreich (5. bis 7. März) kann ein heißer Tanz werden. Das Heimrecht für Deutschland wird nicht stark ins Gewicht fallen. Der vornehmste Vorteil, die Wahl des Untergrunds, ist diesmal keiner: Deutsche wie Österreicher mögen am liebsten schnelle Hartplätze und kommen aber zur Not auch auf Sand zurecht. Auch wird es kaum ein reines Heimpublikum geben. Der DTB wird den österreichischen Schlachtenbummlern entgegenkommen müssen. Erstens waren die letzten beiden Davis-Cup-Begegnungen im Norden (Braunschweig und Bremen), Süddeutschland ist also mal wieder an der Reihe, zweitens kann sich der klamme Deutsche Tennis-Bund es sich gar nicht erlauben, gegnerischen Fans die Anreise unattraktiv zu machen. Nur mit deutschen Tennisfans kriegt man Mehrzweckhallen heutzutage nicht mehr voll.

Da bleibt zum Gewinnen nur noch eine Methode übrig: Besser Tennis spielen als die Österreicher. Auch das wird nicht so einfach. Jürgen Melzer (Nr. 41), der beste Österreicher, bewegt sich ungefähr auf demselben Niveau wie die vier besten Deutschen. Gegen Nicolas Kiefer hat er zwar von bisher sieben Begegnungen sieben verloren, aber gegen Philipp Kohlschreiber, Rainer Schüttler oder Tommy Haas muss er sich nicht in die Hose machen.
Dann gibt's noch Stefan Koubek. Der 31-Jährige ehemalige Top-20-Spieler ist, um es mal im schönsten Sportreportersprech zu formuliren, das große Fragezeichen im Team der Alpenrepublik. Er hatte eine Bandscheibenoperation und hat ein halbes Jahr pausiert. Ab Montag beim Challenger in Mons (Belgien) und in der Woche darauf beim ATP-Turnier in Wien ist er wieder dabei. Koubek in Topform ist nicht wesentlich schlechter als Melzer. Da nützt es den Deutschen gar nichts, dass sie vier Leute auf demselben Niveau haben, wenn nur zwei von denen auf dem Platz stehen können. (Wer das sein wird, lässt sich ein halbes Jahr im Voraus nicht seriös vorhersagen. Vielleicht bringen sich bis dahin ja auch noch andere Leute ins Gespräch.)

Hinzu kommt: Österreich hat ein exzellentes Doppel. Jürgen Melzer und Julian Knowle haben bei den Olympischen Spielen das deutsche Doppel aus dem Turnier geworfen. Ersatzmann Alexander Peya ist ebenfalls ein hervorragender Doppelspieler. In Deutschland hingegen ist das Doppel momentan eine Baustelle mit ungewissem Ausgang. Zuletzt spielten Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner zusammen. Christopher Kas meldet als bestplatzierter Deutscher in Doppel-Weltrangliste natürlich auch Ansprüche an. Er war lange Zeit regelmäßiger Partner von Petzschner und wird künftig regelmäßig mit Kohlschreiber spielen. Dann gibt es noch die alten Haudegen Michael Kohlmann und Alexander Waske ist schon seit einem Jahr verletzt, und ich bezweifle inzwischen, dass er noch mal auf sein altes Niveau zurückkehrt. Kohlmann war auch lange verletzt; er spielt inzwischen wieder, aber bisher mit mäßigem Erfolg.

Der österreichische Teamchef Gilbert Schaller sieht Chancen für seine Mannschaft: ("Gegen die Deutschen dürfen wir auf jeden Fall auf ein Weiterkommen hoffen.") und spricht aus, was in Deutschland offiziell nicht bestätigt wird: "Haas und Kiefer verstehen sich nicht besonders gut. Ich rechne nur mit einem der beiden."

Im Viertelfinale ginge es gegen den Sieger der Partie Spanien-Serbien. Die Spanier werden wohl auf Sand spielen, und dann wird es für Serbien sehr schwer. (Nicht bloß weil, wie Novak Djokovics Vater meint, sowieso alles manipuliert ist und Serbien keine Lobby hat.)

