Sonntag, 25. April 2010

Michael Stich - ein synergetischer Challenger-Direktor

In den kommenden Wochen, erklärte Turnierdirektor Michael Stich vor ein paar Wochen, werde er endlich den heiß ersehnten Hauptsponsor für die German Open am Hamburger Rothenbaum präsentieren. Vor ein paar Tagen nahm Stich tatsächlich an einer Präsentation teil. Allerdings präsentierte nicht er einen Sponsor, sondern der Geschäftsführer einer Brunswiek Marketing GmbH präsentierte Michael Stich – als Turnierdirektor des Challengers in Braunschweig, das parallel zur zweiten Wimbledonwoche stattfindet und mit 150.000 Dollar Preisgeld zur Hautevolee der zweiten Liga zählt. Einige Sandplatzspezialisten von den Plätzen 50 bis 100 der Welt dürften dort auflaufen, wenn sich im Wimbledon rechtzeitig ausscheiden.

Für so einen Quatsch hat Stich Zeit, anstatt sich um die Rettung Hamburgs zu kümmern, könnte man jetzt höhnen. In Wahrheit aber ist es für den Lauf der Welt ziemlich gleichgültig, ob sich Stich nun auch Braunschweig-Direktor nennen darf oder nicht. Stichs Vorgänger in Braunschweig ist derselbe wie in Hamburg: Charly Steeb.

Es gibt zwei Sorten von Turnierdirektoren: Solche, die sich neben dem sportlichen auch um das wirtschaftliche Wohlergehen des Turniers, das sie zu dirigieren haben, kümmern, und solche, die ein Aushängeschild sind und ein bisschen ihre Kontakte in die große weite Tenniswelt spielen lassen. In Hamburg ist Stich ein echter Direktor. Was man aus Braunschweig liest, sieht eher nach Frühstücksdirektor aus. Alle wichtigen organisatorischen Fäden laufen bei Harald Tenzer zusammen, dem Geschäftsführer der oben erwähnten Brunswiek Marketing GmbH. Alles, was Stich sagt, ist, dass er sich freut, dass das Challenger in Braunschweig so toll ist und dass er keine Konkurrenz zu seinem Hamburger Turnier sieht, sondern eher Synergien zum Beispiel „bei der Ansprache von Spielern“. (Braunschweig ist zwar ein Edelchallenger, ich habe dennoch die leichte Hoffnung, dass sich das Teilnehmerfeld in Hamburg von dem in Braunschweig deutlich unterscheiden wird.)

Ach ja, und dann wird Stich Braunschweig, während auf den Außenplätzen die Challenger-Erstrundenpartien laufen, einen Schaukampf gegen Thomas Muster bestreiten. Soll er – solange er das mit der Präsentation des Hauptsponsors für Hamburg darüber nicht vergisst. Vielleicht verpflichtet er Muster dann ja ganz synergetisch für einen Auftritt in Hamburg.

Sonntag, 18. April 2010

Der ATP-Zirkus entkommt der Vulkanasche

Gern hätte ich heute ja Schreckensmeldungen verbreitet von Tennisprofis, die trotz gebuchten Fluges per Anhalter versuchen, sich zu irgendwelchen Turnieren durchzuschlagen.

Ist aber nicht. Eyjafjallajökull stoppt zwar Urlauber und Staatsleute auf. Der Tenniszirkus indes dreht sich weiter, als wäre nichts gewesen. Die ATP hat mit ihrer Turnierplanung alles richtig gemacht. Es hilft, dass die europäische Sandplatzsaison im Süden startet, dort wo das Wetter schon im April gut ist und wohin isländische Aschewolken es so schnell nicht schaffen.

In der abgelaufenen Woche spielte man in Monte Carlo. Der zuständige Flughafen von Nizza befindet sich genau auf der Grenze zur vermuteten Aschewolke und war in den vergangenen Tagen anscheinend überwiegend geöffnet. Nun wird in Barcelona weitergespielt. In Spanien ist ohnehin keine Asche in der Luft, und wie durch ein Wunder waren fast alle Spieler, die für Barcelona gemeldet hatten, entweder auch in Monte Carlo im Einsatz gewesen, reisen also direkt von dort weiter, oder sie kommen aus Spanien oder Amerika und brauchen sich wegen des Vulkans ohnehin keine Sorgen zu machen. Oder – dritte Variante – sie hatten so viel Glück wie der Finne Jarkko Nieminen, der in Helsinki abhob, sechs Stunden bevor der Luftraum geschlossen wurde.

