Donnerstag, 28. Februar 2013

Loblied auf Daniel Brands

Mein letzter Daniel-Brands-Artikel ist mehr als anderthalb Jahre her. Damals befand sich der gute Mann am Ende einer sehr langen Durststrecke. Im ersten Halbjahr 2011 hatte er - Wimbledon-Achtelfinalist des Vorjahres - fast nur verloren. Von Platz 66 der Weltrangliste ging es hinab bis auf Platz 220. Das war wohl eine Psycho-Kiste damals.

Lange her, das alles. Daniel Brands (25) ist zwar noch nicht wieder auf Platz 66, aber wenn er so weitermacht wie seit dem vergangenen August, dann wird er bald sogar noch besser platziert sein. In dieser Woche hat er beim 500er-Turnier in Dubai als Qualifikant das Viertelfinale erreicht. Das bringt ihn am kommenden Montag immerhin schon mal wieder ungefähr auf Platz 80. Dass er bisher immer noch um Platz 100 rumgekrebst ist, hat viel mit Lospech und vielleicht mit mangelnder Abgebrühtheit gegen große Gegner zu tun.

Mindestens seit August hat Daniel Brands mit nur wenigen Ausnahmen immer richtig stark gespielt. Bei den US Open überstand er erst die Qualifikation, kam dann in die zweite Runde und verlor dort mit 5:7 im fünften Satz gegen den Weltranglisten-13. Marin Cilic aus Kroatien. Bei zwei folgenden Challengern in Orleans (Frankreich) und Mons (Belgien) verlor er zwar früh und glatt, aber beide Male gegen Gegner, die wenig später auf der großen Bühne für Furore sorgten: Roberto Bautista-Agut (Spanien) als Finalist des 250er-Turniers von Chennai (Indien) und Jerzy Janowicz (Polen) in Paris-Bercy als erster Masters-Finalist überhaupt aus der Generation der in den 1990er Jahren Geborenen.

Beim ATP-Turnier in Wien schaffte Daniel Brands wiederum die Qualifikation kam in die zweite Runde. Dort verlor er gegen die Nummer 8 der Welt, Juan Martin del Potro  in drei engen Tiebreaks mit 7:6, 6:7, 6:7.  Brands schlug 32 Asse, del Potro 30. "Seitdem die ATP 1991 angefangen hat die Matches statistisch zu erfassen, war dieses Match das erste, in dem beide Spieler in einem Best-of-3-Match über 30 Asse serviert haben", schrieb Brands danach auf seiner Internet-Seite. Kurz vor Ende der Saison gewann er dann wenigstens das Challenger-Turnier im fränkischen Eckental.

2013 fing auch gleich sehr gut an: Halbfinale beim 250er-Turnier in Katar, wo er dann in zwei knappen Sätzen gegen die Nummer 10 der Welt, Richard Gasquet, verlor. Dass er dann bei den Australian Open die Quali schaffte, war schon fast eine Selbstverständlichkeit. In Runde 2 verlor er wieder mal in sehr knappen Sätzen - diesmal gegen Australiens Super-Hoffnung Bernard Tomic. Natürlich schaffte er auch beim 500er-Turniern in Rotterdam die Quali (und verlor dann 6:7, 4:6 gegen die Nummer 14 der Welt, Gilles Simon). Er hat in diesem Jahr bisher vier Turniere gespielt, musste vier Mal in die Qualifikation und hat diese Qualifikation vier Mal überstanden.

Und diese Woche also das Viertelfinale von Dubai. Die Revanche gegen del Potro ging dort heute zwar etwas in die Hose (4:6, 2:6), aber das ändert nichts daran, dass Daniel Brands im Moment zumindest der drittbeste deutsche Spieler nach Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber sein dürfte. Das Potenzial dazu hatte er schon lange. Dass er ein Klasse-Aufschläger ist, das ist bei seinen 1,96 Meter schon fast selbstverständlich. Was mich aber immer wieder beeindruckt, wenn ich ihn spielen sehe, ist, wie leicht er trotz seiner Größe auch die ganz flachen Bälle spielen kann. Davon gibt es hoffentlich bald mehr auf den großen Turnieren zu sehen, ohne dass der große Mann ständig durch die Qualifikation muss.

