Montag, 5. September 2011

Das langsame Karriereende von Tommy Haas - Teil 3

In den letzten zwei Jahren habe ich zwei Tennisspieler-Autobiographien gelesen: „Open“ von Andre Agassi und „A Champion's Mind“ von Pete Sampras. Die beiden Dauerrivalen waren sehr unterschiedliche Charaktere, und auch ich Bücher sind sehr unterschiedlich. Zu Dingen, die ich aus beiden Büchern gleichermaßen gelernt habe, zählt: Wie schwierig es für einen Profisportler ist, seine Karriere zu beenden. Dass man mit Mitte 30 begreifen muss, dass die große Zeit vorbei ist und dass man – wenn man nicht gerade Franz Beckenbauer ist – vermutlich nie wieder beruflich so erfolgreich sein wird, wie man es in ganz jungen Jahren war.

Als Außenstehender dachte ich: Nach dem Ende der Sportlerlaufbahn geht man mit Neugierde und einem gewissen Tatendrang den neuen Lebensabschnitt an. Schließlich ist man noch jung genug, etwas völlig Neues anzufangen. Es gibt gewiss Sportler, die diese Neugierde und diesen Tatendrang haben. Viele aber, scheint mir, fürchten sich vor dem Karriereende fast wie vor dem Tod. Pete Sampras nahm es Journalisten persönlich übel, wenn die ihn auf Pressekonferenzen fragten, ob er ans Aufhören denke. Erstaunlich, dass Sampras dennoch eines der gelungenste Karriereenden der jüngeren Sportgeschichte hingelegt hat: Sein letztes Profimatch war ein Grand-Slam-Endspiel – und er hat es gewonnen. Vor genau neun Jahren bei den US Open. Das aber war eine schwere Geburt. Erst ein Jahr später hat Sampras sein Karriereende offiziell verkündet. Vielen war da längst klar, dass er nicht wieder zurückkommen würde auf die Tour. Er selbt hat aber anscheinend tatsächlich dieses ganze Jahr gebraucht, um es zu begreifen.

So. Das war eine lange Einleitung. Jetzt kommen wir zu Tommy Haas. Mein erster Blogpost mit dem Titel „Das langsame Karriereende von Tommy Haas“ ist schon fast drei Jahre her. Dass es soo langsam gehen würde, hatte ich nicht gedacht. Es folgte 2009 ein Wimbledon-Halbfinale und 2010 „Das langsame Karriereende von Tommy Haas – Teil 2“.

Jetzt ist die Zeit für Teil 3 gekommen. Haas spricht davon, dass diese US Open seine letzten gewesen sein könnten. Aber so spricht er schon seit Jahren. Während jeder Verletzungspause – und er war oft und lange verletzt – sagt er, er wisse nicht, ob er zurückkehren werde auf die ATP-Tour. Aber er schafft es immer – und das mit erstaunlichen Erfolgen. 2009, nach seinem Wimbledon-Halbfinale kehrte er sogar noch einmal unter die ersten 20 der Weltrangliste zurück. Seine Comeback-Tour 2011 schien sich in den vergangenen Monaten zu einem Reinfall zu entwickeln. Aber spätestens mit den US Open, bei denen er in dieser Woche die dritte Runde erreichte, hat er noch einmal ein Leistungsniveau erreicht, das allemal ausreicht, um auf der ATP-Tour mitzuhalten. Aber lohnt sich das noch?

Bei Rainer Schüttler, der noch ein Jahr älter ist als Haas, denke ich mir: Soll er doch spielen, solange es ihm Spaß macht. Er schafft es noch immer, zumindest Challenger-Turniere zu gewinnen – zum Beispiel letzte Woche in Astana (Kasachstan). Längere Verletzungspausen hatte er bislang nicht. Sein Körper scheint also mitzumachen. Den Spott, der sich in manchen Foren über ihn ergießt, wenn er wieder einmal irgendwo in der ersten Runde ausgeschieden ist, finde ich billig.

Das ist bei Tommy Haas anders. Er, scheint mir, zählt zu den Veteranen, denen jeder einzelne Muskel schmerzt und die mühsam für jedes Match fit gemacht werden müssen. Man sollte ihm wünschen, dass er schnell die Neugierde und den Tatendrang für den Start in einen neuen Lebensabschnitt aufbringt.

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