Blöd ist die Situation für Nord- und Mitteleuropäer, die nach Monte Carlo eine Woche Pause zu Hause einlegen wollten. Philipp Kohlschreiber schlug sich nach seinem Viertelfinale gegen David Ferrer über Land nach München durch. Aber das ist ja für den geregelten Ablauf der Turniere egal.

Auch in der zweiten Liga, bei den Challenger-Turnieren zeichnen sich für die kommende Woche keine dramatischen Spieler-Absagen ab. Das einzige Challenger, das wenigstens im Laufe dieses Wochenendes unter die Eyjafjallajökull-Wolke geriet, ist in Rom. Für Rom hatte sich die ATP eine ausgesprochene Albernheit ausgedacht, die es sonst so gut wie nirgends gibt: Zwei Challengers in derselben Stadt in zwei aufeinanderfolgenden Wochen – natürlich mit fast identischen Teilnehmerfeldern. Der Sinn dieser Aktion erschließt sich jetzt: Die Spieler, die dort ab morgen spielen, sind alle sowieso schon da. Alle anderen Challenger in der vergangenen Woche fanden weit weg von Europa statt: Südafrika, USA, Mexiko, Kolumbien und Brasilien. In der kommenden Woche geht es außer in Rom weiter wiederum in den USA und in Brasilien und außerdem in Athen.

Das Challenger von Athen ist das einzige Turnier, das aschewolkentechnisch wenigstens ein bisschen spannend ist. Das Teilnehmerfeld ist ausgesprochen stark. Es treten eine ganze Reihe Leute an, die vorige Woche in Monte Carlo waren und von Nizza aus ohne große Schwierigkeiten nach Griechenland gelangt sein dürften, darunter Benjamin Becker und Philipp Petzschner. Viele andere kommen direkt aus Johannesburg, zum Beispiel Lukas Lacko (Slowakei), Lu Yen-Hsun (Taiwan), Stephane Bohli (Schweiz) oder Gilles Muller (Luxemburg).

Es scheint kein Spieler, der auf der Meldeliste von Athen stand, von vornherein abgesagt zu haben. Aber ich weiß nicht, ob diejenigen, die aus dem Norden kommen, wirklich alle schon da sind oder ob sie bloß hoffen, rechtzeitig irgendwo einen Flieger zu bekommen. Die Verlierer aus der Qualifikation dürften sich große Hoffungen auf Lucky-Loser-Plätze machen. Rainer Schüttler, Björn Phau und der Belgier Xavier Malisse zum Beispiel wollen in Athen antreten, waren in der abgelaufenen Woche aber nirgends im Einsatz und halten sich daher möglichweise aktuell unter Vulkanasche auf.

Sonntag, 11. April 2010

Hormone in Reisegepäck: Wayne interessiert's?

Es gibt wieder einmal einen Dopingfall zu vermelden. Die Sache plätschert schon seit ein paar Wochen vor sich hin. Hauptdarsteller ist der Amerikaner Wayne Odesnik (24). Letzte Nacht spielte er ein hart umkämpftes Halbfinale beim ATP-Turnier von Houston. Sein bisher bestes Ergebnis in diesem Jahr. Allerdings muss er damit rechnen, dass er die 90 Weltranglistenpunkte und die 22.685 Dollar Preisgeld demnächst wieder abgeben muss.

Am 2. Januar wurde er auf dem Flughafen von Brisbane vom australischen Zoll angehalten. Er trug acht Fläschchen HGH bei sich – zu deutsch Somatotoprin, ein Wachstumshormon, das unter Bodybuilern sehr beliebt ist, selbstverständlich auf der Dopingliste steht, im Körper aber anscheinend nur schwer nachweisbar ist.

Die australischen Behörden teilten den Vorfall dem australischen Tennisverband, wo man diese Information nach eigenen Angaben mit Interesse aufnahm, aber keine Möglichkeit sah, aus ihr irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Odesnik fuhr, nachdem man ihm seine Ampullen beschlagnahmt hatte, wie geplant in die Stadt und erreichte beim ATP-Turnier in Brisbane das Viertelfinale. Zwei Wochen später reiste er weiter zu den Australian Open nach Melbourne, wo er in der zweiten Runde gegen Philipp Kohlschreiber ausschied.