Zum Schluss ein Blick auf die Schweiz. Bei den Eidgenossen spricht man ja ganz offen vom Davis-Cup-Sieg. Über die Erfolgsaussichten hatte ich schon vor zwei Wochen geschrieben. Nun geht es also gleich in der ersten Runde in die USA. Ein schwieriger Gegner, aber die Chancen für die Schweiz liegen bei mindestens 50 Prozent. Roger Federer sollte seine beiden Einzel gewinnen, und ein weiterer Punkt ist auch machbar. Wenn die Amis in Bestbesetzung antreten, wäre Stanislas Wawrinka in den Einzeln gegen Andy Roddick und James Blake zwar Außenseiter, aber keineswegs chancenlos. Die Bryan-Brüder sind zwar das beste Doppel der Welt, haben aber bei den Olympischen Spielen gegen Federer/Wawrinka verloren. Im Viertelfinale käme ein Auswärtsspiel gegen Kroatien - das ist kein Selbstgänger, aber allemal machbar. Die schwersten möglichen Halbfinalgegner wären Argentinien oder Tschechien. In beiden Fällen hätte die Schweiz Heimrecht (Im Falle Argentinien per Losentscheid). Weiter denken wir erstmal noch nicht...

Sonntag, 21. September 2008

Bewerbungsräusperer für den ATP-Chefposten

Wer sich beruflich neu orientieren möchte, sollte sich von diesem Link nicht abschrecken lassen.

Was da steht, ist glatt gelogen, und viele Leute wissen das. Von überall auf der Welt erreichen die Dachorganisation des Herrentennis-Zirkus in diesen Wochen Bewerbungschreiben, Bewerbungsinterviews, Bewerbungsräusperer. Ehemalige Profis und auch der Vater eines früheren Weltranglistenersten sind unter den Interessenten.

Es geht um die Stelle des ATP-Chefs. Headhunter sollen bis November jemanden finden. Der bisherige Stelleninhaber, der in Spielerkreisen allseits ungeliebte Südafrikaner Etienne de Villiers, muss seinen Posten zum Jahresende räumen. Sein Reform-Übereifer und die mangelnde Kommunikation mit den Spielern wurde ihm zum Verhängnis. Mehr darüber in diesem Artikel aus dem Frühsommer.

In amerikanischen und australischen Medien wird schon munter spekuliert, wer denn wohl der Neue sein wird. Aus Fan-Perspektive dürfte der Name des amtierenden ATP-Chefs von eher nachgeordneter Bedeutung sein. Wichtiger ist, welche Ziele er setzt und umsetzt. Aber diese beiden Dinge hängen ja zusammen. Deswegen machen wir heute mal mit beim Spekulieren - und schaffen ein ganz kleines bisschen Gegenöffentlichkeit. Die US-amerikanischen und australischen Medien nennen nämlich bisher ausschließlich Namen von US-Amerikanern und Australiern.

Insbesondere die US-Amerikaner dürften derzeit eher schlechte Karten haben. De Villiers ist seinen Job nichts zuletzt deshalb los, weil insbesondere viele Spieler und Turnierveranstalter ihn für zu US-freundlich halten. Und innerhalb der - zumindest theoretisch - demokratisch organisierten ATP (die ja gelegentlich immer noch als "Spielergewerrkschaft" bezeichnet wird) sind die Europäer in der Überzahl.

Aber jetzt der Reihe nach zu den bisher gehandelten Kandidaten.