Hier die Ergebnisse aus Dubai

Und hier das ATP-Profil von Daniel Brands

Donnerstag, 21. Februar 2013

Deutsche Doppelspezialisten - keiner kennt sie

Frank Moser aus Baden-Baden hat ein ATP-Turnier gewonnen. Geschehen ist das in der vergangenen Woche in Sao Paolo, und es war im Doppel zusammen mit Xavier Malisse aus Belgien. Im Endspiel schlugen sie die Australier Marinko Matosevic und Lleyton Hewitt. Es war Mosers erster Turniersieg auf der ATP-Tour, und das Bemerkenswerte daran ist, dass ihm dieses Kunststück im zarten Alter von 36 Jahren gelungen ist. Der Name Frank Moser sagt vermutlich auch dem sehr interessierten Fan nicht viel. Das ist das Schicksal des Doppelspezialisten. Aufmerksamkeit erregt man nur mit einem Davis-Cup-Einsatz, einer Olympia-Medaille oder mit Ach und Krach mit einem Grand-Slam-Titel. Noch vor wenigen Jahren hat es in Deutschland ohnehin kaum Doppelspezialisten gegeben. Ich habe gerade mal auf der ATP-Webseite auf eine x-beliebige Doppel-Weltrangliste aus dem Jahr 2005 geklickt. Unter den ersten 100 waren drei Deutsche. Auf der Rangliste von dieser Woche sind es neun. Darunter sind Namen, die selbst in diesem Blog mit seinem Vorliebe für Nischenthemen nur sehr, sehr selten auftauchen. Höchste Zeit also, die deutschen Doppelspieler mal in einer Sammlung von Kurzporträts vorzustellen.

Nr. 47 Philipp Petzschner
28 Jahre, Nr. 110 im Einzel
Er ist von allen Doppelspielern noch der Bekannteste. Wimbledonsieger von 2010, US-Open-Sieger von 2011. Ihn brauchen wir nicht noch einmal vorzustellen. Falls doch: Hier ist ein Link zu einem alten Petzschner-Artikel. In letzter Zeit allerdings hat der Mann gewaltig geschwächelt. Hätte er nicht im vergangenen Jahr (mit Jürgen Melzer aus Österreich) im Wimbledon-Halbfinale gestanden, wäre er gar nicht mehr drauf auf dieser Liste der deutschen Top-100-Doppelspieler.

Nr. 52 Martin Emmrich
28 Jahre, Nr. 1277 im Einzel
Ohne Petzsches Wimbledon-Halbfinale wäre Martin Emmrich der beste Deutsche auf der Doppel-Weltrangliste. Ich habe ihn in fünf Jahren Zackstennis mit mehr als 250 Artikeln noch nicht ein einziges Mal erwähnt. Dabei ist er immerhin schon vor zwei Jahren erstmals unter den Top 100 aufgetaucht. Im vergangenen Jahr war er mit seinem damaligen Partner Andreas Siljeström aus Schweden in Belgrad im Finale. Inzwischen spielt er meistens mit Andre Begemann, der weiter unten auch noch erwähnt wird. Die beiden gewannen im Herbst das ATP-Turnier von Wien und standen im Januar in Chennai (Indien) im Finale. Von Martin Emmrich hörte ich zum ersten Mal, als er 2005 bei mir um die Ecke bei einem Challenger in Lübeck antrat. Er hatte den einstmals sehr berühmten Marc-Kevin Goellner dabei, der damals sein Coach war und auch mit ihm im Doppel antrat. Sie verloren ganz knapp gegen zwei später recht erfolgreiche Einzelspieler: Andreas Beck und Michael Berrer. Martin Emmrichs Vater Thomas war der beste Tennisspieler der DDR, der im Gegensatz zu vielen Profis aus der Tschechoslowakei und anderen Ostblockstaaten aber nie in den Westen reisen durfte. Im Osteuropa aber gab es nur sehr wenige Profiturniere, andernfalls, sagt man, hätte Thomas Emmrich eine weit bessere Weltranglistenplatzierung als Nr. 482 erreicht.

