Sonntag, 25. Oktober 2009

Live von der Qualifikation in Wien

Am nächsten Sonntag gibt es an dieser Stelle einen ausführlichen Bericht vom ATP-Turnier in der Wiener Stadthalle. Heute fasse ich mich etwas kürzer. Ich bin schon in Wien, habe aber noch nicht viel Tennis gesehen: von der letzten Qualifikationsrunde nur den dritten Satz zwischen Dominik Hrbaty (Slowakei) und Michael Berrer (Deutschland) und ein paar Spiele aus dem zweiten Satz zwischen Alejandro Falla (Kolumbien) und Adrian Ungur (Rumänien).

Die Wiener Stadthalle scheint mit für ein Tennisturnier sehr gut geeignet. Sie ist keine von diesen riesigen sponsorenbenamten Mehrzweckhallen, in denen ein gefühlter halber Kilometer das Publikum vom Spielfeld trennt. Sie hat genau die richtige Größe. Mit schwarzen Wänden, die sich unterm Dach im Nirgendwo verlieren, und mit dunkelroten Stoffbezügen auf den Klappsitzen wirkt sie fast wie ein Theater. Mal sehen, ob das morgen immer noch so wirkt, wenn das Hauptturnier losgeht und die Sitze alle besetzt sind. (Morgen ist in Österreich Nationalfeiertag, die Wiener sollten also eigentlich Zeit haben, in ihre Stadthalle zu kommen.)

Nun zu den beiden Matches, von denen ich etwas mitbekommen habe: Als ich auf dem Weg zu Falla-Ungur war, kam mir ein untersetzter älterer Herr entgegen, der murmelte: "Des ist vielläicht o Schääiß-Portie." Ganz so schlimm war es nicht, aber insbesondere Ungur wirkte schon arg lustlos.

Hrbaty und Berrer hatten da mehr Pepp. Hrabaty gewann dank seiner technischen Überlegenheit. Dem wusste Berrer zwar in lichten Momenten per Ass seine pure Masse von zwei Zentnern entgegenzusetzen, aber am Ende scheiterte er an seinen Schnürsenkeln und an Hrbatys Bruder oder Schwager oder so. Berrer war unentwegt damit beschäftigt, sich den linken Schuh zuzubinden. Beim 4:4 im Tie-Break des zweiten Satzes setzte er sich auf seinen Stuhl unterhalb des Schiedsrichters, und ich dachte schon, jetzt kommt gleich der Physiotherapeut und das Spiel ist vorbei. Dann aber verkündete der Schiedsrichter: "Michael Berrers Schuhband ist gerissen. Herr Berrer erhält nun die nötige Zeit, um das Schuhband auszutauschen." Aber auch der neue Schnürsenkel half anscheinend nicht weiter und löste sich mindestens zwei weitere Male.

Und dann war da noch der enthusiastische Verwandte von Dominik Hrbaty, der in der ersten Reihe hinter der Grundlinie saß und jedes Mal laut "Bravo" rief, wenn Dominik wieder Mal einen Rückhand-Slice so flach übers Netz geschleudert hatte, dass Berrer nicht mehr rechtzeitig nach unten kam. Kurz nachdem Berrer in einem Aufschlagspiel vier Doppelfehler machte und mithin ein Break kassierte, ging er auf den Bravo-Rufer los und schrie: "What's your mission?" Der Bravo-Rufer antwortete nicht oder jedenfalls nicht so laut, dass seine Antwort im ganzen Saal zu hören gewesen wäre. Da ergänzte Berrer: "I mean now you can shut up." Den Angesprochenen focht das nicht weiter an, allerdings errang Berrer einen Teilerfolg: Die Bravo-Rufe wurden tatsächlich weniger, weil der Rufer nun damit befasst war, sich bis zum Ende der Begegnung und darüber hinaus über den Vorfall zu beömmeln.

Hier die Ergebnisse aus der Qualifikation in Wien (PDF)

Sonntag, 18. Oktober 2009

Durcheinander am Rothenbaum - Also doch lieber Schanghai?

Nikolai Dawidenko hat wieder zugeschlagen. In regelmäßigen Abständen von ungefähr anderthalb Jahren gewinnt der Mann aus Wolgograd plötzlich ein großes Turnier. Heute war es das Masters von Schanghai. 7:6 und 6:3 gegen Rafael Nadal.

