Donnerstag, 25. Oktober 2012

Nehmt doch einfach Silvia Neid, äh... Barbara Rittner

Also, Poldi und Schweini waren ja mal ein Herz und eine Seele, aber das hat sich geändert. Schweini will nicht mehr so gerne gemeinsam mit Poldi in einer Elf spielen. Jogi war zwar etwas überrascht, als der davon hörte, aber klar, dass er das akzeptiert... Poldi hat seinen Stammplatz in der Nationalmannschaft ja sowieso nicht mehr sicher. Da kann man auf ihn auch ganz verzichten. Etwas komplizierter ist es mit Mesut Özil. Der wird erst dann wieder für Deutschland spielen, wenn Jogi nicht mehr Trainer ist. Das ist jedenfalls der Stand heute. („Eine Versöhnung mit Löw ist fast unmöglich.“) Jogi ist nämlich viel zu dicke mit Philipp Lahm, und Philipp Lahm hat hat sich öffentlich beschwert, als Mesut Özil dem Spiele gegen Argentinien fernblieb. Aus persönlichen Gründen kam dann zwar auch Philipp Lahm nicht zu Länderspiel, aber egal. Warum dann Heiko Westermann auf der Flügelstürmer-Position spielen musste, bleibt auf ewig Jogis Geheimnis. Wahrscheinlich, weil Jogi den Westermann noch von früher kennt und auf dem linken Flügel gerade jemand gebraucht wurde (Poldi ist ja ausgebootet). Torsten Frings, der mit Michael Ballack gemeinsam eine Fußballschule gegründet hat, kann übrigens sehr gut mit Marco Reus und kann sich vorstellen, selber Bundestrainer zu werden, wenn Jogi nicht mehr will. Mesut Özil hat aber sehr wenig Verständnis für das, was Frings in Interviews so von sich gibt.

Ziemliche Mimosen, unsere Nationalhelden, oder? Nur der unscheinbare Miro Klose, der kommt mit allen aus und schießt seine Tore, wenn er nicht gerade mal wieder in einem Formtief steckt. Zum Glück ist es im Fußball alles halb so wild. Vermutlich haben sich auch die Fußball-Nationalspieler nicht immer nur alle ganz lieb. Sie können trotzdem gemeinsam kicken.

Im Tennis ist das anders. Im Tennis ist die Lage exakt so, wie oben mit vertauschten Namen beschrieben. Schweini ist Philipp Petzschner, Poldi ist Christopher Kas. Özil ist Philipp Kohlschreiber. Lahm ist Tommy Haas. Klose ist Florian Mayer. Heiko Westermann ist Benjamin Becker. Frings ist Alexander Waske. Ballack ist Rainer Schüttler. Reus ist Cedrik-Marcel Stebe. Und Jogi, das ist Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen.

Sie haben es alle nicht leicht, und von außen scheint es unmöglich zu beurteilen, wer daran die größte Schuld trägt. In der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Sonnabend befand sich ein beinahe ganzseitiges Interview mit Philipp Kohlschreiber. Er plauderte freimütig über die Querelen im Davis-Cup-Team, dem er – der in der Weltrangliste beste deutsche Spieler – nicht mehr angehört. Jedenfalls „Stand heute“. Online gibt es von dem Print-Interview eine Zusammenfassung.

Zum Thema „Wer kann mit wem und wer nicht“ noch einmal ein kurzer Überblick. Philipp Kohlschreiber kann nicht mit mit Patrik Kühnen. Kohlschreiber kann auch nicht mit Tommy Haas. Dafür können Kühnen und Haas sehr gut miteinander. Philipp Petzschner kann nicht mit Christopher Kas. Dabei waren die beiden einst ein unzertrennliches Doppel. (Soweit ich es überblicke, war dieser Bruch bis zum Kohlschreiber-Interview nicht öffentlich bestätigt. Man konnte es nur mutmaßen, seit die beiden zwar in London bei den olympischen Spielen gemeinsam antraten und auch beim World Team Cup, es aber sonst tunlichst vermieden, gemeinsam auf dem Platz zu stehen.)

