Montag, 28. November 2011

Zwei Wochen weniger: Der ATP-Turnierkalender 2012

Am nächsten Wochenende ist Davis-Cup-Finale in Sevilla zwischen Spanien und Argentinien. Danach geht der Tenniszirkus für vier Wochen in die Winterpause. Am 3. Januar beginnt die Saison 2012 mit den 250er-Turnieren von Brisbane (Australien), Doha (Katar) und Chennai (Indien).

Vier Wochen ist nicht viel zum Jahresurlaub machen. Andererseits: Für die meisten Profis hat die Pause schon vor zwei Wochen nach dem Masters von Paris-Bercy angefangen. Acht Einzelspieler und vier Doppelspieler waren in dieser Woche beim Tourfinale der Allerbesten in London am Start. Und beim Davis-Cup-Finale werden auch höchstens acht Leute auf dem Platz stehen, und keiner von denen ist gezwungen, schon gleich in der ersten Januarwoche weiterzuspielen. Erster Pflichttermin 2012 ist erst der 17. Januar bei den Australian Open in Melbourne.

Man kann also durchaus unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob die Saison zu lang ist. Zumal einige der Spieler, die nach einer längeren Pause verlangen, diese Pause dazu nutzen, hoch dotierte Schaukämpfe zu bestreiten. Die Entscheidung in diesem Streit ist längst gefallen: Die Saison nächste wird zwei Wochen kürzer sein als die vorherigen.

Werfen wir also mal einen Blick auf den Turnierkalender 2012. Die Zahl der Turniere bleibt gleich. Außerdem werden – wie alle vier Jahre – die Olympischen Spiele irgendwie in den Kalender gequetscht. Damit das hinkommt, gibt es etwas mehr Wochen, in denen zwei, drei und einmal sogar vier Turniere gleichzeitig stattfinden. Die Saison endet dann nicht erst Ende November, sondern schon Mitte November. Weil die Grand-Slam-Turniere an ihren angestammten Terminen bleiben, ist insbesondere der Herbst von den Veränderungen betroffen – alles das, was nach den US Open (29. August bis 11. September) stattfindet. Die Zeit zwischen Wimbledon und US Open ist auch eine Woche kürzer als in diesem Jahr. Das hat aber mit üblichen kalendarischen Verschiebungen zu tun und nicht mit der ATP: Das Wimbledonfinale ist stets an einem Sonntag zwischen dem 3. und 9. Juli, die US Open beginnen am letzten August-Montag. Zwischen diesen beiden Tagen liegen halt mal sieben Wochen und mal acht. Dafür gibt es dann diesmal zwei Davis-Cup-Runden im Frühjahr und keine im Sommer.

Das hier sind die Veränderungen im Einzelnen:

Das 250er-Sandplatz-Turnier von Bukarest (wo Florian Mayer in diesem September seinen ersten Titel auf der ATP-Tour holte), wechselt in den April. Da ist es grundsätzlich besser aufgehoben, weil es nun mitten in der Sandplatz-Hauptsaison liegt, in der sich die Spieler auf die French Open vorbereiten. Problem: Parallel zu Bukarest wird auch in Barcelona gespielt – um deutlich mehr Preisgeld, deutlich mehr Prestige und doppelt so viele Ranglistenpunkte. Die Rumänen werden einen schweren Stand haben, attraktive Spieler anzulocken.

Auf Bukarests September-Termin rückt das 250er-Hallenturnier von St.Petersburg, das nun parallel zum französischen Hallen-Turnier von Metz ausgetragen wird. Eingezwängt zwischen US Open, dem Davis-Cup und der Asien-Tour, die in der Woche drauf beginnt und von der Reform unberührt bleibt, ist das nicht besonders günstig. Die Spieler können nicht mehr, wie in diesem Jahr, direkt von Moskau weiterfahren nach St.Petersburg.

