Donnerstag, 31. Januar 2013

Die erste Davis-Cup-Runde im Schnelldurchlauf

Draußen ist Tauwetter, höchste Zeit, sich auf dünnes Eis zu begeben. Heute tippe ich mal, wie am Wochenende die Davis-Cup-Erstrundenbegegnungen ausgehen. Diejenigen von euch, die das hier aus alter Gewohnheit erst am Montag lesen, sehen dann sofort, dass alles falsch war... Wie gehabt, tippe ich Ergebnisse von 3:0, 3:1 oder 3:2 und kein 4:1 oder 5:0, weil die „Dead Rubbers“, also die Matches, die ausgetragen werden, nachdem ein Land bereits als Sieger feststeht, reine Schaukämpfe sind, bei denen man nie weiß, wer antritt.

Kanada – Spanien 3:2
Wenn schon dünnes Eis, dann richtig. Der Kanada-Tipp kommt mir wahnsinnig gewagt vor, dabei ist er naheliegend. Die Spanier sind mit ihrer zweiten Garde nach Vancouver gereist. Rafael Nadal plant sein Comeback erst für nächste Woche auf chilenischem Sand. Auch der seit dieser Woche bestplatzierte Spanier in der Weltrangliste, David Ferrer (Nr. 4), lässt den Davis-Cup diesmal aus. Jetzt hat sich auch noch Nicolas Almagro (Nr. 11) verletzt. Kanadas kommender Superstar Milos Raonic (Nr. 15) wird seine beiden Matches gegen Marcel Granollers (Nr. 34) und gegen Albert Ramos (Nr. 51) oder Guillermo Garcia-Lopez (Nr. 82) wohl gewinnen. Und mit dem Heimpublikum im Rücken wird für die Kanadier auch noch der dritte Punkt irgendwo rausspringen. Vielleicht im Doppel, das Raonic an der Seite von Altmeister Daniel Nestor (Nr. 4 der Doppel-Rangliste) gegen die amtierenden Weltmeister Granollers und Marc Lopez bestreiten wird – oder Vasek Pospisil (Nr. 131) gewinnt eines seiner Einzel.

Italien – Kroatien 3:2
Die Italiener haben im Eishockeystadion von Turin einen Sandplatz aufgeschüttet. Das wird ihnen zum Sieg verhelfen. Mit Andreas Seppi (Nr. 18) haben sie erstmals seit Menschengedenken wieder einen Top-20-Spieler, der sich in Australien gerade in guter Form zeigte. Den Kroaten fehlt der Nachwuchs, nachdem Ivan Ljubicic seine Karriere beendet hat und der inzwischen 33-jährige Ivo Karlovic sich immer weiter von den Top 100 entfernt. Marin Cilic (Nr. 13) allein wird nicht reichen. Und Ivan Dodig (Nr. 58) sehe ich gegen Fabio Fognini (Nr. 44) auch eher im Hintertreffen, und Doppel scheinen die Italiener im Moment auch zu können. Fognini und Simone Bolelli waren letzte Woche bei den Australian Open im Halbfinale.

Belgien – Serbien 1:3
Das ist schnell getippt. Janko Tipsarevic (Nr. 9) ist zwar nicht dabei, aber ansonsten treten die Serben in Bestbesetzung an, also inklusive Novak Djokovic. Vielleicht gewinnt der junge Belgier David Goffin (Nr. 50) sein Einzel gegen Viktor Troicki (Nr. 39), aber das war's dann auch.

USA – Brasilien 3:0
Auch das geht schnell. Die USA in Bestbesetzung sind zwar auch nicht mehr das, was sie mal waren, aber auf heimischem Hartplatz werden John Isner (Nr. 16) und Sam Querrey (Nr. 20) keine Probleme bekommen, da kann Thomaz Bellucci (Nr. 36) froh sein, wenn er irgendwo einen Satz gewinnt. Auf die Bryan-Brüder wird im Doppel auch wieder Verlass sein.

Frankreich – Israel 3:0
Noch eine einfache Sache. Frankreich mit zwei Top-10-Spielern: Jo-Wilfried Tsonga (Nr. 8) und Richard Gasquet (Nr. 10). Israel hat im Moment keinen einzigen Spieler aus den Top 100, und das Doppel mit Jonathan Erlich und Andy Ram ist auch nicht mehr, was es mal war.