Kleinere Titel holt Dawidenko ja öfter mal, zuletzt im Juli in Hamburg. Irgendwie rührend, dass der erste Spieler, der am Hamburger Rothenbaum gewann, nachdem das Turnier seinen Weltklasse-Mastersstatus verloren hat, drei Monate später auch dasjenige Turnier gewinnt, an das Hamburg diesen Status abgeben musste.

(Manche Leute sagen ja, Hamburg habe den Status an Madrid verloren, aber Madrid hatte ja schon vorher ein Masters-Turnier, das jetzt nur auf Hamburgs alten Platz im Kalender gerückt ist. Neu dazugekommen ist das Turnier in Schanghai.)

(Wer mehr über die Vorgeschichte und darüber, was es mit den Masters-Tunrieren auf sich hat, wissen will, klickt hier.)

Wer nun die Turniere von Hamburg und Schanghai miteinander vergleicht, kann schnell zu dem Ergebnis kommen, dass in Hamburg alles besser war. Roger Federer und Andy Murray sind gar nicht erst hingefahren nach China. Juan Martin del Potro, Andy Roddick, Gael Monfils, Tommy Haas und fünf weitere Spieler waren zwar da, haben aber bald wegen Verletzung ihre Teilnahme beendet. (Mischa Zverev hat sich tatsächlich das Handgelenk gebrochen und kann erst im nächsten Jahr wieder spielen, bei anderen Spielern kann man aber auch Desinteresse vermuten.)

Und was das Zuschauerinteresse angeht, da hat die Kollegin Loreley vor ein paar Tagen einen Link zu dieser Frage gesetzt: „Has a tournament ever had more retirements than fans?“ Es heißt zwar, es sei auf dem Center Court auch deshalb so leise gewesen, weil Chinesen es eben ernst nehmen, wenn ein Schiedsrichter „Quiet, please“ sagt. Aber trotzdem: Gut besucht war das Qi Zhong Tennis Center wahrlich nicht. Die Mühe, eigens für das neue Masters-Turnier einen Platz 2 mit 5000 Zuschaueplätzen aus dem Boden zu stampfen, hätte man sich sparen können. Das Heer der Wanderarbeiter kann sich die Tageskarte für umgerechnet zwölf Euro schwerlich leisten, aber bei 19 Millionen Einwohnern in einer pulsierenden Metropole, wenn dann keiner zum Tennis geht, dann liegt das auch daran, dass es einfach keinen interessiert, zumal Timo Boll ja nicht mitspielte.

In Hamburg dagegen war das Stadion auch 2008 noch gut gefüllt. Ich hab mich jedes Mal gewundert, wo die ganzen Tennisfans eigentlich herkamen, von denen man sonst das ganze Jahr über nichts mitbekam. Das kann eigentlich nur heißen: Schnell wieder zurück nach Hamburg mit dem Masters-Turnier. Das wird die ATP natürlich nicht machen. Die ATP will ja unbedingt den chinesischen Markt erobern, weil sie mal gehört hat, dass der sehr groß ist. Außerdem gibt es in China Sponsoren.

Das mit den Sponsoren ist in Hamburg tatsächlich etwas schwierig. Die anderen deutschen Tennisturniere haben damit komischerweise keine Probleme. Auch der neue Turnierdirektor Michael Stich, der Ende vergangenen Jahres hoffnungsvoll startete und mit seinen guten Kontakten in die Wirtschaft warb, konnte daran nicht viel ändern.