Der Rest der europäischen Hallen-Saison (einschließlich Moskau) geht erst drei Wochen später weiter. Das Turnier von Montpellier wechselt vom Oktober in die erste Februar-Woche. Dieser Teil der Kalenderreform hatte schon Auswirkungen auf das folgende Jahr. Dadurch, dass Montpellier und St.Petersburg ausquartiert wurden, dauert sie nur noch drei statt vier Wochen.

Und dann kommt der delikateste Teil der Reform: Das World Tour Final (WTF) in London beginnt unmittelbar nach dem letzten Masters-Turnier von Paris-Bercy. Bislang war eine Woche Pause dazwischen. Die letzten der acht für WTF qualifizierten Spieler werden also erst unmittelbar vor Beginn wissen, dass sie mitmachen dürfen. Für Paris dürfte diese Veränderung problematischer sein als für das WTF. Paris hat schon jetzt das Problem, dass einige Stars dort entweder nur mit halber Kraft spielen oder – wenn sich eine Läsur vorschützen lässt - sogar ganz absagen, um die Kräfte fürs WTF zu schonen. Das dürfte nun noch häufiger geschehen als bisher.

Nun noch ein schneller Blick auf den Juli mit den Olympischen Spielen:

Das olympische Tennisturnier wird vom 30. Juli bis zum 5. August auf dem Rasen von Wimbledon ausgetragen – drei Wochen nach dem echten Wimbledon-Finale. Die amerikanische Hartplatz-Saison geht davon unberührt einfach weiter. Das 500er-Turnier von Washington D.C. findet in derselben Woche statt wie das olympische Turnier. Das Hartplatz-Masters-Turniern von Toronto schließt unmittelbar an Olympia an. Die europäische Sandplatz-Sommertour ist auf drei Wochen zusammengestaucht. Für das 500er-Turnier am Hamburger Rothenbaum bedeutet dies: Man konkurriert im Werben um gute Spieler nicht nur mit dem Hartplatz von Atlanta, sondern auch mit dem Schweizer Sandplatz von Gstaad – der für dieselbe Zielgruppe wie Hamburg interessant sein dürfte. Hamburg hat bei diesem Wettbewerb um Spieler mehr Weltranglistenpunkte und mehr Preisgeld zu bieten, Gstaad eventuell beachtliche Antrittsprämien.

Das Stuttgarter Weissenhof-Turnier unmittelbar vor Hamburg und nach Wimbledon ist in der einzigen Woche des Jahres gelandet, in der gleich vier Veranstalter um die Gunst der Spieler werben: Neben Stuttgart sind dies Bastad (Schweden), Umag (Kroatien) und Newport (USA). Newport ist in dieser Liste ein besonders interessanter Fall.

Newport liegt kalendarisch sonst stets im Nirwana. Es ist ein Rasenturnier nach Wimbledon, wo doch Rasenturniere aus Sicht der meisten Spieler in erster Linie dazu da sind, sind auf Wimbledon vorzubereiten. Nach Newport verirren sich sonst nur echte Grasliebhaber. Es ist fast in jedem Jahr das am von der Papierform her am schlechtesten besetzte ATP-Turnier überhaupt.

Das könnte 2012 ganz anders werden. Wer sich Hoffnungen macht auf eine Olympia-Medaille, aber in Wimbledon früh ausscheidet, wird nach Newport fahren, um Spielpraxis auf Rasen zu sammeln.

Hier ein Link zum kompletten Turnierkalender

Sonntag, 20. November 2011

Ein bisschen Federer, ein bisschen Stebe, ein bisschen Raonic, ein bisschen Noah

Kann mich nicht entscheiden, worüber ich heute schreiben soll. Kein Thema aus dieser Woche entfacht in mir ein Feuer, das mich zum großen Wurf treiben könnte. Gelegenheit für einen Rundumschlag, für einen bunten Strauß von mehr oder weniger neuen Informationen und Ansichten.