Argentinien – Deutschland 3:2
Deutschland ist gar nicht so chancenlos, wie ich dachte, als ich im Herbst die Auslosung sah und wie es das Vorjahresergebnis (4:1 für Argentinien in Bamberg) nahelegt. Damals war im deutschen Team noch der Wurm drin. Mit dem neuen Kapitän Carsten Arriens soll ja nun alles besser geworden sein. Die Argentinier spielen ohne ihre Nr. 1 Juan Martin del Potro (Nr. 7). Aber auch ein Juan Monaco (Nr. 12) ist auf dem Sand von Buenos Aires Favorit gegen Philipp Kohlschreiber (Nr. 20) und Florian Mayer (Nr. 28). Im Doppel aber dürften Kohlschreiber und Christopher Kas durchaus eine Chance habe. Und gegen den zweiten Argentinier, sei es nun David Nalbaindian (Nr. 88), Carlos Berlocq (Nr. 70) oder gar Horacio Zeballos (Nr. 71) sind die Deutschen nach der Papierform vorn. Dass ich trotzdem auf Argentinien tippe, liegt daran, dass – wie im Match Kanada gegen Spanien – es zu erwarten ist, dass sie ihren dritten Punkt zu Hause schon irgendwo holen werden, zumal Florian Mayer in Matchen auf drei Gewinnsätze und im Davis Cup ganz besonders stets ein unsicherer Kantonist ist. Aber: Ich bin ganz zuversichtlich, dass ich mich mit meinem Tipp irren könnte.
Live im Fernsehen gibt's das Ganze wieder einmal nicht. Wer es sehen möchte, klickt auf ran.de.

Kasachstan – Österreich 0:3
Der flotte 0:3-Tipp hat vor allem diesen Grund: Übertreibung macht oft deutlich, wie schon mein alter Mathelehrer Herr Doose sagte. Die Kasachen pfeifen aus dem letzten Loch. Als ich 2010 über die „TSG 1899 Kasachstan“ schrieb, handelte der Artikel noch davon, wie sich ein Oligarch eine Davis-Cup-Mannschaft zusammenkaufte. Jetzt liegt das Projekt ebenso am Boden wie das der abstiegsgefährdeten Hoffenheimer. All die tollen Russen, die Bulat Utemuratow eingekauft hat, haben seither an Leistungsstärke gewaltig eingebüßt. Unter ihnen auch das One-Hit-Wonder Andrei Golubew, das 2010 das Turnier am Hamburger Rothenbaum gewann und sich inzwischen auf Platz 187 wiederfindet. Das Problem mit meinem Tipp ist, dass die Österreicher auch nicht gerade eine Tennis-Weltmacht sind. Jürgen Melzer (Nr. 30) hat sein Formtief aber anscheinend überwunden und sollte seine zwei Matches gewinnen. Und Doppelspieler wachsen in der Alpenrepublik ja sowieso auf den Bäumen.

Schweiz – Tschechien 1:3
Wie fast in jedem Jahr, lässt Roger Federer die erste Runde aus. Die Schweizer haben mit Stanislas Wawrinka (Nr. 17) zwar jemanden in der Hinterhand, aber ich glaube, dass er gegen Tomas Berdych (Nr. 6) verlieren wird. Die Tschechen sind zwar ohne Radek Stepanek nach Genf gekommen, aber sie haben immerhin noch den legendären Lukas Rosol (Nr. 73), den Mann, der in Wimbledon Rafael Nadal schlug. Rosol wird auch gegen Marco Chiudinelli (Nr. 139) gewinnen.

Hier alle Davis-Cup-Begegnungen im Überblick

Freitag, 25. Januar 2013

Ein kleiner Wilander-Federer-Faktencheck

Es gehört ja zum guten Ton unter Tennis-Enthusiasten, sich über Mats Wilander aufzuregen, wann immer er auf Eurosport in seiner Experten-Analyse nach dem Match irgendwas sagt. Ich rege mich nie auf. Das mag auch daran liegen, dass ich gar nicht immer genau hinhöre, sondern mich einfach freue, das Mats, der schon immer da war, immer noch da ist, wenn ich Tennis gucke.