Nr. 59 Dustin Brown
28 Jahre, Nr. 165 im Einzel
Das ist noch mal einer der etwas bekannteren Doppelspieler, auch weil er den einen oder anderen Erfolg im Einzel vorzuweisen hat und mit seinen jamaikanischen Rastalocken nicht nur auf den deutschen Turnieren zu den Publikumslieblingen zählt. Ihn haben wir in einem Artikel aus dem Oktober 2010 einmal ausführlich durchgenommen. Seine achtbare Platzierung in der aktuellen Doppel-Rangliste verdankt er unter anderem einem Turniersieg in Casablanca (mit Paul Hanley aus Australien). Seit dieser Saison spielt er regelmäßig an der Seite von Christopher Kas, auf den wir gleich auch noch zu sprechen kommen. So richtig rund läuft es mit den beiden allerdings nicht. Sie sind mit drei Erstrundenniederlagen gestartet und sind vorhin in Buenos Aires im Viertelfinale (was der zweiten Runde entspricht) ausgeschieden.

Nr. 70 Frank Moser
36 Jahre, Nr. 1088 im Einzel
Der Mann, dem wir unser heutiges Thema verdanken. Doppelspieler sind ja gern etwas älter als Einzelspieler, was unter anderem daran liegt, dass man im Doppel nicht so viel laufen muss und dass Übersicht – und mithin Erfahrung – von Vorteil sind. Aber mit 36 Jahren das erste Turnier zu gewinnen, das ist schon bemerkenswert. Bevor er Doppelspezialist wurde, war mit Frank Moser vor allem als Tennistourist aufgefallen. Er schaffte es in der Einzelrangliste immerhin mal unter die besten 300, und zwar mit Erfolgen auf kleinen Turnieren in den entlegensten Ecken der Welt. Hätte es ein Future in Nordkorea gegeben oder auf dem Mond, Franky Moser wäre dabei gewesen. Weil es dort aber keine Turniere gab, spielte er halt in Kasachstan, Katar und Kuwait. Seine Reisekosten müssen sein Preisgeld deutlich überragt haben; als Profi konnte man ihn in seinen besten Einzeljahren also nicht wirklich bezeichnen. Aber im Doppel wurde er mit der Zeit immer stärker, und seit einiger Zeit spielt er echte ATP-World-Tour-Turniere – mit seinem ersten Titel letzte Woche in Sao Paolo als vorläufigem Höhepunkt.

 Nr. 73 Andre Begemann
28 Jahre, Nr. 496 im Einzel
Den Mann habe ich noch nie Doppel spielen sehen, aber in der Qualifikation am Hamburger Rothenbaum im Einzel. Da war zu erkennen, dass er zum Doppelspezialisten taugt. Er ist einer der letzten Serve-und-Volley-Spieler auf der Tour, und sowas sehe ich ja gerne. Im Doppel spielt er jetzt regelmäßig mit Martin Emmrich zusammen.. Dank ihrem Turniersieg in Wien und dem Finale in Chennai haben sie jetzt gute Chancen, sich als regelmäßige Teilnehmer auf denden großen Turnieren festzusetzen. Dazu braucht man im Doppel ja noch etwas bessere Weltranglistenpositionen als im Einzel, weil man um die Startplätze mit den Einzelspezialisten, die auch im Doppel antreten wollen, konkurriert.