1.) John P. McEnroe (73)
Der Vater von John McEnroe, ein erfolgreicher New Yorker Anwalt, lancierte sein Interesse an dem Job in verschiedenen Interviews während der US Open. Er ist der Kandidat der bisher das größte Medieninteresse geweckt hat. Bei der Frage, ob er ernsthafte Chancen hat, gehen die Ansichten stark auseinander. Die einen sagen, er sei zu alt, habe keine Lobby innerhalb des Sportmanagement-Establishments und meine seine Bewerbung doch sowieso nicht ernst. Andere verweisen auf die eiserne Gesundheit von McEnroe Senior und darauf, dass ein anderer in etwa gleichaltriger John Mc, nämlich John McCain, sich um ein noch viel kraftraubenderes Amt bemühe. Außerdem habe John P. McEnroe viel Verständnis für die Belange der Profis und biete damit genau das, was dem Quereinsteiger Etienne de Villiers fehlte.
Ich glaube, der alte McEnroe hat Außenseiterchancen, aber nur geringe. Er scheint mir für die Aufgabe geeignet zu sein. Gegen ihn spricht, dass er Amerikaner ist, sein einer Sohn amerikanische Tennislichtgestalt ist und der andere amerikanischer Davis-Cup-Kapitän. Das ist vielleicht doch etwas viel McEnroe auf einmal. Außerdem hat John P. McEnroe schon etwas zu viel darüber verraten, was er alles so machen würde als ATP-Chef. Damit hat er die Leute, die seine Vorstellungen nicht teilen, gegen sich. Schwammiger ist da halt manchmal mehr. Er will zum Beispiel die Pflicht für Spitzenspieler abschaffen, zu Masters-Turnieren anzutreten. Das dürfte den betroffenen Turnierveranstaltern nicht schmecken (und die reden mit bei der Besetzung des ATP-Chefsessels.)

2.) Paul McNamee (53)
Der beste Doppel-Spieler der frühen Achtziger Jahre ist mittlerweile ein Hansdampf in allen Gassen. Der Australier ist Veranstalter des Hopman-Cups in Perth, der Mixed-WM kurz vor den Australian Open. Bis vor zwei Jahren war er außerdem Direktor der Australian Open. Dann wandte er sich anderen Sportarten zu. Zwei Jahre lang leitete er die Golf-Australian-Open. Anfang 2008 wurde er auch noch Präsident des Melbourne Football Club, einer Aussie-Rules-Football-Mannschaft. Nach nur vier Monaten wurde er gestürzt. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er nach London fuhr, um dort zur Altherren-Konkurrenz von Wimbledon anzutreten, anstatt sich um seinen sportlich und wirtschaftlich krisengeschüttelten Football-Club zu kümmern.
Eigentlich wollte McNamee nun Präsident des australischen Tennisverbandes werden. Diese Bewerbung hat er nun zurückgestellt und will nun lieber ATP-Chef werden. Klingt alles nicht so, als sei McNamee jemand, der die ATP in ruhiges Fahrwasser führen kann.

3.) Butch Buchholz (69)
Bis 1998 tauchte, sobald die SPD einen neuen Kanzlerkandidaten suchte (und den suchte sie oft), stets der Name Helmut Schmidt auf. Butch Buchholz wird erst im Jahr 2018 so alt sein, wie Helmut Schmidt 1998. So lange wird die amerikanische Fachpresse ihn wohl noch ins Gespräch bringen, sobald der ATP-Chefposten frei wird. Buchholz führte die ATP in den Achtzigern, ehe er sich dem Vorhaben verschrieb, das Turnier von Miami (Key Biscayne) zum fünften Grand Slam zu machen und dabei beängstigende Teilerfolge erzielte. Die Tennis Week hat Buchholz zur Frage interviewt, welche Eigenschaften der neue ATP-Chef mitbringen müsse. ("The next boss of the ATP should come from within the game.") Ich glaube und hoffe, dass seine Antworten nicht als Bewerbung gemeint sind. Buchholz ist der amerikazentrischste von allen bislang bekannten Bewerbern und kommt deshalb eigentlich nicht in Frage.

4.) Larry Scott (44)
Noch ein Amerikaner. Larry Scott ist der Chef der WTA-Tour, dem weiblichen Gegenstück zur ATP und war davor selbst hochrangigeer ATP-Funktionär. Auch ihn brachten amerikanische Medien ins Gespräch. Scott will aber nicht. Jedenfalls noch nicht. Warum sollte er auch? Bei der WTA-Tour geht es ihm prima, und er ist emanzipiert genug, die ATP nicht für bedeutender zu halten. Wogegen er nichts hätte, ist eine organisatorische Fusion der beiden Tennis-Zirkusse mit ihm als Chef vom Ganzen. Aber das wird sich kaum innerhalb weniger Wochen hinkriegen lassen.