In dieser Woche regte sich die Fangemeinde darüber auf, dass Wilander sagte, Roger Federer habe eine ausgesprochen schlechte Quote gegen Top-10-Spieler.

Ob Wilander irrt, lässt sich einfach überprüfen. Und das habe ich für das abgelaufene Jahr mal getan. Um Vergleichswerte zu haben, habe ich für alle aktuellen Top-10-Spieler nachgehzählt, wie viele Matches sie 2012 gegen andere Top-10-Spieler gewonnen und wie viele sie verloren haben. (Weil die ATP-Webseite bei mir gestern Abend rumzuzicken begann, nachdem ich die ersten sieben Spieler durchgegangen war, ist der Artikel diesmal ausnahmsweise erst am Freitagmittag fertig.)

Berücksichtigt habe ich alle Spiele gegen Gegner, die am Tag, als das Match stattfand, unter den ersten 10 waren. Hier das Ergebnis:

Novak Djokovic 24:10 (70,6 %)
Roger Federer 15:10 (60,0 %)
Andy Murray 12:9 (57,1 %)
Rafael Nadal 11:2 (84,6 %)
David Ferrer 8:8 (50,0 %)
Tomas Berdych 6:13 (31,6 %)
Juan Martin del Potro 8:14 (36,4 %)
Jo-Wilfried Tsonga 1:15 (6,3 %)
Janko Tipsarevic 3:10 (23,1 %)
Richard Gasquet 3:10 (23,1 %)

Hat Wilander also Federer einfach mit Jo-Wilfried Tsonga verwechselt? Tsongas schlechte Quote hat ich wirklich überrascht. Sein einziger Sieg gegen einen anderen Top-10-Spieler war in Rom gegen Juan Martin del Potro. Eigentlich ist Tsonga ein Spieler, der – auch wenn seine Saison 2012 nicht so überragend war – immer dicht dran ist an den ganz Großen. Noch 2011 schlug er Federer und Nadal jeweils zwei Mal – und zog ins Finale des World-Tour-Finales der besten Acht ein.

Aber Federers Quote? 60 Prozent ist für einen Weltranglistenzweiten nicht überragend, aber es ist immerhin die drittbeste Quote von allen. Und Nadals Wahnsinnsquote von 11:2 zählt ja nicht wirklich, weil er 2012 fast nur die Sandplatzsaison, in der er stets besonders stark ist, gespielt hat.

Ich fragte mich, ob Wilander vielleicht eigentlich sagen wollte: Federer hat schlechte Quoten gegen seine unmittelbaren Konkurrenten. Von 28 Matches gegen Rafael Nadal hat er nur 10 gewonnen. Die Niederlagenserie begann schon 2004 in der dritten Runde von Miami, als Federer schon die Nummer 1 war und Nadal ein unbekannter Emporkömmling mit Ranglistenplatz 34.

Auch gegen Andy Murray hat Federer eine negative Quote: 9 zu 10.

Aber das wars dann auch. Seine Quote gegen Novak Djokovic kann sich durchaus sehen lassen: 16:13.

Und um ganz fair zu sein, blicken wir auch auf Federers Quote gegen einen ehemaligen Weltranglistenersten, der fast genauso alt ist wie er: Andy Roddick. 21:3 für Federer.

Ich freu mich trotzdem schon darauf, gleich nach nach dem Australian-Open-Halbfinale zwischen Federer und Murray wieder Mats Wilander plaudern zu hören.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Rochus munkelt über Söderling - und Nadal baut auf Sand

Gegen Ende dieses Textes folgt ein Schlenker zu einem anderen Thema. Zunächst aber: Es ist mal wieder eine Woche, in der das Thema Doping in der Luft liegt. Das hat in erster Linie mit Lance Armstrong zu tun und seiner großen Beichte, die ab heute Nacht um 3 Uhr unserer Zeit auf Sendung gehen soll. Diese Sache lässt auch Tenniswelt nicht kalt, nicht zuletzt weil immer wieder Dopingärzte aus dem Radsport auftauchen, die auch Verbindungen zum Tenniszirkus haben. Nicht der der berüchtigte Eufemiano Fuentes. Relativ wenig öffentliche Aufmerksamkeit hat der Fall Garcia del Mora erregt. Der Mann hat nicht nur Lance Armstrong betreut, sondern unter anderem auch Sara Errani, die Italienerien, die im vergangenen Jahr wie aus dem Nichts plötzlich im Finale der French Open auftauchte.