Dafür hat Hamburg den Deutschen Tennisbund. Von dem werden wir spätestens Mitte Novemvber noch viel hören, wenn in Warnemünde Mitgliederversammlung ist. Acht Landesverbände, die von sich behaupten, eine klare Mehrheit hinter sich zu haben, misstrauen dem amtierenden Präsidenten Georg von Waldenfels offen. Aber der gelernte CSU-Politiker (bayerischer Finanzminister 1990-95) denkt nicht an Rücktritt. Auch das hat alles mit dem Rothenbaum zu tun, und ich bekenne offen: Ich durchschaue die ganze Sache nicht ganz. Die oppositionellen Landesverbände haben eine oder mehrere Task Forces gegründet, die sich überwiegend mit dem Thema Rothenbaum und Finanzen und Rothenbaum-Finanzen beschäftigen und an denen sich auch andere Landesverbände beteiligen. Manche Leute meinen, auch Michael Stich gehöre einer solchen Task Force an, Michael Stich hat das dementieren lassen, gleichzeitig aber gesagt, dass er selbstverständlich bei allem mitmacht, wofür die Task Forces ihn brauchen. Unterschiedliche Auffassungen bestehen auch bei der Frage, bis wann und warum Stich Turnierdirektor zu bleiben zugesagt hat. Nebenbei ist der DTB neulich fast zahlungsunfähig gewesen und in ein paar Wochen schuldenfrei – jedenfalls nach Angaben des DTB. Außerdem läuft in den USA immer noch der Zivilprozess des DTB gegen die ATP um den längst vergessenen Masters-Status am Rothenbaum. Auf die Frage, ob der DTB überhaupt noch in der Lage wäre, ein Masters-Turnier zu stemmen, antwortete von Waldenfels jüngst im Tennis-Magazin mit einem „Grundsätzlich ja“ und kommt drauf an.

Also, vielleicht doch lieber Schanghai? In China würde solch ein Chaos nicht passieren. Die haben ihre Opposition im Griff. Und damit hätten wir zum Abschluss doch noch mal ein triftiges Argument für Hamburg.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Wie man Kohlschreiber ausspricht

Schtepahnek heißt er also. Radek Schtepahnek. Beim brasilianischen Kanal Globo Esporte hatten sie neulich die Idee, einmal Tennisreporter aus aller Welt die Namen ihrer heimischen Profis vorlesen zu lassen. Ein sehr aufschlussreiches wie unterhaltsames Unterfangen.

Die Aussprache der deutschen Spieler scheint aus brasilianischer Sicht besonders abenteuerlich zu sein. Jedenfalls beginnt das Filmchen mit taz-Reporterin Doris Henkel.

Von den meisten Spielern bekommt ja mit der Zeit irgendwie mit, wie sie auszusprechen sind. Die ATP hilft sogar ein bisschen auf ihrer Webseite, wo auf vielen Spielerprofilen in in lautmalerischem Englisch unter „Pronounced“ Wörter wie „kol-shrie-ber“ oder „shtikh“ stehen. So ganz zuverlässig sind diese Angaben aber nicht, auch nicht vollständig. Für Radek Stepanek, den ich bisher für einen S-täppanek hielt, zum Beispiel – immerhin ein dauerhafter Top-20-Spieler, gibt es kein „Pronounced“.

Das Filmchen hält noch ein paar andere Überraschungen parat (jedenfalls für mich). Zum Beispiel, dass zumindest der belgische Tennisreporter bei Kristof Vliegen das n nicht mitspricht und ihn mithin zum Fliege macht. Der Kollege Yves Simon scheint aber selbst französischsprachiger Belgier zu sein, vielleicht ist er nicht ganz vertrauenswürdig, wenn es um Flamen wie Vliegen geht. Außerdem muss ich gestehen, bisher niemals darüber nachgedacht zu haben, ob Steve Darcis Flame ist oder Wallone. Der sächsisch anmutende Vorname Steve gibt da ja keinerlei Hinweis. Yves Simon spricht Darcis eindeutig französisch aus.

Den Nachnamen von Stanislas Wawrinka habe ich bisher gern mal auf der ersten Silbe betont, weil die Schweizer ja eigentlich alles auf der ersten Silbe betonen (einschließlich des Verbes „betonen“). Aber er heitß wohl doch ganz normal Wawrinka, wie man spricht.

Die Japanerin lässt bei Kei Nishikori das erste i im Nachnamen weg, als gäb's da was zu verheimlichen. Aber ob die Japanerin so ganz zuverlässig ist? Aus Kimiko Date-Krumm, die mit einem deutschen Autorennfahrer verheiratet ist, macht sie Date-Krümm (oder gar Kürümmü?).

Ach ja, hier ist übrigens der Link zum Clip:

http://video.globo.com/Videos/...,00.html

Und hier das Video in direkt: (Wenn die bei Globo selber einen Embedden-Link anbieten, wird es wohl mit dem Urheberrecht kein Problem geben.)




Natürlich sollte man bei diesem Video nicht nur darauf achten, was die internationalen Sportjournalisten zu sagen haben. Man sollte auch auf die Sportjournalisten selbst achten. Und auf ihre Namen. Den brasilianischen Zuschauern wird leider gar nicht aufgefallen sein, dass der US-Reporter auf den schönen sprechenden Namen Jordan Sprechman ("s-präk-min") hört.