5. und 6.) Brad Drewett (50) und Mark Young
Apropos hochrangige ATP-Funkionäre. Denkbar ist natürlich auch eine verbandsinterne Lösung. In Amerika wird da der Amerika-Direktor der ATP, Mark Young, genannt. Aber bekanntlich ist "Amerika" bei dieser Personalie ein heikles Thema. Aber Brad Drewett könnte ins Spiel kommen, wenn sich bis November einfach niemand anders findet, auf den sich alle einigen können, und irgend jemand den Job spontan übernehmen muss. Drewett ist ATP-Direktor für den Bereich "International Group" und damit zuständig für alles, was weder Amerika noch Europa ist, und zudem Turnierdirektor des Masters-Cups. Der Australier ist ein ehemaliger Profi-Spieler. Der ATP-Direktor für Europa kommt für den Chefposten wohl noch nicht in Frage: Andy Anson ist erst vor einem Jahr von Manchester United zum Tennis gewechselt. Ihm fehlt noch der Stallgeruch.

Das wären also die bislang öffentlich gehandelten Namen. Europäer sind nicht darunter. Dabei gäbe es einige. Zum Beispiel der hier:

7.) Ion Tiriac (69)
Nicht dass ich glauben würde, er wäre ein geeigneter Kandidat oder er wäre überhaupt interessiert. Aber ins Gespräch bringen muss man seinen Namen schon. Schließlich läuft im Tennis sonst ja auch nichts ohne Tiriac, seit sein 17-jähriger Schützling 1985 Wimbledon gewann. Er war schon mal NOK-Präsident von Rumänien, gründete eine Bank und soll heute der reichste Mann von Rumänien sein. Seit sich in Deutschland mit Tennis kein Blumentopf mehr gewinnen lässt, hat er sich anderen Märkten, insbesondere Spanien zugewandt. Tiriac als ATP-Chef würde keine Sekunde zögern, Wimbledon nach Wladikawkas zu verhökern, wenn die finanzielle Seite stimmt. Wimbledin ist zwar gar kein Teil des ATP-Imperiums, aber solche äußeren Sachzwänge würde Tiriac beseite wischen. Und damit würde er sogar durchkommen. Mit Tiriac würden der ATP wirtschaftlich goldene Zeiten bevorstehen. Allerdings würde das Gold überwiegend in Tiriacs Taschen wandern.

8.) Zeljko Franulovic (61)
Aber vielleicht gibt es in Europa auch ernsthafte Kandidaten? Zeljko Franulovic könnte so einer sein. Der Kroate, Roland-Garros-Finalist von 1970, ist Turnierdirektor in Monte Carlo und er hat ATP-Stallgeruch, und zwar nicht nur, weil er nebenamtlich als Vertreter der Turnierveranstalter im ATP-Vorstand sitzt. Anfang der Neunziger arbeitete Franulovic als ATP-Marketingchef für Europa.

9.) Ronald Leitgeb (49)
Der Österreicher wurde bekannt als Trainer von Thomas Muster. Inzwischen ist er ein erfolgreicher Sportmanager. Er leitet das ATP-Turnier von Pörtschach und managt den österreichischen Schwimmstar Markus Rogan, der in Peking zwei Mal olympisches Silber gewann. Leitgeb hat keine Erfahrungen damit, große Institutionen zu lenken, das spricht gegen ihn. Aber ich dachte mir, man sollte mal die Österreicher nicht vergessen, wenn mir schon kein Deutscher einfällt, den man ins Gespräch bringen könnte. Horst Klosterkemper (69) muss man freilich der Vollständigkeit nennen. Der ehemalige ATP-Europa-Direktor hat sich allerdings kürzlich erst zur Ruhe gesetzt, der wird's nicht machen.

