Montag, 23. Februar 2009

Dubai: Die ATP macht Weltpolitik

Wie heute Nachmittag angekündigt, gibt es heute ausnahmsweise zwei Artikel an einem Tag. Den Ausblick auf die Davis-Cup-Begegnung zwischen Deutschland und Österreich gibt es hier.

Jetzt möchte ich ein paar Thesen zum 500er-Turnier in Dubai und dem Ausschluss der israelischen Spielerin Shahar Peer und dem voraussichtlich abgewendeten Ausschluss des israelischen Spielers Andy Ram zur Diskussion stellen.

Vor einer Woche hatte ich gefordert, das Turnier zu boykottieren, und es zeigte sich, dass ich mit dieser Forderung nicht alleine stand. Ich verkündete vollmundig, dieser Boykott sei keine politische Sache, sondern eine rein sportliche. So habe ich das im ersten Eifer gesehen. Mittlerweile glaube ich aber, dass sich die sportliche und der politische Seite nicht trennen lassen.

Aber der Reihe nach: Am vergangenen Wochenende durfte Shahar Peer aus Israel (Nr. 45 der Frauen-Weltrangliste) nicht in die Vereinigten Arabischen Emirate einreisen, wo sie am WTA-Turnier von Dubai teilnehmen wollte. Die Emirate lassen schon seit vielen Jahren keine israelischen Staatsbürger einreisen. Die formalen Erklärungen schenke ich mir und fasse zusammen: Das liegt am Nahost-Konflikt. Für Shahar Peer gab es keine Ausnahme.

Am Montag beginnt das ATP-Herrenturnier von Dubai. Der israelische Doppel-Spieler Andy Ram hat ein Visum bekommen – nach massiven internationalen Protesten, nachdem Sponsoren abzuspringen drohten, nachdem der US-amerikaniche Tennis-Channel seine Fernseh-Übertragungen aus Dubai stoppte, nachdem Titelverteidiger Andy Roddick seinen Start absagte und nachdem ATP und WTA die Möglichkeit in den Raum stellten, das Turnier im nächsten Jahr aus dem Kalender zu streichen. Auch Roger Federer und Rafael Nadal sagten ihren Start ab. Vielleicht sind sie wirklich verletzt, vielleicht wollten sie aber auch einfach der Frage aus dem Weg gehen, wieso sie das Turnier nicht boykottieren. Für Roger Federer, der in Dubai seine Trainingsbasis hat, hätten solche Fragen zum Image-Problem insbesondere in den USA, wo dieses Thema noch mehr Schlagzeilen als in Europa machte, werden können.

Der Tennis-Zirkus gründet auf dem Prinzip, dass jede Spielerin und jeder Spieler an jedem Turnier auf der Welt teilnehmen kann, für das er oder sie sportlich über die Weltrangliste qualifiziert ist. Das setzt zwingend voraus, dass alle Spieler in das Land, in dem solch ein Turnier stattfindet, einreisen dürfen. Ganz praktisch: Wer in Dubai nicht spielen kann, hat einen Wettbewerbsnachteil. Es ist ein großes Turnier, auf dem viele Ranglistenpunkte verteilt werden.

Daraus folgt: In einem Land, das nicht allen qualifizierten Spielern, die Einreise gestattet, kann kein reguläres Turnier stattfinden. Die Forderung, das Turnier von Dubai wegen der Aussperrung Shahar Peers abzusagen, ist also scheinbar völlig unpolitisch, dient sie doch allein dazu, die Regeln des sportlichen Wettbewerbs durchzusetzen.

So einfach ist es aber nicht. Die Forderung nach Reisefreiheit, die Forderung nach einer Welt, in der ein globaler Sportwettbewerb für Aktive aus allen Ländern möglich ist, ist zutiefst politisch. Ein Vergleich mit einem viel elementareren Lebensbereich macht das deutlich: Der individuelle Wunsch, genug zu essen auf dem Teller zu haben, ist unpolitisch. Eine Welt zu gestalten, in der alle Menschen satt werden, ist höchst politisch.

Man kann sich auf den Standpunkt zurückziehen, ATP und WTA würden ja gar nicht verlangen, dass jeder die Emiraten einreisen darf, hätten sie das Turnier in Dubai abgesagt. Sie würden eben nur die Konsequenz ziehen und dort, wo ein reguläres Turnier nicht möglich ist, eben keines veranstalten. Diese Sichtweise aber ignoriert die tatsächliche Macht weltumspannender Organisationen wie ATP und WTA. Andy Ram darf nach Dubai einreisen. Die Vereinigten Arabischen Emirate weichen ihr Prinzip, keine israelischen Staatsbürger ins Land zu lassen, auf. Ob die ATP will oder nicht: Sie hat in dieser Woche Weltpolitik gemacht.

Darüber hinaus hat der Fall Peer-Ram eine Menge politische Begleitmusik erzeugt. Denn natürlich regt er dazu an, die Gründe dafür zu diskutieren, wieso die Emiraten keine Israelis ins Land lassen und wie man sich zu dieser Situation – unabhängig vom Tennis – verhalten sollte. Das will ich jetzt nicht vertiefen, sonst müsste ich am Ende den ganzen Nahost-Konflikt erörtern, wozu ich mich außerstande sehe.