Aber nichts Genaues weiß man nicht, und solange man nichts weiß, soll man auch keine Anschuldigungen hinausposaunen. Einerseits ein ehrenwerter Grundsatz, andererseits hätte vielleicht Lance Armstrong bis zum heutigen Tag in Frieden leben können, wenn sich alle streng dran gehalten hätten, und das ist ja auch nicht Sinn der Sache.

Einer, der sich nicht an den Grunsatz hält, den Mund zu halten, ist Christophe Rochus, der inzwischen 34-jährige Belgier, dessen größter Erfolg das Halbfinale am Hamburger Rothenbaum 2005 war, der seine Karriere vor gut zwei Jahren beendete, der im vergangenen März dann aber doch noch mal ein Future in Frankreich spielte, prompt ins Halbfinale einzog und deshalb auf der aktuellen Weltrangliste noch immer auf Platz 1008 geführt wird. In einem Radio-Interview zeigte er sich vor ein paar Tagen überzeugt, dass Doping im Tennis weit verbreitet ist. Ein bisschen Aufsehen erregte er dabei mit der Forderung, das Doping einfach zu legalisieren. Weil ich mich nicht in der Lage sehe, französische Zwischentöne zu dechiffrieren, kann ich nicht beurteilen, ob das sein Ernst war oder ob er sagen wollte: So halbherzig, wie ATP und WTA gegen Doping vorgehen, könne man sich dieses Vorgehen gleich ganz schenken.

Rochus sagte auch, er sei in der Vergangenheit von der ATP gerüffelt worden, weil er aus deren Sicht zu offen über das Thema geredet habe und auch Namen nannte. Jetzt als Tennisrentner nannte Rochus ganz ungezwungen wieder Namen. Insbesondere den Namen Robin Söderling. Ein Spieler, der (wie Sara Errani) einst wie aus dem Nichts im Finale der French Open auftauchte. 2009 war das, und nachdem er unterwegs Rafael Nadal bezwungen hatte, weinte er vor Glück in der folgenden Pressekonferenz. Mich hat das damals durch angerührt. An Doping dachte ich nicht.

Christophe Rochus aber findet es verdächtig, dass Söderling seit anderthalb Jahren offiziell am Pfeifferschen Drüsenfieber laboriert und einfach nicht zurückkehrt auf die Tour. Dass mich dieser Verdacht, als ich von ihm las, befremdete, hat wohl auch mit dem positiven Vorurteil zu tun, das sich in Abwandlung eines Otto-Waalkes-Klassikers zusammenfassen lässt mit den Worten: Schweden dopen nicht. (Dass gefühlsmäßig in manchen Ländern mehr als andere dopen, beschäftigte uns bereits vor längerer Zeit.)

Dass nun in Zusammenhang mit dem Rochus-Interview auch von Rafael Nadals langer Turnierpause geredet wird, liegt vor diesem Hintergrund nahe. Trotzdem wechseln wir jetzt einfach, wie oben angekündigt, das Thema und wenden uns dem angekündigten Ende eben dieser Turnierpause zu. Heute wurde bestätigt, was man schon seit langem munkelte: Rafa kommt im Februar zurück auf die Tour. Er spielt die 250er-Turniere von Viña del Mar in Chile und dann in Sao Paolo, und zwar auf Sand. Eine Bestätigung für die Theorie, er wolle, um sein lädiertes Knie zu schonen, in Zukunft die Hartplätze meiden und das sei auch der wahre Grund dafür, warum er die Australian Open abgesagt hat. Sollte da was dran sein, hätte Michael Stich jetzt allen Grund, hyperaktiv zu werden. Wenn er in absehbarer Zeit jemals die Chance haben sollte, für sei Turnier am Hamburger Rothenbaum einen Topstar zu verpflichten, dann jetzt Nadal. Unter normalen Umständen werden Leute wie Federer, Djokovic oder Murray selbst dann nicht nach Hamburg kommen, wenn sie sehr viel Antrittsprämie geboten bekommen. Dafür liegt der Termin zu dicht am Beginn der nordamerikanischen Hartplatzsaison. Aber wenn Rafa die Hartplatzturniere sowieso schwänzt, dann braucht er Alternativen, und was liegt da näher als Hamburg, immer noch das größte Sandplatzturnier der europäischen Sommertour. Nadal zu holen, wird nicht ganz billig. Aber was Viña del Mar schafft, das kann doch für Hamburg nicht völlig unmöglich sein.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Grigor Dimitrow, Maria Scharapowa und ein paar andere Klatschgeschichten