Weil also Kas in der Davis-Cup-Begegnung im September gegen Australien fürs Doppel wegen der Sache mit Petzschner nicht in Frage kam, spielte plötzlich Benjamin Becker im Doppel. Der war nachnominiert worden, weil Kühnen Kohlschreiber rausgeschmissen hatte und Lahm, äh, Haas, nicht wollte. Becker hat in diesem Jahr nach langer Verletzungspause wieder einige beachtliche Ergebnisse erzielt. Jedenfalls im Einzel auf Hartplatz. Aber Doppel auf Sand? Kohlschreiber im Interview mit der Süddeutschen: „Benjamin Becker war, glaube ich, auch sehr überrascht, dass er nominiert wurde.“

Der aufmerksame Leser wird gemerkt haben: Es gibt ein Problem im deutschen Davis-Cup-Team. Das schwelt schon länger. Bereits im April befassten wir uns an dieser Stelle mit der Frage, ob Deutschland einen neue Davis-Cup-Kapitän braucht. Jemanden, dem es gelingt, die Diven, die die Tennisspieler traditionell sind, was damit zusammenhängen dürfte, dass sie fast das ganze Jahr als Einzelkämpfer durch die Weltgeschichte reisen, unter einen Hut zu bekommen und vielleicht sogar – man mag es gar nicht verlangen – so etwas wie Teamgeist zu formen.

Was den Teamgeist angeht, da wäre ein Motivator wie Alexander Waske kein Schlechter. (Waske ist der Ex-Nationalspieler, der in der Geschichte oben von Torsten Frings verkörpert wurde.) Waske ist interessiert an dem Job, aber er hat kein diplomatisches Geschick. Er sagt stets sehr offen, was er weiß, meint und denkt. Zum Beispiel sagte er, es sei schlimm, wenn einer hofft, dass ein anderes Mannschaftsmitglied verliert. Kohlschreiber fühlte sich angesprochen. Und Waske hat Cedrik-Marcel Stebe (und ein paar andere junge Spieler) als Schützlinge in seiner Tennis-Akademie, die er mit Rainer Schüttler zusammen gegründet hat. Eine der Ursachen für den Zwist zwischen Kohlschreiber und Kühnen ist, dass Kühnen nebenbei als Privattrainer für Tommy Haas gearbeitet hat. Eine Konstellation, in der der Davis-Cup-Kapitän mit einem seiner Spieler stärker verbandelt ist als mit anderen, scheint also problematisch zu sein.

Völlig unberührt von dem ganzen Theater dreht Florian Mayer seine Runden. Er kommt, so scheint es, mit allen aus. Vielleicht keine schlechte Voraussetzung, um eines Tages Davis-Cup-Kapitän zu werden. Aber bis dahin soll er ja noch ein paar Jahre spielen.

Wer also dann? Ich fand ja immer schon Bernd Karbacher gut... Ich glaube, der kam auch mit allen aus.
Aber erst einmal stellt sich die Frage, ob Patrik Kühnen überhaupt abtritt. DTB-Präsident Karl Georg Altenburg will jetzt erst einmal zwischen Kühnen und Kohlschreber vermitteln. Darüber hinaus liest man Treuebekundungen, wie sie jeder Fußballpräsident gegenüber seinem in den Seilen hängenden Trainer abgibt.

Auffällig ist, dass der DTB neulich den Vertrag mit Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner verlängert hat, den ebenfalls auslaufenden mit Kühnen aber noch nicht. Wer verfolgt, wie munter Rittner auf Twitter mit ihren Spielerinnen von Julia Görges bis Andrea Petkovic plaudert und scherzt und dabei auch den Nachwuchs von Ranglistenplatz hundertnochwas einbezieht, muss sich auch für die Männerwelt jemanden wie Barbara Rittner wünschen. Davis-Cup-Kapitän ist bei zwei bis vier Begegnungen im Jahr kein Vollzeit-Job. Fed-Cup-Kapitänin auch nicht. Warum lassen wir Barbara Rittner nicht einfach beides machen? Aber das wäre wohl zu revolutionär für den alten DTB.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Live aus Stockholm