Eine Anmerkung zu einem der Nebenschauplätze dieser Debatte. In einigen Blogs und Foren wurde pauschal auf die gesamte muslimische Welt eingedroschen. (Ich weigere mich, das zu verlinken. Wer das lesen will, soll selber googeln.)
In seriösen Medien wurde gefordert, das Saisonfinale in Doha (Katar) zu boykottieren. (Zum Beispiel hier im in Tennisdingen sehr gut informierten Sun Sentinel aus Florida ). Das ist Humbug. Katar ist nicht die Vereinigten Arabischen Emirate. In Katar hat Shahar Peer schon gespielt, dort gab es keine Probleme.

Übrigens habe ich mich in dieser Woche gefragt, ob wohl jeder asiatische oder afrikanische Halbprofi, der ein Future-Turnier in Westeuropa spielen will (Preisgeld bei einer Erstrunden-Niederlage: 118 Dollar) ein Visum bekommt.

Neulich las ich vom Fall eines Hamburger Geschäftsmanns und ehemaligen Challenger-Turnierdirektor, der einst Jewgeni Kafelnikow und andere russische Spitzenspieler in den Westen lotste. Das ist lange her. Im Jahr 2009 lautete die Überschrift eines Artikels über ihn: "Verdacht: Er schleuste Russen-Sportler nach Deutschland".

Dies kann das Vorgehen der Vereinigten Arabischen Emirate nicht entschuldigen. Aber bis zu einer Welt, in der jeder Mensch reisen darf, wohin er will, ist es noch ein weiter Weg. Andy Rams Reise nach Dubai ist da nur ein sehr kleiner Schritt.

Sonntag, 22. Februar 2009

Davis-Cup Deutschland - Österreich: Wer spielt denn nun?

Heute gibt es ausnahmesweise mal einen Sonntag mit zwei Artikeln. Ich konnte mich nicht entscheiden, welches Thema ich weglassen soll. Heute Abend folgen ein paar Thesen zum Eklat in Dubai. Dafür wird es in der zweiten Märzhälfte zwei Sonntage ganz ohne Artikel geben. Dann mache ich nämlich Urlaub.

Jetzt aber erstmal um die die Davis-Cup-Begegnung zwischen Deutschland und Österreich (6. bis 8. März in Garmisch-Partenkirchen). Am Dienstag geben die Kapitäne Patrik Kühnen (Deutschland) und Gilbert Schaller (Österreich) die Mannschaften bekannt. Höchste Zeit zu spekulieren, wer denn nun die vier Nominierten sein werden.

Fangen wir an mit Deutschland. Hier stehen folgende Spieler im Raum:
Rainer Schütter (Einzel Nr. 31/ Doppel Nr. 89)
Nicolas Kiefer (Einzel Nr. 33/ Doppel Nr. 228)
Philipp Kohlschreiber (Einzel Nr. 41/ Doppel Nr. 73)
Tommy Haas (Einzel Nr.61/ Doppel Nr. 287) hat abgesagt
Mischa Zverev (Einzel Nr. 76/ Doppel Nr. 54)
Philipp Petzschner (Einzel Nr. 81/Doppel Nr. 35)
Christopher Kas (Doppel Nr. 27)

Sicher ist: Philipp Kohlschreiber ist dabei, und Andreas Beck (Einzel Nr. 97) kommt als fünfter Mann zum Reinschnuppern und Mittrainiern mit. Bleiben fünf Kandidaten für drei Plätze: Rainer Schüttler, Nicolas Kiefer, Philipp Petzschner, Christpher Kas und Mischa Zverev. Tommy Haas hatte schon im Januar abgesagt.

Schüttler spielt seit seinem Wimbledon-Halbfinale zwar nicht herausragend, aber solide, und zwar sowohl im Einzel als auch im Doppel. An ihm geht wohl kein Weg vorbei.

Philipp Petzschner ist der beste Doppelspieler, den Deutschland hat, und zudem auch im Einzel zu gebrauchen. Der dürfte auch sicher dabei sein.

Nicolas Kiefer wäre so gut wie dabei, hätte ihn nicht ein doppelter Bänderriss Anfang des Jahres außer Gefecht gesetzt. Eigentlich hätte er ab morgen in Dubai wieder spielen wollen. Den Start hat er aber kurzfristig abgesagt. Warum, dazu hat er bislang nichts gesagt. Ich glaube nicht, dass Kühnen ihn ohne Spielpraxis mitnehmen wird.