Nr. 75 Christopher Kas
32 Jahre, ohne Einzelplatzierung
Das war mal unser bester Mann im Doppel. Noch vor einem Jahr stand er auf Platz 17. Aber seitdem lief, egal mit welchem Partner, nicht mehr viel zusammen. Nur in Doha im Januar gewann er das Turnier zusammen mit Philipp Kohlschreiber. Noch gehört Christopher Kas zum Davis-Cup-Team, aber langsam muss man sich fragen, ob nicht einige andere Leute auf dieser Liste die bessere Wahl wären. Mit seinem aktuellen Partner Dustin Brown läuft es jedenfalls auch nicht rund (siehe oben). Auf mich hat Kas immer einen sehr sympathischen Einruck gemacht, aber spielerisch überzeugt hat er mich selten.

Nr. 80 Philipp Marx
31 Jahre, ohne Einzelplatzierung
Ich hab mir gerade mal Marx' Profil auf der ATP-Webseite angesehen. Er ist nur 1,88 Meter groß. Damit ist er weiß Gott kein Zwerg, aber als ich ihn mal spielen sah, schien er mir ein Riese zu sein, was dann aber wohl mehr an seinem Karlovic-artigen Aufschlag lag als an seinen Körpermaßen. Philipp Marx steht sein vier Jahren unter den Top 100. Die ganz großen Erfolge sind ihm noch nicht gelungen. 2011 war er zusammen mit James Cerretani (USA) im Wimbledon-Viertelfinale. Und bis zu seinem ersten Turniersieg hat er, wenn er es wie Franky Moser machen will, ja noch fünf Jahre Zeit.

Nr. 89 Simon Stadler
29 Jahre, Nr. 919 im Einzel
Ein Frischling unter den Top-100-Spielern. Er hat im letzten Jahr fünf Challenger-Titel gewonnen und war fünf weitere Male im Finale. In die Saison 2013 ist er auf der World-Tour zwar mit ein paar Erstrundenpleiten gestartet, aber in dieser Woche läuft es ganz gut: Die oben erwähnte Viertelfinalniederlage von Brown und Kas in Buenos Aires ereignete sich heute gegen Simon Stadler und Nick Monroe (USA).  

Nr. 97 Michael Kohlmann
39 Jahre, ohne Einzelplatzierung
Damit sind wir am Ende dieser Liste angelangt. Michael Kohlmann hat seine aktive Laufbahn nach den Australian Open beendet, wird also ganz von selbst bald aus den Top 100 fallen. Zwischen 2002 und 2007 gewann er fünf Turniere. Vor sehr langer Zeit war er auch mal ein respektabler Einzelspieler. 1998 knacke er da die Top 100.

Auffällig ist, dass es keinen Deutschen gibt, der im Einzel und im Doppel unter den Top 100 stand. International hingegen ist das gar nicht so unüblich. Da gibt es 26 Spieler mit einer solchen Doppelbegabung. Philipp Petzschner ist noch am dichtesten dran, und Philipp Kohlschreiber könnte es sicher auch, wenn er denn sich denn häufiger mal im Doppel versuchen würde.

Hier die aktuelle Doppel-Weltrangliste

Donnerstag, 14. Februar 2013

Live aus Rotterdam

„Da ist ein Tennisturnier? Da machen wir doch mal Reklame für unseren neuen Sattelschlepper!“ Das scheint man sich wohl gedacht zu haben in der Marketing-Abteilung von Daimler-Benz Niederlande. Dass auf Tennisturnieren dem geneigten Publikum große edle Autos präsentiert werden, daran ist man ja gewohnt. Aber so groß wie in Rotterdam habe ich sie noch nie gesehen.