Mögliche Tippfehler bitte ich zu entschuldigen. Ich schreibe diesen Artikel gerade per Hand und werde ihn anschließend ins Handy eintippen. Also: Ich melde mich live aus Stockholm, wo ich mit gestern und heute die Matches des 250er-ATP-Turniers in der königlichen Tennishalle angesehen habe. Warum mir gerade dieses Turnier so gut gefällt, erklärte ich schon vor zwei Jahren.  Am Rahmen hat sich seither wenig geändert, außer dass die Schweden nun noch weniger zu jubeln haben, seit Robin Söderling außer Gefecht ist. Ein einziger Schwede stand diesmal im Einzel-Hauptfeld: Patrik Rosenholm, 24 Jahre, ca. Nr. 437, Wildcard. Anfang der Woche, als ich noch nicht hier war, schlug er in Runde 1 einen offenbar schwer lädierten Gael Monfils. Gestern Abend in Runde 2 ging Rosenholm gegen Michail Juschni mit 0:6 und 2:6 baden. Das Spiel war nicht der Rede wert.

Sehr wohl der Rede wert waren folgende Spiele:

Brian Baker (USA)/Andreas Siljeström (Schweden) - Johan Brunström (Schweden)/Raven Klaasen (Südafrika) 6:3, 6:2
Ein Doppel auf dem Center Court - das ist der positive Nebeneffekt, wenn es einem Turnier an heimatlichen Einzelspielern mangelt. Baker und Siljeström haben mir sehr gut gefallen. Baker, weil er so gut Tennis spielt; Siljeström, weil er eigentlich gar kein Tennis spielen kann, aber das Beste draus macht. Brian Baker (27 Jahre, Nr. 56) ist eines der bemerkenswertesten Phänomene des Tennisjahres 2012. In einem früheren Leben war er mal eines der größten Talente der USA. Dann war er ganz viel an der Hüfte verletzt und auch am Ellenbogen. Er konnte fünf Jahre nicht spielen und studierte in der Zwischenzeit. Ende des vergangenen Jahres versuchte er ein Comeback, und in diesem Sommer startete er plötzlich richtig durch. Finale beim Sandülatzturniet in Nizza - als Qualifikant. Achtelfinale in Wimbledon. Sein Einzel-Erstrundenmatch in Stockholm verlor er glatt. Davon, dass er auch gut Doppel kann, hatte ich bis dato noch nichts gehört. Aber er kann es! (Auch wenn er das Viertelfinale heute dann glatt verloren hat.) Mir scheint, er hat während seines Studiums, als er als Co-Trainer der Uni-Tennismannschaft arbeitete, viel taktische Übersicht fürs Doppel gelernt. Er spielte seine Rückhand von der Grundlinie stets zielsicher dorthin, wo Brunström und Klaasen sie am wenigsten gern haben wollten. Siljeström - hager und grobschlächtig, so dass er mit einer Forke statt eines Rackets in der Hand einen prima Knecht Alfred in einem Michel-aus-Lönneberga-Film abgeben würde - schlug Asse schlug Asse und - falls doch mal ein Ball zurückkam - auch ein paar Volleys.

Jo-Wilfried Tsonga (Frankreich/Nr. 7) - Go Soeda (Japan/Nr. 57) 6:2, 7:6
Der Soeda ist etwas schwach auf der Brust, aber er hat Spielwitz. Es hat Spaß gemacht, ihm zuzuschauen. Er schaffte es kaum einmal, einen Schmetterball mit so viel Wumm zu versehen, dass Tsonga nicht mehr in der Lage gewesen wäre, ihn zurückzuspielen. Aber Tsonga hat garantiert mehr Kalorien verbraucht als der zweite Topfavorit des Turnuers, Tomas Berdych, in seinem etwas öden Match gegen den Esten Jürgen Zopp.