Bleiben für den letzten freien Platz Mischa Zverev und Christopher Kas. Beide haben noch nie Davis-Cup gespielt, Kas war allerdings schon 2008 beim World Team Cup in Düsseldorf dabei. Kas ist ein reiner Doppelspezialist, der schon viel mit Philipp Petzschner und Philipp Kohlschreiber zusammen gespielt hat, aber auch schon mit Schüttler. Zverev hat mit keinen von den übrigen Kandidaten jemals zusammen gespielt. (Jedenfalls nicht bei einem Profiturnier.) Dafür ist Zverev (21) im Gegensatz zu Kas auch ein Kandidat fürs Einzel. Wenn es gegen einen übermächtigen Gegner ginge, wäre ich glatt dafür, Zverev im Einzel aufzustellen. Der kann nämlich an einem guten Tag nahezu jeden schlagen. Das Problem ist: Er kann an einem schlechten Tag auch gegen nahezu jeden verlieren (also auch gegen den zweiten österreichischen Einzelspieler). Insgesamt sehe ich einen leichten Vorteil für Kas. Zverev mitzunehmen, wäre aber nicht weniger vertretbar.

Im Einzel würden dann Philipp Kohlschreiber und Rainer Schüttler spielen, im Doppel Philipp Petzschner und Christopher Kas. Petzschner wäre dann zugleich der Ersatzmann fürs Einzel.

Im vergangenen Jahr hat ja Kohlschreiber auch Doppel gespielt. Es spricht aber einiges dafür, dass er das diesmal nicht tun wird. So umgeht man nämlich das Theater um die Extra-Bezahlung, die er dafür gefordert und erhalten hat (mehr dazu hier). Außerdem ist es, wenn man fürs Doppel gute Alternativen hat, ja immer schlau, die Einzelspieler sich am Sonnabend schonen zu lassen.

Kommen wir jetzt zu den Österreichern. Obwohl ich Vierel-Ösi bin, kenne ich mich mit den Jungs da oben im Gebirg nicht ganz so gut aus, aber es stellt sich mir folgendermaßen dar:

Kandidaten sind:
Jürgen Melzer (Einzel Nr. 32/Doppel Nr. 66)
Alexander Peya (Einzel Nr. 148/Doppel Nr. 52)
Martin Fischer (Einzel Nr. 219/Doppel Nr. 203)
Stefan Koubek (Einzel Nr. 304)
Oliver Marach (Einzel Nr. 473/Doppel Nr. 34)
Julian Knowle (Doppel Nr. 22)

Kein Kandidat ist der laut Weltrangliste zweitbeste österreichische Einzelspieler Daniel Köllerer (Nr. 118). Der gute Mann ist, um es mal freundlich auszudrücken, etwas zu emotional.

An Jürgen Melzer führt kein Weg vorbei. Er spielt mit Sicherheit im Einzel und höchstwahrscheinlich auch im Doppel. Sein etatmäßiger Doppelpartner ist Julian Knowle. Die beiden haben nach längerer Unterbrechung Anfang des Jahres auch mehrere ATP-Turniere gemeisam gespielt. Sie hatten sich ziemlich viel vorgenommen, sind aber viermal in Folge gleich in der ersten Runde rausgeflogen. Letzte Woche in Rotterdam spielten sie dann mit anderen Partnern und kamen prompt beide ins Halbfinale.

Unterdessen haben sich zwei andere Österreicher fürs Doppel empfohlen: Oliver Marach war bei den Australian Open im Halbfinale, Alexander Peya bildet seit vielen Monaten ein erfolgreiches Team mit Philipp Petzschner. Julian Knowle selbst ist skeptisch, ob er momentan ins Team gehört. „Da gibt es momentan andere Spieler, über die man sich Überlegungen machen muss“
Kapitän Gilbert Schaller hat aber angedeutet, dass er wohl an Knowle/Melzer festhalten wird.

Bleibt die Frage, wer das zweite Einzel spielt: Alexander Peya oder Stefan Koubek. Koubek war über Jahre fürs Einzel fest gebucht. 2008 war er von März bis September verletzt. Danach hat er noch keine wirklich überzeugenden Leistungen gebracht. Besser als seine verletzungsbedingte Ranglistenposition (308) ist aber wohl doch. Alexander Peya sehe ich aber knapp vorne.

Am wahrscheinlichsten sind also folgende Matches:

Freitag
Philipp Kohlschreiber – Jürgen Melzer
Rainer Schüttler – Alexander Peya

Sonnabend
Christopher Kas/Philipp Petzschner – Julian Knowle/Jürgen Melzer

Sonntag
Philipp Kohlschreber – Alexander Peya
Rainer Schüttler – Jürgen Melzer

Schüttler und Kohlschreiber sind gegen Alexander Peya die Favoriten. Kohlschreiber-Melzer halte ich für völlig offen, bei Schüttler-Melzer sehe ich Melzer knapp vorne. Das Doppel könnte also ziemich wichtig werden. Wenn Knowle und Melzer ihre Startschwierigkeiten vom Jahresbeginn überwinden, werden sie für Kas/Petzschner ein harter Brocken sein. Entscheidend könnte sein, wer den Heimvorteil hat. Diese Frage ist nämlich auch offen.

Sonntag, 15. Februar 2009

Als spielte er zum ersten Mal: John McEnroe wird 50



Heute Nacht geht das ATP-Turnier von San Jose (Kalifornien) zu Ende. Tommy Haas steht dort im Doppel-Finale. Es ist das erste in seiner Karriere.