Es ist an der Zeit, sich näher mit dem 21-jährigen Bulgaren Grigor Dimitrow zu beschäftigen. Er gilt schon lange als ein kommender Star. Als er 17 war, sagte sein damaliger Trainer Peter Lundgren, Dimitrow sei „besser als Federer in dessen Alter“, und Lundgren ist immerhin ein ehemaliger Federer-Trainer. Seither ist es en vogue, Dimitrow mit Federer zu vergleichen – und vor allem darauf hinzuweisen, dass beide die Rückhand einhändig schlagen.

Den ganz großen Durchbruch indes hat Grigor Dimitrow noch nicht geschafft. Bisher hat er noch kein ATP-Turnier gewinnen können. Immerhin erreichte er letzte Woche in Brisbane sein erstes Finale (und verlor gegen Andy Murray). Das beförderte ihn auf Platz 41 der Weltrangliste. Große Schlagzeilen hat er damit nicht gemacht. Die macht er im Moment mit etwas anderem: Er wird neuerdings auffällig häufig an der Seite von Maria Scharapowa gesehen, freilich ohne dass es bisher offizielle Informationen dazu gäbe, dass das irgendwas zu bedeuten habe.

Wer jetzt denkt, der ist doch viel zu jung für die, kann ein bisschen beruhigt werden. Der Altersunterschied beträgt lediglich vier Jahre. Er fühlt sich nur viel größer an, weil Maria Scharapowa schon 2004 zum ersten Mal Wimbledon gewann und damit mindestens zehn Jahre vor Dimitrow. Im vergangenen Jahr indes wurde Dimitrow kurzzeitig mit Serena Williams in Verbindung gebracht. Da beträgt der Altersunterschied tatsächlich zehn Jahre. Er hat bei der Partnerwahl also anscheinend eine Faible für Tennisspielerinnen. Auch darin ähnelt er Roger Federer, auch wenn dessen Frau Mirka auf der Weltrangliste nicht über Platz 76 hinauskam.

Wo wir schon dabei sind, driften wir thematisch mal gleich komplett in den Yellow-Press-Bereich ab. Ich habe versucht zusammenzustellen, welche Spielerpärchen es überhaupt auf der Tennistour gibt und gab. Ich bin nicht wirklich gut in solchen Klatschgeschichten, und sich die Paare zusammenzugoogeln, ist ein mühsames Geschäft. Die Liste ist also garantiert unvollständig. Für weiterführende Hinweise bin ich dankbar.

Vier Ehepaare sind mir eingefallen.

Das bekannteste besteht aus Steffi Graf und Andre Agassi.

Dann die bereits erwähnten Mirka Vavrinec-Federer und Roger Federer.

Erst vor wenigen Wochen heirateten Iveta Benesova (Tschechien, aktuell Nr. 102) und Jürgen Melzer (Österreich, Nr. 29).

Schon seit 2010 sind die Tschechen Radek Stepanek (aktuell Nr. 34) und Nicole Vaidisova (ehemals Nr. 7) verheiratet.

Auffällig ist, dass es bestimmte Tennisprofis immer wieder zu Ihresgleichen zieht. Stepanek war, bevor er Nicole Vaidisova heiratete, mit Martina Hingis zusammen. Melzer hatte verschiedene Amouren mit Spielerinnen, die ich nicht mehr vollständig zusammenbekomme. Steffi Graf war vor Urzeiten mal mit Alexander Mronz liiert, einem ehemaligen Weltranglisten-73. und Bruder von Guido Westerwelles Mann Michael Mronz.