10.) Ivan Ljubicic (29)
Dieser Vorschlag ist natürlich Unsinn. Aber in einschlägigen Fan-Foren wird die aktuelle Nummer 47 und ehemalige Nummer 3 der Weltrangliste gelegentlich ins Gespräch gebracht. Den Zenit seiner Karriere scheint er überschritten zu haben. Bei den Spielern ist er hoch angesehen. Seit diesem Sommer ist er der erste aktive Spieler, der nebenbei als Spielervertreter dem ATP-Vorstand angehört und er war eine zentrale Figur beim Sturz Etienne de Villiers. Aber wer weiß, wenn sich Ivan Ljubicic in zehn oder 20 Jahren noch für Tennis interessiert...

11.) Martin Jaite (43)
Die USA, Australien und Europa sind nicht die einzigen Weltgegenden. Da wäre zum Beispiel noch Südamerika. Mit der dortigen Tennisszene kenne ich mich allerdings gar nicht aus. Martin Jaite nenne ich einfach repräsentativ für den Rest der Welt. Der frühere Top-Ten-Spieler ist, soweit ich weiß, in seiner argentinischen Heimat hoch angesehen und Turnierdirektor in Buenos Aires.

Wahrscheinlich finden die Headhunter am Ende jemand ganz anders. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es jemand aus der Tennis-Szene sein wird. Der Kreis der Kandidaten ist also überschaubar. Anders als bei Etienne de Villiers, der vorher Walt-Disney-Manager war, wird es jemand sein, auf dessen Namen man mit ein bisschen Rumgerate kommen kann...

Sonntag, 14. September 2008

Federer und der Davis-Cup: Wird das was?

Die Auguren scheinen sich einig: 2009, das wird das Jahr, im dem Roger Federer versucht, den Davis-Cup zu gewinnen. Zum Beispiel hier: "Start zur Mission Davis-Cup-Sieg", titelt Eurosport.

Klingt ja auch logisch: Seine Zeit an der Spitze der Weltrangliste ist vorbei, Wimbledon und die US Open hat er nun jeweils fünf Mal in Folge gewonnen, da wird es Zeit für neue Ziele. Zum Davis-Cup ist Federer zuletzt nur unregelmäßig angetreten. Da tut sich für ihn doch vielleicht ein neues Betätigungsfeld auf? Mit Teamkapitän Severin Lüthi versteht er sich prima. In Stanislas Wawrinka hat die Schweiz einen zweiten Weltklassespieler, mit dem zusammen Federer die olympische Goldmedaille im Doppel gewonnen hat. Federer hat dabei sichtlich Geschmack am Mannschaftssport gefunden. Federer und Wawrinka sind ein stärkeres Team auch das auch nicht schlechte Duo aus Jakob Hlasek und Marc Rosset, das die Schweiz 1992 ins Davis-Cup-Finale führte. Da sollte der Titel drin sind. Der erste Schritt soll in einer Woche gemacht werden, beim Aufstiegsspiel gegen Belgien in Lausanne ist Federer mit dabei und die Schweiz haushoher Favorit. Auch fürs Erstrundenspiel im nächsten März hat Federer so gut wie zugesagt.

Dennoch gibt es ein paar Punkte, die gegen die scheinbar so sichere Mission Davis-Cup sprechen.

Punkt 1: Die Chancen für die Schweiz stehen bei genauerem Hinsehen ziemlich schlecht. Das hat mit der Regel zu tun, nach der im Davis-Cup das Heimrecht bestimmt wird. Das Heimrecht wechselt zwischen zwei Nationen immer ab. Die Schweiz hat nächste Woche gegen Belgien Heimrecht, weil die letzte Begegnung zwischen diesen beiden Ländern in Belgien war (3:2 für Belgien im Viertelfinale 1999).