Da läuft zum Beispiel seit heute das World-Tour-Finale in London. Roger Federer hat mit einem Arbeitssieg gegen Jo-Wilfried Tsonga angefangen. Rafael Nadal spielt zur Stunde gegen Mardy Fish. Novak Djokovic greift erst morgen gegen Tomas Berdych ins Geschehen ein. Wenn die großen Drei mit der Form vom Masters in Paris-Bercy vor zwei Wochen auftreten, muss wohl der gute alte Federer als Favorit gelten. Es sei denn, Andy Murray (Auftakt morgen gegen David Ferrer) legt einen Heimsieg hin.

Im Doppel sind wie immer die Bryan-Zwillinge die Favoriten. Sie starten morgen gegen Jürgen Melzer und Philipp Petzschner. Wenn Melzer denn tatsächlich spielen kann. Nach seiner Rückenverletzung glaube ich das so richtig erst, wenn er tatsächlich auf dem Platz steht und der erste Ball das Netz überquert hat.

Dann gab es ja vor dem großen World-Tour-Finale auch noch das kleine Finale, das Zweitliga-Masters mit den erfolgreichsten Challenger-Spielern des Jahres. In Sao Paolo waren, wie neulich berichtet, drei Deutsche am Start. Matthias Bachinger schied sieglos in der Vorrunde aus und ist gleich weitergeflogen zum nächsten Challenger-Turnier, das morgen in Helsinki beginnt. Andreas Beck kam ins Halbfinale, und Cedrik-Marcel Stebe hat das Turnier gewonnen. 6:2, 6:4 im Endspiel gegen Dudi Sela aus Israel. Das gibt 63.000 Euro Preisgeld und 110 Weltranglistenpunkte, was einen Platz unter den ersten 80 zur Folge hat. Stebe ist jetzt Deutschlands viertbester Tennisspieler und mithin ab sofort ein Kandidat für den Davis-Cup.

Zum ATP-Newcomer des Jahres hat es bei Stebe indes nicht gereicht. Dieser Titel, den die ATP in dieser Woche verliehen hat, ging völlig zu Recht an Milos Raonic aus Kanada. Der 20-Jährige war in der ersten Jahreshälfte schon drauf und dran, aus dem Nirgendwo schnurstracks in die Top 10 zu marschieren, bis ihn in Wimbledon eine Verletzung außer Gefecht setzte. Seit ein paar Wochen spielt er wieder. Die Ergebnisse sind noch nicht wieder ganz so atemberaubend wie im Frühjahr, aber im nächsten dürfte er wohl erneut Kurs auf die Top 10 nehmen.

Zum Abschluss hat noch Yannick Noah eine Erwähnung verdient. Mit einer Bemerkung über dopende Spanier hat er für muntere Aufregung gesorgt.

Sonntag, 13. November 2011

Saisonfazit durch die nationale Brille

Das war es also mit dem Tennisjahr 2011, jedenfalls aus deutscher Sicht auf der ATP-Tour. Vor dem Davis-Cup-Finale Anfang Dezember zwischen Spanoen und Argentinien steht noch das Tourfinale in London an. Der einzige für dieses Ereignis qualifizierte Landsmann, Philipp Petzschner, muss zu Hause bleiben, weil sein österreichischer Doppelparnter Jürgen Melzer nicht noch auf wundersame Weise von seiner Rückenverletzung genesen sollte.

Zeit also, ein Saisonfazit durch die nationale Brille zu ziehen. Wäre dies ein Frauentennis-Blog, gäbe es da einiges zu jubeln über Andrea Petkovic, Sabine Lisicki, Julia Görges und Angelique Kerber. Aber hier geht es um Männertennis, und da müssen wir derzeit etwas bescheidener sein.