Dies ist ein wunderbarer Anlass, an John McEnroe zu erinnern. In San Jose gewann er sein letztes Doppelturnier auf der ATP-Tour. Zusammen mit Jonas Björkman war das, und es war 2006. 14 Jahre nach seinem offiziellen Karriereende. Der eigentliche Grund, wieso ich heute über John McEnroe schreibe, ist ein anderer: Er hat morgen Geburtstag. Am 16. Februar wird er 50 Jahre alt.

Er sei in Form einer Buch-Empfehlung gewürdigt. Das Buch heißt „Being John McEnroe“. Es ist auf Deutsch im vergangenen Mai erschienen, und seitdem ist warte ich auf eine Gelegenheit, es in diesem Blog unterzubringen. Ein runder Geburtstag ist eine solche Gelegenheit.

Der Verfasser ist Tim Adams, hauptberuflicher Literaturredakteur beim britischen „Observer“ und nebenberuflicher Tennisreporter. Das Buch ist ein 140 Seiten langen Feuilleton-Artikel. Adams schreibt über das Wimbledon-Endspiel von 1980, als wäre es Weltliteratur. Gäbe es mehr Sportbücher wie dieses, ich würde glatt anfangen, Sportbücher zu lesen. „Jedes Mal, wenn McEnroe auf den Platz ging, schien es, als finge er ganz von vorn an, als spielte er zum ersten Mal.“ Jeder Aufschlag sehe aus wie sein letzter großer Schlag.

Mein erstes Tennismatch vor dem Fernseher war Boris Beckers Wimbledon-Finale 1985. Ich glaube, bis dahin war John McEnroe der einzige Tennisspieler, dessen Namen ich jemals gehört hatte. Dass es auch mal einen Tennis-Spieler namens Björn gegeben haben musste, schloss ich aus dem Neue-Deutsche-Welle-Lied „Sommersprossen“, in dem er vorkam. Ich hatte keine Ahnung, ob dieser Björn überhaupt noch lebte.

McEnroes beste Zeit war 1985 zwar gerade vorbei, aber er blieb bis Anfang der Neunziger ein Weltklassespieler. Eigentlich hatte ich genug Zeit, den Spieler John McEnroe kennen zu lernen. Nachdem ich das Buch von Tim Adams (er muss ungefähr Jahrgang 1966 sein) gelesen habe, bin ich überzeugt: Ich kannte den Spieler John McEnroe überhaupt nicht. Keiner kennt ihn, der seine Matches gegen Björn Borg nicht erlebt hat. (Möglicherweise gilt Ähnliches für Federer und Nadal, aber es ist wohl zu früh, dies zu beurteilen.)

Am 5. Juli 1980, bei seinem letzten Wimbledon-Sieg, schlug Borg McEnroe in fünf Sätzen. Im vierten Satz wehrte McEnroe sieben Matchbälle ab und gewann den Tie-Break mit 18:16. Nach allen Regeln der Küchenpsychologie hätte Borg völlig demoralisiert sein müssen, aber er spielte weiter, als wäre nichts gewesen, und gewann. Aber die schlimmste Niederlage für McEnroe kam erst ein gutes Jahr später, nachdem er Borg im Wimbledon-Finale 1981 schließlich doch noch bezwungen hatte. Borg hörte einfach auf. Mit 26. McEnroes Reaktion: „Ich war am Boden zerstört. Ich fühlte mich vollkommen leer.“ Natürlich habe es auch andere große Gegner gegeben, aber „mit Borg war es selbstverständlich, wir brauchten kein Wort zu sagen“.

Ein halbes Jahr nach San Jose hat McEnroe an einem weiteren ATP-Turnier im Doppel teilgenommen. In Stockholm kamen er und Björkman ins Viertelfinale. Dort spielte McEnroe 15 Minuten lang überirdische Volleys, bis eine Konzentration nachließ. Ich war damals in der Halle und glückselig, McEnroes letzten Auftritt bei einem ATP-Turnier miterleben zu dürfen. Ich hatte aber ein schlechtes Gewissen, weil ich fand, dass Stockholm nicht der passende Ort dafür war. Aus „Being John McEnroe“ habe ich gelernt: Es war sehr wohl der passende Ort. Genau hier, 1978, gewann er zum ersten Mal gegen Björn Borg.

Ein anderes großes John-McEnroe-Thema sind seine Wutausbrüche. 1981 war er der einzige Wimbledon-Sieger des Jahrhunderts, dem die Ehrenmitgliedschaft ihm All England Lawn Tennis Club verwehrt wurde. Wegen seines unflätigen Verhaltens. Kritiker haben bemängelt, dass Tim Adams eine der möglichen Ursachen nicht behandelt: Doping.

2004 gestand McEnroe, in den letzten Jahren seiner Laufbahn Anabolika eingenommen zu haben. "Bei Niederlagen ist er ausgerastet und hat mich und die Kinder für seinen Misserfolg verantwortlich gemacht", sagt seine Ex-Frau Tatum O'Neal. Dass McEnroe gekokst haben könnte, deutet Adams indes an, aber das ist ein anderes Thema.