Der australische Tennisverband konnte in der Tat gegen Odesniks Auftritte nichts tun. Schließlich gibt es internationale Kommissionen, die über Dopingsperren entscheiden, und die einschlägige Kommission beim Internationalen Tennisverband ITF ist nicht gerade für ihr hohes Tempo berühmt. Bemerkenswert finde ich aber, mit welcher Chuzpe Spieler, die beim Doping ertappt wurden, weiterspielen, als wäre nichts gewesen, bis ihre Sperre Monate später offiziell verhängt wird. Auch Wayne vermittelte nach außen das Bild, die Sache interessiere ihn nicht weiter. Das Allerschärfste ist, dass er nach dem Vorfall von Brisbane die Zusammenarbeit mit einem neuen Trainer begann: mit Guillermo Canas aus Argentinien, der als Spieler vor allem dadurch bekannt wurde, dass er 2005 plötzlich in den Top Ten auftauchte, dann 15 Monate wegen Dopings gesperrt wurde und seither an alte Erfolge nicht mehr anknüpfen konnte.

Bei den anschließenden Turnieren in San Jose, Memphis, Delray Beach, Indian Wells und Miami spielte Wayne ausgesprochen erfolglos, aber nicht wesentlich erfolgloser als sonst. Er ist halt ein Spieler, der im Ranking um Platz 100 rumdümpelt.

Ende März verhängte ein australisches Gericht gegen Odesnik eine Geldstrafe in Höhe von 7000 Dollar. Auf dieser Basis nimmt nun die Anti-Doping-Kommission der ITF ihre Ermittlungen auf. Sie wird sich kaum leisten können, das australische Urteil nicht als Beweis anzunehmen, dass Wayne die Hormone nicht nur am, sondern auch im Körper verwendet hat. Von Waynes amerikanischen Arbeitskollegen verteidigt ihn keiner. „Man sollte ihn aus dem Tennis rauswerfen“, fordert Andy Roddick. James Blake sagt, er fand Wayne ganz nett, habe ihn aber eigentlich nicht besonders gut gekannt. Und Sam Querrey, derjenige, gegen den Odesnik das Halbfinale letzte Nacht verlor, sagte, Wayne habe nun hoffentlich seine Lektion gelernt. Den zweitbesten US-Boy in der Weltrangliste haben die US-Reporter offenbar nicht zu dem Fall interviewt. So ganz naturalisiert scheint er jenseits des Atlantiks noch nicht zu sein.

Die Stellungnahme der ATP ist von so bestechender Eloquenz, dass ich sie im englischen Original zitieren möchte: „We are extremely disappointed in the behavior of this individual, which is in no way representative of the sport of tennis.“

Jetzt dürfen wir spekulieren, wann die ITF sich bemüßigt fühlt, eine Entscheidung im Fall Odesnik zu treffen. Unter normalen Umständen hätte ich gesagt: frühestens im September. Aber in der Sache Richard Gasquet vor ziemlich genau einem Jahr hat die ITF gezeigt, dass sie auch schneller kann, wenn ein Fall erst einmal öffentlich ruchbar geworden ist.

Sonntag, 4. April 2010

Der Mann des Quartals: Andy Roddick



Frohe Ostern allerseits!

Heute mal ein relativ kurzer Blogeintrag. Die Älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch an den Spieler auf diesem Video. Nicht Nadal, an den erinnern sich auch die Mittelalten. Der andere: Andy Roddick.

Andy Roddick hat in Miami in dieser Woche nicht nur Rafael Nadal geschlagen (4:6, 6:3, 6:3), sondern auch das Turnier gewonnen. Vorletzte Woche beim Masters in Indian Wells stand er im Endspiel. Dasselbe tat er Anfang Februar in San Jose, und im Januar gewann er den Titel in Brisbane. Seine knappe Viertelfinalniederlage gegen Marin Cilic bei den Australian Open wirkt im Rückblick wie ein Betriebsunfall.

Zum Jahresbeginn sprach alle Welt davon, ob Roger Federer wohl die Nummer 1 bleibt, ob Rafael Nadal nach seinen Verletzungen die Rückkehr an die Spitze gelingt ob beide von Andy Murray, Novak Djokovic oder gar Juan Martin del Potro überholt werden. Von Federers Vorgänger als Nummer 1 sprach kein Schwein mehr. Aber im ersten Quartal 2010 hat kein Spieler so viele Weltranglistenpunkte gesammelt wie Altmeister Roddick.

Diesen nostalgischen Moment sollte man festhalten. Denn morgen beginnt die Sandplatzsaison. Andy Roddick wird sie weitgehend sausen lassen, und wenn er doch mal pflichtschuldigst bei einem Sandmasters auftaucht, wird er sich dort schnell wieder verabschieden. Bis Juni wird niemand mehr von Andy Roddick reden. Aber spätestens dann sollte man sich daran erinnern, wer Roger Federers Gegner im epochalen Wimbledonfinale 2009 war.

Hier die Ergebnisse aus Miami (PDF)

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