Anfang des Jahren standen neun Deutsche unter den besten 100 der Weltrangliste. Vier sind es heute: Florian Mayer (22), Philipp Kohlschreiber (50), Philipp Petzschner (61) und Matthias Bachinger (93). Eine Großkrise lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Letztes Jahren tummelten sich ganz viele Deutsche zwischen Platz 80 und 100, jetzt stehen die meisten von ihnen zwischen Platz 100 und 120. Das ist kein besonders dramatischer Unterschied.

Nun aber ins Detail. Suchen wir nach dem Spieler des Jahres, dem Aufsteiger des Jahres, dem Absteiger des Jahres, dem Rückkehrer des Jahres, dem Turnier des Jahres und dem Match des Jahres.

Spieler des Jahres: Florian Mayer (28 Jahre, Platz 22)
Sein Aufstieg deutete sich schon gegen Ende des vergangenen Jahres an, als er in Stockholm in einem wahnsinnigen Match gegen Lokalmatador Robin Söderling gewann und erst im Finale von Roger Federer gestoppt wurde. 2011 legte Florian Mayer nach, und zwar mit einer beeindruckenden Beständigkeit in Bukarest gewann er sein erstes ATP-Turnier, nachdem er die deutsche Mannschaft schon zum Titel bei der Mannschafts-WM im Düsseldorfer Rochusclub geführt hatte. Er erreichte zwei Masters-Viertelfinals in Rom und in Schanghai, wo er sogar Rafael Nadal bezwang. Auch wenn der sportinteressierte Durchschnittsdeutsche bei seinem Namen eher an den Bundesligaschiedsricher aus Burgdorf denkt (den mit ey in der Mitte), hat sich Florian Mayer international einen guten Namen gemacht und mit seinem unkonventionellen Spiel mit Technik statt Holzhammer eine beachtliche Fangemeinde gewonnen.
Eine Erwähnung in der Kategorie Spieler des Jahres hat sich zudem Philipp Petzschner verdient. Schon allein wegen seines Doppeltitels bei den US Open. Dass trotzdem Flo Mayer die Nase vorn hat, liegt daran, dass Einzel nun einmal wichtiger als Doppel ist und dass Petzschner sich in diesem Jahr nicht noch einmal gesteigert hat (letztes Jahr gewannen Melzer/Petzschner ja schon in Wimbledon).

Aufsteiger des Jahres: Cedrik-Marcel Stebe (21 Jahre, Platz 102)
Er begann das Jahr als Nummer 375 und knackte in der voletzten Woche die Top 100, wohin er nächste Woche wieder zurückkehren dürfte, wenn er beim Challenger-Finale in Sao Paolo nicht alle seine Matches verliert. Das Jahr 2011 begann er mit einer beeindruckenden Siegesserie auf Future- und Challenger-Turnieren. Im Sommer zeigte er dann, dass er auch mit den Großen mithalten kann: Er qualifizierte sich auf Rasen für die Hauptfelder von Halle/Westfalen und Wimbledon, er kam auf Sand in Stuttgart ins Viertelfinale und in Hamburg in die dritte Runde, wobei bei zwei Mal nacheinander den russischen Altmeister Nikolai Dawidenko in die Knie zwang. Jetzt sind die Erwartungen hoch: Es wäre eine Enttäuschung, würde er sich im neuen Jahr nicht zumindest unter den Top 70 etablieren.
Eine Erwähnung in der Kategorie Aufsteiger des Jahres hat Matthias Bachinger (24) verdient, der sich im April auf leisen Pfoten in die Top 100 spielte, sich seitdem dort gehalten hat und auf ebenso leisen Pfoten mittlerweile der viertbeste Deutsche ist. Sein Sprung nach vorn war bloß nicht so gewaltig weit wie der von Stebe.