Die Schweiz muss, und das macht die Sache mit dem Davis-Cup-Sieg für Federer und Wawrinka so schwierig, gegen fast alle ernsthaften Konkurrenten das nächste Mal auswärts antreten. Das gilt für Spanien, für die USA, für Serbien, Großbritannien, Frankreich und auch für den nicht ganz so ernsthaften Konkurrenten Deutschland. Heimspiele gäbe gegen Russland und gegen Tschechien. Gegen Kroatien und Argentinien würde das Los entscheiden, weil die Schweiz gegen Kroatien noch nie gespielt hat und gegen Argentinien zuletzt 1952, als die aktuelle Heimregel noch nicht griff.

Federer und Wawrinka kommen zwar beide auf allen Bodenbelägen ganz gut zurecht. Aber es ist nicht nur die Wahl des Bodenbelags, der das Heimrecht im Davis-Cup so wertvoll macht. Mit dem Publikum im Rücken kann jeder Top-Ten-Spieler für Federer gefährlich werden. Wie schwer es ist, auswärts zu bestehen, haben die Schweizer im vergangenen Jahr erleben müssen. Da sind sie nach einer Niederlage in Tschechien aus der Weltgruppe abgestiegen, obwohl Federer mitspielte. Er gewann seine beiden Einzel gegen Radek Stepanek und Tomas Berdych, aber das allein reichte nicht.

Die Auslosung für den Davis-Cup 2009 ist am 23. September, dem Dienstag nach den Aufstiegsspielen und den Halbfinals (Spanien-USA und Argentinien-Russland). Dann werden wir ein bisschen schlauer sein, wie es um die Schweizer Chancen genau steht.

Für Roger Federers Entscheidung, ob er 2009 mehr als einmal im Davis-Cup spielt, dürften aber wohl nicht allein die Auslosung ausschlaggebend sein. Federer hat seinen Turnierplan nie überfrachtet. Wenn Federer das ATP-Finale gewinnt und anschließend vielleicht die Australian Open, hat er eine realistische Chance, die Spitzenposition in der Weltrangliste zurückzuerobern. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihm das wichtiger sein wird als die vage Aussicht auf den Davis-Cup-Sieg.

Federers von manchen Auguren euphorisch gefeierte Ankündigung, im nächsten Jahr in der ersten Davis-Cup-Runde anzutreten, bedeutet überhaupt nicht viel. Federer hat seit 1999 jedes Jahr mitgemacht. 2003 führte er sein Land schon mal ins Halbfinale. Nur in den letzten drei Jahren hat er jeweils das Erstrundenspiel ausgelassen. Im Abstiegsspiel war er immer mit dabei. Der Termin für die erste Runde lag zuletzt immer dicht nach den Australian Open. Das ist 2009 anders. Dafür liegen aber diesmal nur vier Tage zwischen dem Wimbledon-Finale und dem Davis-Cup-Viertelfinale und ebenfalls nur vier Tage zwischen dem US-Open-Finale und dem Davis-Cup-Halbfinale. Diese Termine sind für Grand-Slam-Finalisten nicht gerade einladend.

Hier geht's zur offiziellen Davis-Cup-Internetseite

Sonntag, 7. September 2008

Der ATP-Turnierkalender 2009 - Gewinner und Verlierer

So lange mussten Spieler, Veranstalter, Fans noch nie warten: Erst seit ein paar Tagen ist der ATP-Turnierkalender 2009 veröffentlicht. Der Kalender hat nicht zuletzt deshalb so lange auf sich warten lassen, weil die ATP abwarten musste, wie das Gerichtsverfahren um die Zukunft des Hamburger Rothenbaum-Turniers ausgehen würde. Ich glaube inzwischen nicht mehr so recht daran, dass der Deutsche Tennis-Bund (DTB) Revision gegen das Urteil aus dem August einlegt. (Die Frist läuft bald ab.) Hamburg wird also vom Masters im Mai zum zweitklassigen "500er"-Turnier im Juli. So steht es im Turnierkalender, und so wird es wohl kommen.

Der scheidende ATP-Chef Etienne de Villiers hat ihn schon im vergangenen Jahr mit viel Tamtam angekündigt. Da wundert man sich fast, dass die meisten Turniere ihren angestammten Platz behalten haben.