Aber nun zum Thema: Am Dienstag und Mittwoch besuchte ich das ATP-500er-Turnier von Rotterdam. Ich kannte es bisher nicht. Das Fazit: Die Reise hat sich gelohnt, Rotterdam ist sehr okay, aber meine Lieblingsturniere von Stockholm, Hamburg und München wird Rotterdam nicht vom Thron stoßen. Rotterdam ist das größte und auch am besten besetzte europäische Hallenturnier im Frühjahr. Mit Roger Federer, Juan Martin del Potro, Jo-Wilfried Tsonga und Richard Gasquet waren in diesem Jahr immerhin drei Top-10-Spieler am Start. Das Turnier findet im „Ahoy“ statt, der laut Wikipedia „größten überdachten Event-Location in Europa“.

Das Ding ist tatsächlich riesig. Gael Monfils sagte nach seiner Niederlage gegen del Potro, er habe drei Spiele gebraucht, um sich an die Atmosphäre auf dem riesigen Center Court zu gewöhnen. Das ist dann vielleicht doch etwas übertrieben, den größer als die großen Freiluft-Tennisarenen ist das Ahoy nun auch wieder nicht. Im Gegensatz zu vielen nach meinem Geschmack weniger gelungenen Mehrzweckhallen hat das Ahoy eine Galerie in der Mitte der Zuschauerränge, auf der man an Essen-, Getränke- und Werbeständen entlang schlendern und nebenbei einen Blick auf das Spielgeschehen unten auf dem Platz werfen kann. Das ist Gold wert, weil man dadurch auch dann die Tennisatmosphäre erlebt, wenn man nicht auf seinem Sitzplatz verharrt. Zum riesigen Gebäude gehören auch Messehallen, durch die man ebenfalls schlendern kann. Hier sind die Trainings- und Nebenplätze aufgebaut. Dass man die Stars, die spielfrei haben, so gut beim Training beobachten kann, kenne ich sonst nur von Freiluft-Turnieren.

Und nun zu einigen der Matches, die ich gesehen habe:

Julien Benneteau (Frankreich/Nr. 39) - Tobias Kamke (Lübeck/Nr. 90) 6:3, 6:2
Ich hatte nicht damit gerechnet, am Dienstag einen Deutschen in Aktion zu sehen. Es stand keiner auf dem Spielplan. Aber weil Michael Llodra (Frankreich), der Turniersieger von 2008, wegen eines Infektes kurzfristig zurückzog, rutschte Tobias Kamke als Lucky Loser auf den Platz. Kamke kassierte im ersten Satz ein unnötiges frühes Break, spielte ansonsten aber solide. Im zweiten Satz schien er dann die Nerven zu verlieren, so dass es schnell vorbei war.

Julien Benneteau/Richard Gasquet (Frankreich) – Aisam Ul-Haq Qureshi (Pakistan)/Jean-Julien Rojer (Niederlande/Curaçao) 7:5, 6:2
Das bemerkenswerteste an diesem Match geschah schon vor dem ersten Aufschlag. Die Spieler waren gegen 16.30 Uhr gerade fertig mit der Aufwärmphase, als plötzlich die Hälfte des Publikums auf dem Nebenplatz 1 fluchtartig den Raum verließ. Bei einem Blick ins Programmheft wurde mir klar, dass sie die ganze Zeit auf das Auftauchen Roger Federers gewartet hatten. Dessen Training war nämlich für genau diesen Platz für 16 Uhr angekündigt worden. Als nun das Doppel losgehen sollte, hörte man plötzlich Gejohle hinter einem dicken schwarzen Vorhang vom Platz nebenan. Dort war Roger Federer tatsächlich! Und dorthin floh das Publikum, bevor das Doppelmatch begann. Auf dem Rückweg habe dann auch ich zwischen den Menschenmassen in der Messehalle einen Blick auf Federer erhascht. Er schlug gerade auf.