Als aktuelles Paar fällt mir noch eine weitere tschechische Verbindung zwischen Petra Kvitova (Tschechien), der Wimbledonsiegerin von 2011, und Adam Pavlasek ein. Die Sache lief in den Klatschspalten anfangs unter dem Label „verbotene Liebe“, obwohl sie gar nicht verboten war, weil Pavlasek immerhin schon 16 war, als er erstmals an der Seite der seinerzeit 21-jährigen Kvitova auftauchte. Inzwischen ist der Junge 18 Jahre alt und hat es auf der Rangliste immerhin schon auf Platz 477 gebracht.

Zwischen der Weltranglisten-Ersten Viktoria Azarenka (Weißrussland) und dem Stabhochspringer-Sprössling Sergei Bubka jr. (Ukraine, Nr. 192) soll ja mittlerweile wieder aus sein.

Definitiv geschieden sind Jarmila Gajdosova (ehemals Slowakei, jetzt Australien, Nr. 167) und Samuel Groth (Australien, Nr. 200).

Fast vergessen ist die Verbindung zweier Nummer Einsen, Kim Clijsters und Lleyton Hewitt. Sie trennten sich 2004.

Noch viel länger her ist, dass Chris Evert während ihrer aktiven Zeit mal eine Weile Chris Evert-Lloyd hieß, weil sie mit dem Engländer John Lloyd, einer ehemaligen Nr. 21, verheiratet war.

Und dann meine ich mich noch zu erinnern, dass es mal ein ganz anmutiges Pärchen gab, das aus Ann de Vries (Belgien) und Magnus Gustafsson (Schweden) bestand.

Nachtrag Nr. 1: Die österreichische Eurosport-Ikone Barbara Schett ist mit dem früheren australischen Doppelspezialisten Joshua Eagle verheiratet. (Danke an Mahqz für den Hinweis)

Nachtrag Nr. 2: Das fiel mir beim Stichwort Doppelspezialist ein: Robert Seguso (USA), weltbester Doppelspieler der späten 80er, ist seit 1987 mit der Kanadierin Carling Bassett, einst die Nr. 8 im Einzel, verheiratet.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Das große Challengersterben

Jürgen Zopp (Estland, Nr. 89)
Jewgeni Donskoi (Russland, Nr. 81)
Igor Sijsling (Niederlande, Nr. 68)
Lu Yen-Hsun (Taiwan, Nr. 59)
Simone Bolelli (Italien, Nr. 84)
Aljaz Bedene (Slowenien, Nr. 86)
Paul Capdeville (Chile, Nr. 166)
Thiago Alves (Brasilien, Nr. 130)
Go Soeda (Japan, Nr. 60)
Dustin Brown (Deutschland, Nr. 167)
Martin Klizan (Slowakei, Nr. 30)

Diese elf Spieler haben alle eines gemeinsam: Sie können im Februar und März ihre Titel nicht verteidigen. Die Turniere, die sie vor einem Jahr gewannen, gibt es nicht mehr. Während auf der ATP-Tour und bei den Grand Slams die Preisgelder immer weiter steigen, hat in der zweiten Liga, bei den Challegern, das große Schrumpfen eingesetzt.

Die ATP hat den Challenger-Turnierkalender 2013 bisher nur für das erste Quartal veröffentlicht. Er sieht dramatisch leer aus. Für den Januar ist noch alles wie gehabt. Zu Jahresbeginn gab es nie viele Challengers. Diese Woche in Sao Paolo und auf Neukaledonien und Ende des Monats, parallel zur zweiten Woche der Australian Open, in Heilbronn, auf Hawaii und in Kolumbien.