Aber nun zur Mimik. Wichtig ist offenbar bei der scheinbar ganz einfachen Aussprache des Namens Mario Ancic, dass man beim -cic die linke Hälfte der Oberlippe fast bis zum Nasenloch hochzieht und bei allen anderen -ics nur so halb. Als Serbe muss man, wenn man eine Reihe von -ic-Namen aufsagt und plötzlich einer mir -ki dazwischen ist, ein angemessen überraschtes Gesicht aufsetzen.

Wenn man auf Französisch Jo-Wilfried Tsonga sagt, muss man nicht nur daran denken, das a von Tsonga zu betonen, man sollte auch tunlichst in die Wäsche gucken wie Boris Becker. Ob man dabei zwangsläufig so ein tiefes Dekolleté braucht wie Vincent Cognet, weiß ich nicht genau.

Aber apropos Vincent. Was ich ja von Herrn Sprechman gern erfahren hätte, ist die offizielle Aussprache seines Landsmanns Vincent Spadea. Von dem hat man schon so einige abenteuerliche Versionen gehört.

Wenn jemand gesicherte Informationen zur Aussprache anderer hier nicht erwähnter abseitiger Akteure hat: immer her damit. Mich interessieren zum Beispiel Somdev Devvarman, Danai Udomchoke und Teimuraz Gabashvili.

Hier noch mal alle ausgesprochenen Namen zum Mitlesen (Ich hoffe, ich habe mich nirgends verhört, Thiago Alves zum Beispiel musste ich mir zweimal abspielen):

Deutschland
Philipp Kohlschreiber
Andreas Beck
Mischa Zverev
Simon Greul
Tommy Haas
Björn Phau
Rainer Schüttler

Argentinien
Juan Martín del Potro
David Nalbandián
Juan Mónaco
José Acasuso
Martín Vassallo-Argüello
Horacio Zeballos
Máximo Gonzalez

Belgien
Kim Clijsters
Justine Henin
Kristof Vliegen
Christophe Rochus
Yanina Wickmayer
Kirsten Flipkens
Olivier Rochus
Steve Darcis

Brasilien

Tomas Bellucci
Andre Sa
Marcelo Melo
Thiago Alves
Bruno Soares
Marcos Daniel

China

Jie Zheng
Li Na
Peng Shuai

Kroatien
Marin Cilic
Ivan Ljubicic
Mario Ancic
Ivo Karlovic

Spanien
Fernando Verdasco
Nicolás Almagro
Marcel Granollers
Rubén Ramirez-Hidalgo
Carlos Moyá
Rafael Nadal

USA

Sam Querrey
John Isner
Wayne Odesnik
James Blake
Andy Roddick
Melanie Oudin
Serena Williams
Venus Williams

Frankreich

Marion Bartoli
Alizé Cornet
Amelie Mauresmo
Gilles Simon
Jo-Wilfried Tsonga
Gael Monfils

Großbritannien

Anne Keothavong
James Ward
Andy Murray
Laura Robson

Italien

Francesca Schiavone
Roberta Vinci
Tathiana Garbin
Fabio Fognini
Simone Bolelli
Potito Starace

Polen

Agnieszka Radwanska
Urszula Radwanska

Russland

Marat Safin
Dinara Safina
Svetlana Kuznetsova
Elena Dementieva
Michail Juschni
Nadia Petrowa
Vera Zvonareva
Alisa Kleybanova
Maria Sharapova

Serbien
Ana Ivanovic
Jelena Jankovic
Novak Djokovic
Janko Tipsarevic
Viktor Troicki

Tschechien
Tomas Berdych
Radek Stepanek
Petra Kvitova
Ivo Minar
Lucie Safarova

Schweiz

Patty Schnyder
Marco Chiudinelli
Timea Bacsinszky
Stefanie Vögele
Stanislas Wawrinka
Roger Federer

Japan
Ayumi Morita
Ai Sugiyama
Kei Nishikori
Kimiko Date Krumm
Aiko Nakaruma

Sonntag, 4. Oktober 2009

Olympia 2016: Tennis wird eine große Nummer

1010 Goldmedaillen gewannen Athleten aus den Vereinigten Staaten von Amerika seit 1896 bei Olympischen Spielen. 518 Medaillen gewannen die Deutschen. Brasilianer gewannen 20. Bei 190 Millionen Einwohnern ist das eine ausgesprochen mäßige Ausbeute. Dafür waren die Brasilianer fünfmal Fußball-Weltmeister, die Deutschen nur dreimal und die US-Amerikaner noch nie.