Absteiger des Jahres: Mischa Zverev (24 Jahre, Nummer 280)
Immerhin stand er heute im Endspiel des Challenger-Turniers von Genf. Er scheint also tatsächlich auf dem Wege der Besserung zu sein. Aber um in Genf überhaupt mitmachen zu können, musste er durch die Qualifikation. Vor gut einem Jahr bestritt er noch das Endspiel des ATP-250er-Turniers von Metz, vor anderthalb Jahren stand er beim Masters in Rom im Viertelfinale und knackte die Top 50. Gesundheitliche Probleme haben ihn immer wieder zurückgeworfen und wohl auch eine gewaltige Unsicherheit, mit welchem Spielstil er sich eigentlich zu behaupten versuchen sollte. Vor gar nicht allzu langer Zeit war der Netzangriff sein Markenzeichen. Das wirkte oft recht ungestüm, aber es hat funktioniert. In diesem Jahr sah er meistens kraft- und ideenlos aus.
Eine Erwähnung in der Kategorie Absteiger des Jahres könnte man vielleicht noch Tobias Kamke zumuten, aber nur, weil er im Vorjahr so enorm hochgejazzt wurde. Aus für mich nach wie vor unerklärlichen Gründen machte die ATP ihn zum Newcomer des Jahres 2010 (also, weltweit! Als deutschen Newcomer hätte ich es ja noch verstanden). Er schloss das vergangene Jahr als Nummer 67 ab, was für ihn relativ schmeichelhaft war. Jetzt ist er Nummer 108. Das ist etwas schlechter als seine tatsächliche Spielstärke, ein dramatischer Absturz ist es bei Lichte betrachtet nicht.

Rückkehrer des Jahres: Alexander Waske (36 Jahre, Nummer 130 im Doppel)
Ganz ehrlich: Diesen Herrn hatte ich nicht mehr auf der Rechnung. Seit dem Davis-Cup-Halbfinale in Russland 2007 laborierte er an seinem kaputten Arm. Comeback-Versuche waren nie von langer Dauer, und er wurde ja auch nicht jünger in den vier Jahren seither. Aber seit diesem Sommer ist er im Doppel wieder voll dabei. Im September in Bangkok erreichte er zusammen mit Michael Kohlmann das Endspiel eines 250er-Turniers.
Eine Erwähnung in dieser Kategorie hat natürlich Tommy Haas verdient, der nur ganz knapp hinter Waske auf Platz zwei landet. Seine Pause war halt nicht so lang wie die von Waske, und ein Endspiel hat Tommy Haas in diesem Jahr auch noch nicht erreicht. Anders als noch vor wenigen Monaten, kann ich mir inzwischen aber vorstellen, dass ihm das 2012 bei irgendeinem eher unbedeutenden 250er-Turnier tatsächlich noch einmal gelingt.

Turnier des Jahres: World Team Cup in Düsseldorf
Zugegeben: Diese Veranstaltung ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Aber dass sie überhaupt stattfand, nachdem der langjährige Hauptsponsor abgesprungen war und die Organisatoren sie schon längst beerdigt hatten, ist eine spektakuläre Sache.

Match des Jahres: Philipp Kohlschreiber – Philipp Petzschner 7:6, 2:0, Aufgabe
Gut, das Ergebnis mit einer verletzungsbedingten Aufgabe ist nicht gerade das, was man sich von einem Match des Jahres vorstellt. Aber es war in Halle/Westfalen das erste rein deutsche Finale bei einem deutschen ATP-Turnier seit fast 40 Jahren. Das allein ist eine Würdigung an dieser Stelle wert.

Sonntag, 6. November 2011

Über Südtirol nach Australien: Benjamin Becker kommt zurück

Erinnert sich noch jemand an Benjamin Becker? Man hat lange nichts gehört von dem Mann aus dem Saarland, dem sein Nachname eine gewisse Bekanntheit über den Kreis der Hardcore-Tennisfreunde hinaus beschert hat. An diesem Wochenende hat er sich auf den Weg nach Gröden in Südtirol gemacht, um zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahr wieder an einem Tennisturnier teilzunehmen.