Ricardas Berankis (Litauen/Nr. 95) - Florian Mayer (Deutschland/Nr. 28) 4:6, 6:4, 6:2
Wer oben den Link zum Stockholm-Bericht 2010 angeklickt hat, mag gelesen haben, wie ich vom "besten Flo aller Zeiten" schwärmte. Den gab es diesmal nicht. Letzte Woche in Schanghai musste er sein Zweitrundenmatch gegen Andy Murray wegen einer Muskelverletzung absagen. Dass er gegen Berankis verloren hat, scheint aber nicht an dieser Verletzung gelegen zu haben. Flo war im dritten Satz völlig von der Rolle. Und Berankis war gut. Bei Berankis' Erstrundenmatch gegen Albert Ramos wurde Flo als aufmerksamer Beobachter im Publikum gesichtet. Dort hat er offenbar kein probates Mittel entdeckt, mit dem er den Litauer hätte ärgern können. Mayers gefürchtete Slice-Bälle, die wenige Zentimeter über den Boden wischen, schienen dem kleinen Berankis (1,75 Meter) richtig Spaß zu machen. Im ersten Satz schaffte Flo noch ganz abgebrüht aus heiterem Himmel das Break zum 6:4, so dass ich lange Zeit dachte, er wird ganz abgebrüht auch noch den zweiten Satz drehen. Tat er aber nicht. Er wurde immer ratloser. Ungefähr bei 1:4 und 15:30 (den genauen Spielstand habe ich nicht notiert) im dritten Satz fiel ihm sogar beim Aufschlag der Schläger aus der Hand. Berankis' harmlosen Return konnte Flo nur noch mit dem Fuß annehmen. Danach war die Partie endgültig gelaufen. Nach dem Matchball schlich Flo aus der Halle, ohne auch nur die Hand zum Gruß zu heben, als der Hallensprecher zum Abschied seinen Namen nannte.

Damit wollen wir es heute bewenden lassen. Ein paar andere Spiele waren auch sehr interessant, zum Beispiel Lleyton Hewitt gegen Jarkko Nieminen oder Sergy Stakhovsky gegen Feliciano Lopez. Aber - wie gesagt - die Tastatur ist klein und der Abend spät...

Hier die Einzel-Ergebnisse aus Stockholm

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Wann kommen die Chinesen denn endlich?

Ehe wir es vergessen: Rainer Schüttler ist zurückgetreten. Ganz offiziell. Sein letztes Turnier spielte er ja schon vor neun Monaten dort, wo er 2003 als Grand-Slam-Finalist den größten Erfolg seiner Karriere feierte: bei den Australian Open. Diesmal schied er in der ersten Qualifikations-Runde aus.

Jetzt geht Schüttler unter die Turnierveranstalter. Wir befassten uns schon vor einer Woche mit dem World Team Cup, an dem Ion Tiriac mit Schüttler als Kompagnon die Rechte erworben hat. Bis vorgestern waren zu diesem Vorgang noch einige Fragen offen. Die meisten davon haben Schüttler und Tiriac auf einer Pressekonferenz jetzt geklärt. Tiriac hat dem klammen Düsseldorfer Rochusclub die Turnierlizenz abgekauft und gleich wieder an den Rochusclub zurückvermietet, der im kommenden Jahr statt des ergrauten World Team Cups ein frisches, aber ganz normales 250er-Turnier mit 28 Einzelspielern ausrichten wird. Was Tiriac nicht sagt, aber was man mitdenken darf: Wird das neue Turnier kein großer Kracher, wird Tiriac nach einer gewissen Karenzzeit umziehen in irgendein Land, in dem er sich mehr Rendite verspricht. Für die ganz nahe Zukunft scheint ein solcher Umzug indes aufgrund eines älteren Vertrages des Rochusclubs mit der ATP nicht mögich zu sein.

Aber jetzt zu den Chinesen. Vor allem zu einem von ihnen. Er heißt Zhang Ze und erreichte letzte Woche das Viertelfinale des 500er-ATP-Turniers von Peking. Er war damit der erste Chinese in einem ATP-Viertelfinale. Das wurde auch mal Zeit. Man wartet seit bald einem Jahrzehnt auf den großen Durchbruch, den die chinesischen Frauen spätestens mit dem French-Open-Sieg von Li Na im vergangenen Jahr längst geschafft haben. Zhang Ze hingegen ist in dieser Woche mit Platz 154 auf der Weltrangliste der bestplatzierte chinesische Mann aller Zeiten. (Bei den Frauen stehen aktuell drei Chinesinnen unter den ersten 40.)