Adams schrieb sein Buch kurz vor McEnroes Geständnis. (Auf Deutsch ist das Buch erst vier Jahre später erschienen.) Es wäre ein Leichtes gewesen, das Doping-Thema einzubauen, ohne an der Grundaussage des Buches etwas zu ändern. Als McEnroe über 30 war, als er also nach allen Regeln des Erwachsenwerdens abgeklärter hätte werden müssen, das wurden seine Wutausbrüche stärker. Adams erwähnt dies: Während McEnroe 1980 für Sprüche wie „Ihr seid das Letzte“ gerügt wurde und die BBC indigniert die Außenmikrofone von Wimbledon leiser drehte, warf McEnroe den Linienrichtern zehn Jahre später „mehrere F-Wörter“ an den Kopf. Adams meint, McEnroe habe mit der Zeit erkunden, wie weit er gehen könne. Vielleicht waren es aber einfach die Hormonmittelchen.

Ich ziehe es vor, weiterhin zu glauben, dass seine Ausbrüche wenigstens in der ersten Hälfte seiner Karriere schlicht Naturereignisse waren. McEnroe sei „der einzige Mensch, der sich tief und authentisch empören kann“, zitiert Adams einen amerikanischen Anglisten namens Jack Higgs. Der Schauspieler Tom Hulce, der 1984 in Milos Formans Film „Amadeus“ Mozart spielte, nahm sich für diese Rolle McEnroe zum Vorbild.

McEnroe kann sich auch heute noch tief und authentisch empören: Vor ein paar Monaten erst wurde er bei einem Seniorenmatch disqualifiziert.

Er hat gewiss viele Matches mittels seiner unbändigen Wut gewonnen. Oder einfach, weil er John McEnroe war. „By being John McEnroe“, wie sein langjähriger Doppelpartner Peter Fleming sagte. Ein großes Lob übrigens an den deutschen Verlag: Der Titel „Being John McEnroe“ ist viel besser als das englische Original „On Being John McEnroe“. Ich weiß nicht, ob Absicht dahintersteckte, aber bei dem Titel denke ich automatisch an den grandiosen Film „Being John Malkovich“. Der Titel könnte der Grund dafür gewesen sein, dass ich dieses Buch überhaupt gekauft habe.


Being John McEnroe
von Tim Adams

(Vorsicht, das ist ein Werbe-Link)

Sonntag, 8. Februar 2009

Wettbetrug: Die unauffälligen Matches sind das Problem

Sie sind sie wieder da: Die Gerüchte um Wettbetrug im Tennis. Im Herbst 2007 berichteten alle großen Medien darüber. Auslöser war ein Zweitrundenmatch in Sopot (Polen), das der damalige Weltranglisten-Vierte Nikolai Dawidenko gegen den Außenseiter Martin Vassallo-Argüello (Argentinien, Nr. 87) verlor. Acht Russen sollen viel Geld auf Vassallo-Argüello gesetzt haben.

Bald zirkulierten Geschichten von einer Liste mit 140 verdächtigen Matches aus fünf Jahren. Diese Liste wurde allerdings nie öffentlich. Im WDR packte ein anonymer deutscher Profi aus, nannte aber keine Namen.

Nachdem die ATP den Profis riet, über das Thema nicht mehr mit den Medien zu reden, kehrte Ruhe ein. Bis zu dieser Woche. Am Montag in Zagreb gewann Antonio Veic (Kroatien) gegen Guillermo Cañas (Argentinien). Das Spiel soll manipuliert gewesen sein. Das behauptet jedenfalls der Wettanbieter Betfair, der daraufhin eine Untersuchung einleitete.

Cañas ist ein gestandener Profi auf Weltranglistenplatz 67. Veic ist ein unbekannter Nachwuchsspieler von Platz 255, der mit einer Wild Card des Veranstalters ins Teilnehmerfeld von Zagreb gerutscht war.

Alle Wettbüros handelten Cañas als haushohen Favoriten. Trotzdem ist seine Niederlage für sich genommen unspektakulär. Cañas, ein früherer Top-Ten-Spieler, hat seine besten Zeiten längst hinter sich. Neulich im Erstrundenmatch der Australian Open stand er gegen den deutschen Qualifikanten Dieter Kindlmann, dessen Spielstärke etwa der von Antonio Veic entspricht, am Rande einer Niederlage. Und Veic schlug nach Cañas auch noch Jewgeni Korolew (Russland) und zog ins Viertelfinale ein.

Wenn stimmt, was Betfair mitteilt, ist die Sache dennoch verdächtig: Nachdem Cañas den ersten Satz gewonnen hatte, setzte jemand in Australien plötzlich Unsummen auf Veic. Jetzt erst drehte sich das Match. Genauso lief es 2007 im berühmten Dawidenko-Vassallo-Match in Polen.