Sein Ellenbogen war kaputt und ist zwei Mal operiert worden. B. Becker dachte zwischenzeitlich darüber nach, seine Profi-Laufbahn zu beenden und in Amerika sein Studium der Wirtschaftswissenschaften abzuschließen.

Becker ist im Sommer 30 geworden, und sowas ist ja, wie man so schön sagt, kein Alter mehr heutzutage. Ich traue ihm durchaus zu, dass er noch mal wieder zurückkehrt in die Top 100. Dort stand er in den vergangenen fünf Jahren nahezu durchgehend, wenn man mal vom Jahr 2008 absieht, als er auch schon Probleme im Arm hatte.

Wie schon 2008, biss er Anfang des Jahres monatelang die Zähne zusammen und spielte trotz Schmerzen einfach weiter – mit möglichst viel Slice, da brauchte er nicht so viel Kraft im Arm. Nüchtern betrachtet ist das kein besonders kluges Vorgehen. Aber als Tennisspieler denkt man Woche für Woche daran, wie viele Weltranglistenpunkte man verteidigen muss. Dass Benjamin Becker da nicht anders denkt, erzählte er zum Beispiel beim Challenger-Turnier in Heilbronn 2009.

Damals wollte er eine Operation um jeden Preis vermeiden, was auch klappte. Diesmal ging es irgendwann nicht mehr. Ende April legte er, um den schmerzenden Ellenbogen zu schonen, eine Pause ein, die eigentlich vier Wochen später zu den French Open vorüber sein sollte. Aber dann fiel für ihn auch noch der Juni aus, mit der Rasensaison, in der er - wie viele andere Deutsche auch – stets besonders stark ist. Ende Juni dann in Heidelberg die erste Operation, die einen Knorpelschaden im Ellenbogen beheben sollte. Aber die Schmerzen gingen nicht weg. Im August ließ er sich dann, wie er jetzt der Saarbrücker Zeitung erzählte, in Florida untersuchen, wo ein kleiner Spalt in einem Knochen festgestellt und dann – die zweite Operation – ein Teil der Trizepssehne entfernt wurde.

Zu dem Zeitpunkt sah es so aus, als würde Becker in diesem Jahr nicht mehr zurückkehren auf den Tenniszirkus. „Da die Turnierserie im November endet, kann man davon ausgehen, dass Benjamin erst wieder im Januar auf die Tour zurückkehrt“, stand Ende August auf seiner Internetseite.

Aber jetzt geht wohl doch noch was. Für das Challenger-Turnier in Eckental in der gerade abgelaufenen Woche hatte er gemeldet, die Teilnahme dann aber doch noch kurzfristig abgesagt. Nun soll es also in der kommenden Woche in Gröden losgehen. Er sagt, er sei immer noch nicht ganz schmerzfrei, will aber unbedingt Spielpraxis sammeln, bevor im Januar die neue Saison in Australien die neue Saison losgeht.

Obwohl er seit April kein Tunrier mehr gespielt hat, steht er in der Weltrangliste immer noch auf Platz 254, was, wenn auch knapp, für einen Platz im Hauptfeld von Gröden reicht. Für die Australian Open reicht das natürlich nicht. Aber seine Pause war lang genug für das so genannte „Protected Ranking“, das ein paar Turniere lang nutzen darf, wer mehr als ein halbes Jahr verletzungsbedingt gefehlt hat. Das „Protected Ranking“ ist die durchschnittliche Ranglistenplatzierung aus den ersten Wochen nach Beginn der Verletzungspause. Für Benjamin Becker bedeutet das: Nr. 80. Das reicht für die Grand-Slam-Turniere und für die meisten kleineren ATP-Turniere der 250er-Kategorie. Gute Ausgangsbedingungen also für einen Comeback-Versuch.

Hier die Auslosung für das Challenger in St. Ulrich in Gröden. Im Viertelfinale könnte Benjamin Becker auf den topgesetzten Philipp Petzschner treffen. Das wäre ein echter Härtetest.

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