Bei den Männern war ein gewisser Sun Peng bis vor wenigen Monaten der einzige Chinese, der jemals außerhalb seines Heimatlandes ein Match auf der ATP-Tour gewinnen konnte. Das geschah Anfang 2005 auf einem kleinen Turnier in Delray Beach, Florida. Dort bezwang er in Runde 1 den amerikanischen Qualifikanten Mathias Boeker. In Runde 2 wartete ein Lucky Loser aus Paraguay (Ramon Delgado), gegen den Peng Sun keine Chance hatte.

Bei den Turnieren von Schanghai und Peking ist es seither immer wieder mal dem einen oder anderen chinesischen Wild-Card-Spieler gelungen, sein Erstrundenmatch zu gewinnen. Aber spätestens in Runde 2 war immer Schluss. Bis Zhang Ze kam. Er schlug in seinem Erstrundenmatch einen anderen Wild-Card-Chinesen, nämlich Wu Di. Der Hammer folgte in der zweiten Runde: 6:4, 3:6, 6:4 gegen das an fünf gesetzte ewige Talent aus Frankreich, Richard Gasquet, die aktuelle Nummer 13 der Welt. Es wird Zhang Ze geholfen haben, dass Gasquet erschöpft war, weil er am Sonntag zuvor das Endspiel von Bangkok gespielt (und gewonnen) hatte. Sein Sieg war dennoch eine beachtliche Leistung. Im Viertelfinale war dann gegen Florian Mayer Schluss.

Mayer war damit schon der zweite Deutsche in diesem Jahr, der bei einem bemerkenswerten Match von Zhang Ze mit auf dem Platz stand. Im Juni schaffte Zhang die Qualifikation für das Rasenturnier von Halle/Westfalen. In der ersten Hauptrunde traf er auf Tobias Kamke – und gewann. Der erste ATP-Matchgewinn eines Chinesen im Ausland seit besagtem Peng Sun. Von Peng Sun hat man danach übrigens nicht mehr viel gehört. Obwohl er heute mit 28 Jahre noch immer im besten Tennisalter ist, hat er seine Laufbahn längst beendet.

Zhang Ze ist jetzt 22. Er dürfte das Potenzial haben, in den kommenden Jahren zumindest die Top 100 zu knacken. Dann wäre er regelmäßig bei den Grand Slams und bei vielen 250er-Turnieren im Hauptfeld – mit Aussicht auf den einen oder anderen weiteren Matchgewinn im In- und Ausland. In dieser Woche beim Masters von Schanghai flog er indes gleich in der ersten Runde kräftig auf die Schnauze. 0:6 und 2:6 gegen Lu Yen-Hsun. Das ist auch ein Chinese, aber ein Taiwan-Chinese. Aus Taiwan kommen schon seit vielen Jahren die etwas erfolgreicheren Tennisprofis als vom Festland. Lu hat in seiner Karriere schon fast 80 ATP-Matches im Ausland gewonnen – und keines im Inland. Denn auf Taiwan gibt es kein ATP-Turnier. Die ATP versucht seit Jahren, den vielversprechenden Markt in der Volksrepublik aufzurollen. Die Stadien sind meist halbleer, jedenfalls wenn die Männer spielen. Daran wird auch Zhang Ze so schnell nichts ändern. (Li Na mobilisiert die Massen schon eher.) Immerhin berichten Augenzeugen, dass beim Zweitrundenmatch von Lu Yen-Hsun in dieser Woche die Ränge in Schanghai ganz gut gefüllt waren, und zwar auch mit Leuten, die nicht aussahen, als wären sie Turnier-Mitarbeiter. Lu spielte gegen Roger Federer.