Aber danach bleibt nicht mehr viel übrig. In den neun Wochen nach den Australian Open, bis zum Beginn europischen der Sandplatz-Saison, gab es 2011 noch 25 Challenger-Turnier. In diesem Jahr sind es nur noch 16. Elf Turniere sind verschwunden: Kazan (Russland), Meknes (Marokko), Wolfsburg (Deutschland), Singapur, Florianopolis (Brasilien), Casablanca (Marokko), Santiago (Chile), Guadalajara (Mexiko), Pingguo (China), Bath (Großbritannien) und Marrakesch (Marokko). Nur ein Turnier ist neu im Kalender, nämlich das im österreichischen Dornbirn. Auf die Zahl von 16 Turnieren kommen wir, weil das Turnier von San Luis Potosi (Mexiko) um eine Woche vorverlegt wurde und damit diesmal schon innerhalb des ersten Quartals stattfindet.

Die besten der oben aufgezählten Titelverteidiger werden es verschmerzen können, dass ihr Turnier gestrichen ist. Sie spielen jetzt in einer höheren Liga, dort wo es keinen Schwund gibt. Aber für die andere wird es in diesem Jahr deutlich schwerer, sich den Lebensunterhalt als Tennisprofi zu verdienen. Es geht hier um Veranstaltungen mit Gesamt-Preisgeldern von 30.000 bis 100.000 Euro. Wer bei einem kleinen Challenger in der ersten Runde ausscheidet, fährt mit 300 Euro nach Hause. Wenn er nicht zu weit weg wohnt, hat er also immerhin seine Fahrtkosten wieder raus – vorausgesetzt, er hat ein Challenger erwischt, das seinen Spielern, solange sie nicht ausgeschieden sind, eine kostenlose Unterkunft bietet. Wer ein großes Challenger gewinnt, bekommt immerhin 15.000 Euro.

Es wird für den Nachwuchs auch härter, sich die nötigen Weltranglistenpunkte zu verdienen, um nach oben zu kommen. Das Problem setzt sich in der dritten Liga, bei den Future-Turnieren, fort. Im ersten Quartal 2012 gab es 105 Future-Turniere mit 10.000 bzw. 15.000 Dollar Preisgeld. Im ersten Quartal 2013 sind es nur noch 79.

Woran liegt das alles? An der weltweiten Wirtschaftskrise? Das ist die erste Antwort, die mir einfällt. Aber die Krise haben wir seit ungefähr 2008. Die Preisgelder auf der großen Tour steigen trotzdem immer weiter. Aber auf den Challengern ist das große Sponsorenrad nicht zu drehen. Kein Fernsehen (außer vielleicht das Regionalmagazin), keine Breitenwirkung. Manche Challenger werden von reichen Gönnern über Wasser gehalten, die sich ihr privates Tennisturnier halten. Andere von ehrenamtlichen Vereinsvorständen, die Jahr für Jahr aufs Neue Klinken putzen, um den nötigen Etat zusammenzubekommen.

Es lohnt sich ein Blick darauf, in welchen Weltgegenden das Challenger- und Futuresterben besonders ausgeprägt ist. In Asien, wo die ATP-Strategen den großen Wachstumsmarkt sehen, wo die Tennisbegeisterung aber vielleicht gar nicht so groß ist wie behauptet. In Nordafrika (Marokko, Ägypten). Das mag mit den politischen Wirren zu tun haben, die ja auch die Wirtschaft lähmt. Und in Südamerika. Das finde ich am bemerkenswertesten. Denn dort ist Tennis eigentlich im Aufwind. Das ATP-Turnier von Sao Paolo soll aufgewertet werden von einem 250er- zu einem 500er-Turnier. Bogotá bekommt ein ganz neues Turnier. In der Saisonpause tourte Roger Federer mit Schaukämpfen quer durch den Kontinent. Ich weiß nicht, wer die dort gestrichenen Challenger finanziert hat, aber es scheint mit vorstellbar, dass einiges von dem Geld, das bisher in die Graswurzelarbeit floss und damit auch den Talenten aus dem eigenen Land zu gute kam, nun in Auftritte der Superstars aus Übersee investiert wird.

Noch ist der Challengerschwund nicht so dramatisch, dass die ganze ATP-Tour darunter zusammenbrechen wird. Aber bedenklich ist die Entwicklung doch. Denn von hier kommt der Nachwuchs für die großen Turniere.

Hier ein Überblick über die ATP-Challenger-Tour samt Link zum Turnierkalender

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