Fußball scheint der einzige Sport zu sein, der in Brasilien ernsthaft betrieben wird. Ein paar Autorennfahrer von Nelson Piquet bis Felipe Massa gibt’s dann noch. Die Formel 1 aber ist nicht olympisch und Fußball irgendwie auch nur so halb. Ein Wunder, dass man sich in Rio de Janeiro nun so sehr freut, die Olympischen Spiele 2016 austragen zu dürfen. Präsident Lula heulte Rotz und Wasser, als die Entscheidung am Freitag in Kopenhagen gefallen war. Dann fand er sich in inniger Umarmung mit seinem wichtigsten Sportbotschafter, natürlich einem Fußballer: Pele.

Aber in Kopenhagen war noch einer dabei, der beim IOC für Rio warb: Gustavo Kuerten, der dreifache French-Open-Sieger mit rheinischer Oma. Das brasilianische Tennis der Nach-Kuerten-Ära ist zwar noch schwächer als das deutsche der Nach-Becker-Stich-Ära, Tennis ist in Brasilien aber nach wie vor eine der beliebtesten Sportarten nach dem Fußball. Deshalb wage ich einfach mal die Prognose: Bei den Olympischen Spielen 2016 wird Tennis im Mittelpunkt stehen wie noch nie zuvor. Hammerwerfen, Reckturnen und Kanufahren interessiert am Zuckerhut nämlich keinen. Die Leute werden außer Fußball alle nur Tennis gucken wollen (und Beachvolleyball auch). Ich war zwar noch nie in Brasilien und gebe diese Prognose daher ohne große Landeskenntnis ab, aber ich legte mir vor einiger Zeit mal eine Südamerikareise leichtsinnigerweise zeitlich so, dass sie zur Hälfte mit einer Hälfte der Olympischen Spiele zusammenfiel. Wenn ich mal ein Herbergszimmer fand, in dem außer dem vollkommen olympiafreien peruanischen Fernsehen (einziger bisheriger Goldmedaillengewinner: Edwin Vasquez Cam, Scheibenpistole 1948) das brasilianische lief, zeigten sie dort genau die drei eben genannten Sportarten: Fußball, Tennis, Volleyball.

Bemerkenswert finde ich auch, auf wie viele Brasilianern man in internationalen Tennisforen im Internet trifft. Tennis ist nach langer Unterbrechung erst 1988 wieder olympischen geworden und läuft im Programm meist mehr so nebenbei. Vielleicht interessieren sich die Londoner 2012 in London für Andy Murray, wenn der dann noch Erfolg hat. Das Kuriosum, dass wenige Wochen nach Wimbledon das olympische Tennisturnier wiederum in Wimbledon ausgetragen wird, könnte außerdem für ein gewissen Interesse sorgen.

Aber es gibt ja kaum Medaillen zu gewinnen. Bei Damen und Herren jeweils eine im Einzel und eine im Doppel. Zum olympischen Superstar mit acht Goldmedaillen in einer Woche, wie Michael Phelps vergangenes Jahr im Schwimmen, kann man als Tennisspieler nicht werden. In Rio aber wird Tennis eine der Disziplinen mit dem größten Zuschauerinteresse sein, und davon werden die internationalen Medien nicht ganz unbeeindruckt bleiben.

Für Prognosen, ob die Brasilianer in der Lage sein werden, ihren bisher 20 Goldmedaillen im Tennis eine 21. hinzuzufügen, ist es sieben Jahre vorher natürlich zu früh. Ein aufstrebendes Talent von Weltruf gibt es derzeit nicht. Wären die Olympischen Spiele jetzt, hätte höchstens das Doppel Marcelo Melo/Andre Sa eine Außenseiterchance.

Im Sinne der Weltgerechtigkeit wäre es übrigens angebracht, dass die ATP auch mal ganz unabhängig von Olympia ein großes Turnier ins tennisbegeisterte Südamerika vergibt. Bislang gibt es nur jeweils eine drittklassige 250er-Veranstaltung in Argentinien, Chile und Brasilien.

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