Im September 2008 erklärte die ATP Dawidenko nach internen Untersuchungen für unschuldig. Zwischenzeitlich hatte er aber einen schweren Stand. Bei jedem Match, das er verlor, schrie irgendwo jemand Schiebung. Einmal verwarnte ihn gar ein Schiedsrichter nach einem Doppelfehler wegen „mangelndem Einsatzes“ (Hier ein Youtube-Clip davon).

Bis zu jenem Vorfall spielte Dawidenko sehr viel mehr kleine Turniere wie das in Sopot. Er sagte, in einer Woche ohne Turnier fühle er sich einfach unwohl, deshalb spiele er so viel. Oft schied er früh aus. Für ihn war das wohl einfach Training unter Wettkampfbedingungen. Gut vorstellbar, dass die Leute, die auf Vassallo gesetzt haben, einfach von irgendwem erfahren hatten, dass Dawidenko keine Lust hatte. Es soll ja sogar Spieler geben, die vor ihrem Match im Hotel auschecken.

Mit Cañas ist das anders. Der gilt als Kampfschwein. Der schenkt ohne Not kein Spiel ab. Doch auch das beweist noch gar nichts. Es ist schon vorgekommen, dass Untersuchungen nach einem scheinbar manipulierten Spiel ergaben, dass hinter den verdächtigen Wetteinsätzen ein betuchter Wettbürokunde stand, der in der Vergangenheit schon sehr viel Geld verloren hat und nun wohl einfach endlich mal Glück hatte.

In den vergangenen zwei Jahren wurden mehrere Profis wegen unterlaubten Wettens für mehrere Monate gesperrt. Aber nicht, weil sie absichtlich verloren oder anderweitig von Manipulationen profitiert hätten. Sie hatten lediglich kleine Beträge auf Matches anderer Profis gesetzt und sie waren so unvorsichtig, sich bei den Wettbüros unter ihren eigenen Namen zu registrieren.

Also alles paletti? Alles nur heiße Luft? Das wiederum halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich bin mir recht sicher, dass im Tennis haufenweise Matches manipuliert werden. Es gibt zu viele Spieler, die von dubiosen Anfragen berichten, als dass das alles nur Wichtigtuer sein könnten. Im Tennis ist der Betrug sehr einfach. Man braucht nur einen einzigen Spieler, der mitmacht. Anders als im Fußball, wo es nichts nützt, wenn der Torwart, der versprochen hat, alles durchzulassen, einfach keinen Ball aufs Tor bekommt.

Nach der Sache mit Canas und Veic war es unter Wettern besonders beliebt, gleich noch ein paar andere Matches in Zagreb (hier alle Ergebnisse) unter Verdacht zu stellen. Und zwar immer dann, wenn der Favorit verlor. Der Zagreber Turnierdirektor will gar eine Morddrohung erhalten haben, weil bei ihm die falschen Leute gewinnen.

Ich glaube aber nicht, dass das Hauptproblem die Matches mit überraschendem Ausgang sind. Das sind Wettbetrugs-Amateure, die sich an so etwas versuchen. Wie die beiden beschriebenene Fälle zeigen, werden die Wettbüros in solchen Fällen schnell misstrauisch.

Wie die Sache wirklich läuft, ist mir klar geworden, als der Österreicher Werner Eschauer erzählte, dass ihm 2007 in Wimbledon jemand Geld für eine absichtliche Niederlage geboten habe. Da haben alle gelacht, als Eschauer davon berichtete. Er hätte sowieso verloren. Sein Gegner war Rafael Nadal.

Wer immer Eschauer da ansprach, wollte wohl einfach mal testen, ob der Mann grundsätzlich an dieser Art von Geschäft interessiert ist. Aber warum Eschauer? Das war jemand, kurz vor dem Ende seiner Laufbahn, der in den meisten Matches auf der ATP-Tour Außenseiter war. (Mittlerweile spielt er gar nicht mehr.) Wenn Eschauer verliert – nicht nur gegen Nadal – schöpft niemand Verdacht. Das Nadal-Match war für den Betrug natürlich denkbar ungeeignet. Wer da einen Euro auf Nadal wettete, bekam im Erfolgsfall 1,02 Euro.

Aber es gibt ja auch andere Matches. Da sind die Rollen zwar klar verteilt, für einen Favoritensieg gibt es aber immerhin noch 1,30 oder 1,40 Euro pro Euro Einsatz. Das sind vermutlich die Matches, bei denen massiv verschoben wird, ohne dass es auffällt. Stars, die Millionen mit Preisgeldern und Werbeverträgen verdienen, werden sich nicht so schnell darauf einlassen, für ein paar Tausender ihre Karriere zu ruinieren. Wer aber jede Woche rechnen muss, ob es sich lohnt, das Flugticket zum nächsten Turnier zu buchen, der mag schon eher bereit sein, sein mageres Preisgeld mit einer absichtlichen Niederlage aufzubessern. Zumal dann, wenn er sich einreden kann, dass er ja wahrscheinlich sowieso verloren hätte.