Eine der einschneidendsten Veränderungen hat die ATP klammheimlich untergebracht: Es gibt keine Turniere mehr auf Teppich. Auch die letzten europäischen Hallenturniere wie St.Petersburg oder Paris-Bercy wechseln zum langsameren Hartplatz - jedenfalls, sofern die Angaben im Kalender stimmen.

Neu im Programm - das war lange bekannt - ist ein Masters-Turnier in Schanghai im Oktober. Dafür wechselt das Masters in Madrid vom Oktober in den Mai auf den angestammten Hamburger Platz. Statt in der Halle auf Hartplatz spielt man nun auf Sand unter freiem Himmel. Da sind die Spanier sowieso besser. Das ATP-Finale der besten acht Spieler am Ende des Jahres wechselt von Schanghai nach London.

Bei den kleineren Turnieren gibt es einen einzigen Neuzugang: Ein Turnier in Johannesburg Anfang Februar unmittelbar nach den Australian Open. (Ganz neu ist das nicht, dort gab es schon bis 1995 ein Turnier. Der letzte Sieger war ein längst vergessener Deutscher: Martin Sinner.) Gestrichen wird das Juli-Turnier in Kitzbühel, das schon seit Jahren in der Krise war. Mit den Veranstaltungen in Pörtschach (Kärnten) und Wien ist Österreich nach wie vor im Kalender vertreten. Außerdem gibt es einen inneraustralischen Tausch in der ersten Januar-Woche: Adelaide fliegt raus, Brisbane kommt rein.

Ein paar gewichtige Veränderungen gibt es bei der Bedeutung einzelner Veranstaltungen. Das manifestiert sich in den Weltranglistenpunkten, die dort vergeben werden. (Auch im Preisgeld, aber die genaue Höhe der Preisgelder harrt noch ihrer Bekanntgabe.) Bei den Weltrangslistenpunkten stehen wir vor einer Inflation um 100 Prozent: Für den Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier gibt es ab 2009 nicht mehr 1000 Punkte, sondern 2000. Bei Masters-Turnieren gibt es nicht mehr 500, sondern 1000. Auf anderen Turnieren gab es für den Sieger bisher - je nach Kategorie - 175, 200, 225, 250 oder 300 Punkte. Künftig gibt es nur noch zwei Kategorien: 250 und 500. Die neuen 250er-Turniere kommen also inflationsbereinigt schlechter weg als die alten 175er. Die 500er entsprechen den alten 250ern.

Einige Leute fürchten jetzt, zu den 250er-Turnieren würden kaum noch Spitzenspieler antreten, weil sich das für die paar Punkte nicht mehr lohnt. Da ist was dran, ganz so dramatisch wird es aber nicht sein, glaube ich. Es gibt nämlich nur elf 500er-Turniere, von denen in drei Wochen jeweils zwei parallel stattfinden. Die 250er-Turniere mit viel Prestige und mit viel Antrittsprämien werden weiterhin ihre Stars abkriegen. Zu dieser Gruppe zählt zum Beispiel das Rasenturnier in Halle/Westfalen. Es gibt überhaupt kein 500er-Turnier auf Rasen. Wer sich vor Wimbledon Spielpraxis auf Gras holen will, muss also zu einer der 250er-Veranstaltungen fahren.

Einige der 500er-Turniere wie Rotterdam, Dubai, Barcelona oder Basel gehörten schon bisher zu den größten der Nicht-Masters-Veranstaltungen. Es gibt aber auch einige bislang eher kleine Turniere, die zu 500er-Ehren kommen, zum Beispiel Valencia, das im Gegenzug zu Madrid vom Sandplatz im Frühjahr in die Halle im Herbst wechselt. Auch Peking wird zum 500er. Das gehört zur groß angekündigten Stärkung des asiatischen Marktes. Die Spieler werden im nächsten Jahr nicht mehr umhinkommen, nach Asien zu reisen. In Schanghai sind die besten 50 der Welt zur Teilnahme verpflichtet, und schon in den Wochen vorher finden überhaupt nur in Asien Turniere statt. Dagegen ist nichts einzuwenden, Europa und Amerika genießen diese Privilegien schon lange. Lustig ist nur, dass die ATP trotzdem behauptet, der neue Kalender führe dazu, "weniger von Kontinent zu Kontinent reisen müssen". Bisher konnte sich, wer wollte, den Asientrip sparen.