 Da verlor Lu. Der erste echte männliche Tennis-Star aus Fernost wird wohl weder aus der Volksrepublik China noch aus Taiwan kommen. Eher schon aus Japan. Spätestens seit der 22-jährige Kei Nishikori am Sonntag das 500er-Turnier von Tokio gewonnen hat, darf man damit rechnen, dass er eines Tages auch mal ein Masters oder - wer weiß - vielleicht sogar ein Grand-Slam-Turnier gewinnt.

Hier die Ergebnisse aus Peking

Und hier das ATP-Profil von Zhang Ze

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Aus für den World Team Cup – wieder einmal

Unser heutiges Thema ist nicht ganz taufrisch: Der World Team Cup in Düsseldorf wird abgeschafft.

Eine solche Meldung gab es schon einmal, nämlich Anfang des vergangenen Jahres, als das rheinische Versicherungsunternehmen, das über viele Jahre den Titelsponsor gab, abgesprungen war. Wenige Wochen später sprang ein österreichischer Energy-Drink-Hersteller ein, bei dem es sich nicht um Red Bull handelte, sondern um ein Konkurrenzprodukt.

Die Gnadenfrist dauerte zwei Jahre. Einen World Team Cup 2013 wird es in Düsseldorf nach gegenwärtigem Stand der Dinge nicht geben. Das jedenfalls melden melden gut unterrichtete Kreise in dieser Woche Demnach hat der Rochusclub Düsseldorf, seit 35 Jahren Ausrichter des World Team Cups, die Lizenz an keinen Geringeren als Großzampano Ion Tiriac verkauft. Der Preis: 2,1 Millionen Dollar (1,6 Millioenn Euro). Was Tiriac mit der Lizenz anstellen möchte, wo er das tun wird und ob das Format der Veranstaltung verändert wird, ist offen. Der Team-Wettbewerb ist in den Statuten der ATP bislang als offizielle Mannschafts-Weltmeisterschaft festgeschrieben. Tiriac hat in den vergangenen Jahren mehrfach betont, dass in Deutschland mit Tennis das große Geld nicht mehr zu machen ist. Stattdessen stampfte er in Madrid ein Masters-Turnier aus dem Boden.

Aber jetzt die gute Nachricht aus Düsseldorfer Sicht: Der Rochusclub wird weiterhin ein ATP-Turnier ausrichten, und zwar ein reguläres 250er-Turnier mit 28 oder 32 Einzelspielern wie in München oder Stuttgart. Vertragsklauseln mit der ATP sichern dem Rochusclub angeblich ein solches Recht zu. Das Startkapital dazu soll aus dem Verkauf der World-Team-Cup-Rechte an Tiraic stammen. Das ist jedenfalls eine der verschiendenen kursierenden Versionen dieser Geschichte. Ob es zum bisherigen Termin im Mai in der Woche unmittelbar von den French Open ausgespielt wird, ist offen. Überhaupt ist bisher nicht offiziell bestätigt, dass ein solches Turnier tatsächlich stattfinden wird. Turnierdirektor Dietloff von Arnim ist lediglich „optimistisch“, es „präsentieren zu können“.  Überhaupt ist noch sehr vieles unklar. Manche Meldungen lesen ich auch so, als sei Ion Tiriac nun nicht oder nicht nur Inhaber des World Team Cups, sondern der Inhaber des von Arnim geplanten neuen Düsseldorfer 250er-Turniers, und zwar zusammen mit Rainer Schüttler (aktuell immer noch auf Platz 714 der Weltrangliste), der wiederum am kommenden Dienstag auf einer Pressekonferenz zusammen mit von Arnim Näheres erläutern wird. Eine Stellungnahme der ATP zu der Angelegenheit gibt es noch nicht.

Auf dem offiziellen Terminkalender für 2013 ist der World Team Cup in Düsseldorf weiterhin verzeichnet. Sollte der Cup in seiner bisherigen Form tatsächlich am Ende sein, so richtig schade drum wäre es nicht. Den Titel einer Mannschafts-Weltmeisterschaft verdient er schon seit Jahren nicht mehr.

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Ove Jensen, Schleswig zackstennis@web.de