Also: Die oben erwähnten 140 verdächtige Matches sind beängstigend viele. Aber in fünf Jahren werden, wenn ich richtig überschlagen habe, auf der ATP-Tour und den Grand Slams rund 14.000 Matches gespielt. Ein Prozent der Matches sind verdächtig. Das ist nicht genug, um bei jedem Ergebnis, über das man sich wundert, gleich "Schiebung" zu rufen. Aber einfach über das Problem hinwegsehen sollte man auch nicht.

Sonntag, 1. Februar 2009

Live aus Heilbronn

Nadal gegen Federer. Viereinhalb Stunden, fünf Sätze. Wenn die beiden gegeneinander spielen, ist das fast immer ein großes Drama, und meistens gewinnt Nadal. Diesmal hatte Federer nach seiner Niederlage Tränen in den Augen.

Aber nicht nur bei den Australian Open war heute Finale, sondern auch bei den Heilbronn Open. Wie schon vor ein paar Tagen angekündigt, berichte ich heute von diesem Challenger-Turnier und von seinen Finalisten Benjamin Becker und Karol Beck.

Die Kurve von Roger Federer nach Heilbronn ist gar nicht so schwer zu kriegen. Vor genau zehn Jahren, das Internet war noch fast ganz neu für mich, entdeckte ich die Webseite der ATP und auf ihr die Abteilung mit den Challenger-Ergebnissen. Ein 17-jähriger Qualifikant aus der Schweiz stand im Halbfinale von Heilbronn. Ich beschloss, dass ich mir seinen Namen, ich mutmaßte damals, man spreche ihn französisch aus, merken sollte.

Aber zurück von 1999 nach 2009.

Ein 17-jähriger Qualifikant wurde in diesem Jahr nicht geboten. Aber trotzdem: „Hier sind ja richtig große Namen am Start“, hörte ich einen Besucher sich wundern, als er am Eingang das Stellschild mit dem Spielplan entdeckte. „Ich dachte, die wären alle in Australien.“

Das mit den großen Namen ist natürlich relativ. Philipp Petzschner, Florian Mayer, Benjamin Becker, Michael Berrer. Leute also, die schon das eine oder andere Mal für Deutschland im Davis-Cup gespielt haben, was ihnen eine gewisse Prominenz beschert. Die meisten von ihnen waren tatsächlich vor gut einer Woche noch in Australien. Von den 32 Spielern aus dem Hauptfeld der Heilbronn Open standen zehn auch im Hauptfeld der Australian Open. Die meisten anderen spielten dort in der Qualifikation. Viele Profis, die in Melbourne früh ausscheiden, kommen hierher, um in die europäische Hallensaison zu starten.

Am Freitag und Sonnabend war ich dort, also zum Viertel- und zum Halbfinale. Ein paar Eindrücke von den Matches habe ich direkt ins Handy getippt. (Ich weiß nicht, ob ich so etwas so schnell wieder tun werde. Schreiben und gleichzeitig die Matches verfolgen, ist mühsam und geht nicht immer gut.)

Mein Gesamteindruck: Das Turnier ist tatsächlich so exquisit organisiert, wie man es sich seit Jahren erzählt. Auf den Tribünen haben immerhin 1800 Leute Platz. Am Sonnabend war das Tennis-Center im Gewerbegebiet Rauher Stich im Heilbronner Vorort Talheim ausverkauft. Wo sonst gibt es das bei einer Tennis-Veranstaltung in Deutschland? Jedenfalls nicht bei den beiden anderen Hallen-Challengern, die ich bisher besucht habe. (Das mit den Plastiktischchen in der Behelfslounge und dem schwer zu findenden Tribünenzugang ist in Heilbronn aber genauso wie in Wolfsburg und Lübeck.)

Aber nun zum Sport: Um nicht auszuufern, beschränke ich mich auf die beiden Finalisten Benjamin Becker und Karol Beck und beginne mit Karol Beck. In dieser Reihenfolge hatte ich den Text vorbereitet, weil ich heute morgen sicher war, dass Beck das Turnier gewinnen würde.

Aber ein Turniersieg, das hätte wohl nicht zu Becks Stil gepasst. Dieser Stil ist extrem unauffällig. Unauffällig bleiben ist wohl das beste, was man tun kann, wenn man als Profisportler von einer Dopingsperre zurückkehrt. Genau das tut Karol Beck. Auf dem Platz spielt er den Ball einfach einmal häufiger ins Feld als sein Gegner und steht immer rechtzeitig genau da, wo sein Gegner den Ball hinspielt. So gewann er in Heilbronn Runde für Runde: 6:2, 6:3 gegen Daniel Brands, 6:2, 6:0 gegen den topgesetzetn Lu Yen-Hsun, 6:3, 6:4 gegen den früheren Australian-Open-Finalisten Arnaud Clement und 6:2, 6:1 gegen Michael Berrer, der noch einen Tag zuvor den seiner Meinung nach besten Satz seiner Laufbahn gespielt hatte.

Auch nach dem Match bleibt Beck unauffällig. Man übersieht ihn fast, wenn er zwischen den Plastiktischchen durch die Behelfslounge huscht. Er wirkt viel kleiner als die 1,80 Meter, die er laut offiziellem ATP-Profil misst.