Und jetzt zu den Verlierern: Das ist natürlich zuerst Hamburg, das kein Masters mehr ist. Die Stars sind nicht mehr zur Teilnahme verpflichtet, außerdem liegt der Termin im Juli am Beginn der nordamerikanischen Hartplatz-Saison. Am Rothenbaum werden künftig wohl hauptsächlich spanische und südamerikanische Sandfexe auftreten. Nächster Verlierer ist Stuttgart. Stuttgart hatte bisher das größte Sandplatzturnier nach Wimbledon. Jetzt steht es, als 250er in der Woche direkt vor Hamburg im Schatten des Rothenbaums. Das passt ins Bild vom absteigenden Ast, auf dem Tennis in Deutschland ist. Aber mal ganz ehrlich: So dramatisch ist die Lage gar nicht. Es gibt nach wie vor fünf Turniere in Deutschland (Hamburg, Stuttgart, Halle, München, Düsseldorf.) Mehr gibt es nur in den USA (13) und in Frankreich (6).

Russland kommt ziemlich schlecht weg, und das, obwohl Tennis dort fraglos auf dem aufsteigenden Ast ist. Die beiden einzigen Turniere in Moskau und St.Petersburg müssen sich mit dem 250er-Status begnügen. Immerhin werden sie in zwei aufeinander folgenden Wochen ausgetragen, dort immerhin stimmt das Märchen von den geringer werdenen Reisestrapazen. Schade ist natürlich, dass wir dann keine fassungslosen Gesichter wie das von Nicolas Kiefer 2005 mehr sehen werden, dem man im russischen Konsulat sagte, er könne kein Visum für beide Turniere auf einmal bekommen. Er müsse, wenn er nach seinen Matches in Moskau das Land verlasse, hinterher noch mal ins Konsulat kommen, dann erst könne man ihm das Visum für St.Petersburg ausstellen.

Wie sehr Monte Carlo leiden wird, muss sich noch zeigen. In der Steueroase bleibt man zwar offiziell Masters, aber die sonst für die Masters übliche Teilnahmepflicht für die Top 50 gibt es dort nicht mehr. Auf diesen Kompromiss einigten sich die Monegassen mit der ATP, die Monte Carlo ebenso wie Hamburg degradieren wollte.

Unklar ist noch der Termin für Warschau. Das Turnier ist in der Woche vom 27. Juli bis zum 2. August aufgeführt zusammen mit drei anderen Turnieren und einer Fußnote, derzufolge in jener Woche nur drei Turniere vorgesehen sind und Warschaus endgültige Woche noch bekanntgeben wird. Auf den ersten Blick ist das wirklich bloß eine Fußnote. Sie macht mir aber Sorgen: Sie könnte bedeuten, dass die ATP darauf eingestellt ist, dass das Turnier am Hamburger Rothenbaum ausfällt. Im Dunstkreis des DTB gibt es ja Stimmen, die sagen, ohne Masters-Status würde sich die Veranstaltung nicht rechnen. Da könnte die ATP Warschau einfach eine Woche vorverlegen, und man hätte wieder einen runden Kalender.

Nachdem es mit dem Kalender für 2009 so lange gedauert hat, hat die ATP die Kalender für 2010 und 2011 schon gleich mit veröffentlicht. Sie sind fast identisch, nur die Reihenfolge der Turniere im Mai ändert sich 2011. Das betrifft Rom und Madrid und es betrifft auch München, das 2009 und 2010 eine Woche später als sonst stattfindet und 2011 auf seinen angestammten Platz um den 1. Mai herum zurückdarf.

Hier der Turnierkalender für 2009



So verliebt man sich heute - FriendScout24


Beliebte Posts

Impressum

Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de