Von seiner Dopingsperre erzählt er ganz treuherzig und mit ruhiger Stimme: Das sei eine schwere Zeit gewesen. Die Polizei habe den Typen, der das gemacht habe, immer noch nicht gefunden. Ein Jahr lang habe er kaum ernsthaft trainiert. Jetzt hoffe er, frei von Verletzungen zu bleiben und sich wieder in den Top 100 zu etablieren.

Beck klingt, als wäre es für ihn völlig selbstverständlich, dass das alle wissen: Es war ein unentdeckter Bösewicht, der ihm damals was „in den Drink gekippt“ hat, bevor er beim Davis-Cup-Halbfinale 2005 positiv auf das anabole Steroid Clenbuterol getestet wurde. Beck kommt absolut glaubwürdig rüber, wenn er dies sagt. Der schnelle Themenwechsel hin zu seinen Zukunftszielen wirkt allerdings sehr geübt.

Der Unbekannte (vielleicht derselbe, der Dieter Baumanns Zahnpasta manipulierte?), das ist die Theorie, auf die sich Beck jetzt konzentriert. In einer Disco in Bratislava soll das passiert sein. Vor dem ITF-Gericht hatte er eine weitere Theorie: Vielleicht habe er ein Medikament seiner Mutter mit Kopfschmerztabletten verwechselt.

Dummheiten wie einen Joint oder eine Cortisonsalbe zum falschen Zeitpunkt verzeiht das verständige Publikum. Aber wer einmal mit Anabolika erwischt wurde, dem hängt das bis ans Ende seiner Karriere nach. Wieso gewinnt der seine Matches alle so deutlich? Wieso ist der so schnell auf den Beinen? Dabei hat Karol Beck in Heilbronn vor allem wegen seines nahezu fehlerlosen Spiels gewonnen. Im ganzen ersten Satz gegen Michael Berrer im Halbfinale machte er nur einen einzigen Fehler.

Vor seiner zweijährigen Sperre war Karol Beck die Nummer 36. Seit gut einem Jahr ist er wieder auf der Tour und rangiert derzeit auf Platz 139.

Aber nun zu Benjamin Becker. Mit 6:4 und 6:4 gewann er das Endspiel gegen Beck. Damit hatte er selber nicht gerechnet, oder jedenfalls gab er es nicht zu. „Ich habe nichts zu verlieren, der Beck ist der klare Favorit“, sagte er am Sonnabend nach seinem Halbfinale gegen Florian Mayer. Schließlich habe Beck seine Matches viel deutlicher gewonnen als er selber.

Vor Heilbronn hatte Benjamin Becker auf die Australian-Open-Qualifikation verzichtet und stattdessen zwei Challengers in Südamerika gespielt. Mit wenig Erfolg: Eine Erstrundenniederlage und ein Viertelfinale. Die Ergebnisse ließen befürchten, er könnte wieder Probleme mit der Schulter und dem Oberarm haben. Die hatten ihn schon das ganze letzte Jahr behindert, im Herbst halfen selbst Schmerzmittel nicht mehr weiter. Vor zwei Jahren war er noch die Nummer 38 in der Welt, vor Heilbronn war er auf Platz 135 abgerutscht.

Im Moment scheint es seiner Schulter aber ganz gut zu gehen. Er habe die chronische Entzündung in der Saisonpause endlich mal vernünftig behandeln lassen, sagt er. Ganz in Ordnung sei sie zwar nicht, aber „wenn es im Sommer immer noch so ist wie jetzt, bin ich zufrieden“. Er will auf jeden Fall eine Operation vermeiden. Denn dann würde er mehrere Monate nicht spielen können, und er fürchtet, dass er danach den Anschluss nicht mehr schaffen würde. „Mit dem neuen Weltranglistensystem ist es noch schwerer geworden, sich wieder nach oben zu spielen“, meint er.

Also spielt er Woche für Woche weiter, fleißig Punkte sammeln. Nach dem Finale ist er gleich zum nächsten Turnier nach Johannesburg geflogen.

Ob er im nächsten Jahr seinen Titel verteidigt, hängt nicht nur von seiner Schulter ab, sondern auch davon, ob das Turnier wieder stattfindet. Am Sonnabend ließ Turnierdirektor Uli Eimüllner eine Pressemitteilung verteilen, in der er über zwei Seiten darlegte, wie gelungen die Heilbronn Open wieder einmal gewesen seien. Auf der dritten Seite dann die Sätze: „Dennoch muss ich in den nächsten Monaten nüchtern Bilanz ziehen und hart kämpfen, damit auch die Heilbronn Open 2010 auf sicheren Beinen stehen. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise machen sich auch bei uns bemerkbar, und ich hoffe, dass sich dennoch einige Unternehmen für ein Engagement bei unserem Turnier entschließen können.“

Hier die Ergebnisse aus Heilbronn im Einzel und im Doppel (wo Karol Beck dann doch noch gewann).

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