Juan Martin del Potro (Argentinien/Nr. 7) – Gael Monfils (Frankreich/Nr. 107) 6:3, 6:4
Dies war das erste der beiden Abend-Matches am Dienstag und das mit Abstand beste, das ich an den beiden Tagen gesehen habe. Gael Monfils, der nach langer Verletzungspause aus den Top 100 gefallen ist und eine Wild Card brauchte, um hier ins Hauptfeld zu kommen, wird bald wieder zumindest in die Top 20 zurückkehren – und sich dann wieder verletzen. Denn das Herumgerutsche auf dem harten Hallenboden und seine wilden Spagatschritte, die nicht einmal besonders effektiv sind, hat er sich nicht abgewöhnt. Das Ergebnis sieht zwar recht klar aus, aber Monfils war fast während des gesamten Matches absolut ebenbürtig. Er kassierte nur ein Break ganz zu Beginn (angeblich wegen der Atmosphäre, siehe oben) und eines ganz am Ende. Del Potro spielte geradlinig (Kritiker werden sagen: fantasielos) wie immer. Monfils zeigte Kunststücke wie dieses:


Jarkko Nieminen (Finnland/Nr. 56) – David Goffin (Belgien/Nr. 49) 6:0, 6:0
Dramaturgisch gesehen, war diese Spielansetzung nicht eben glücklich. Nach dem rauschenden Spektakel, das del Potro und Monfils geboten hatten, fand ich dieses Match eher einschläfernd. Dass ich bin zum Ende durchgehalten habe, lag daran, dass das Ende so sehr schnell kam. Mir schien, Goffin war nicht ganz fit. Im zweiten Satz ballerte er einige Bälle wie besinnungslos übers Netz, die dann weit ins Aus flogen. So als wollte er nur, dass das Spiel schnell vorbei geht. Dass die Zuschauer bald jeden einzelnen Punkt, den er machte, bejubelten, als wäre er ein von vornherein chancenloser Amateurspieler, fand er wahrscheinlich auch nicht angenehm.

Matthias Bachinger (Nr. 125) – Andreas Seppi  (Italien/Nr. 18) 6:3, 6:4
Der Bachinger hat mir bis jetzt jedes Mal, wenn ich ihn habe spielen sehen, sehr gut gefallen, und ich dachte stets: Der gehört mindestens auf Platz 60 oder 70 und müsste eigentlich ein Stammgast auf der ATP-Tour sein und nicht nur dabei sein, wenn er - wie hier – die Qualifikation übersteht. Aber dazu, dachte ich mir, als am Mittwoch dieses Match begann, müsste er auch mal jemanden wie Andreas Seppi schlagen. Und genau das tat er dann auch. Und zwar völlig ungefährdet. Sofern man bei einem Match gegen Seppi von ungefährdet reden kann. Seppi ist ja einer, gegen den man nie sicher sein kann, der seinen Gegner langsam zermürbt, was nicht immer sehr schön anzusehen ist. Aber Matthias Bachinger war gewappnet. Er hat offensiver gespielt, als ich es von seinen Sandplatz-Auftritten in Erinnerung hatte. Davon hat er sich auch nicht abbringen lassen, nachdem seine Netzangriffe zu Beginn nicht so erfolgreich verliefen. Vor allem hat Bachinger bemerkenswert gut aufgeschlagen. Seppi hatte gar keine Chance, irgendwas zu zermürben

Hier die Ergebnisse aus Rotterdam im Überblick

Donnerstag, 7. Februar 2013

Juhu, Rafa ist wieder da

Ein paar Minuten lang sah es so aus, als hätten die Unken Recht mit ihren Rufen, die besagten, Rafael Nadal werde nie wieder der sein, der er einmal war. Gestern bestritt die einstige Nummer 1 ihr erstes Einzelmatch seit acht Monaten, seit der epochalen Zweitrundenniederlage in Wimbledon gegen den Tschechen Lukas Rosol.

Nadal nimmt an einem Turnier teil, dessen Veranstalter noch vor kurzem nicht im Traum daran gedacht haben, einen Star wie ihn anlocken zu können. Es ist das unscheinbare 250er-Sandplatzturnier von Viña del Mar, einem Badeort 80 Kilometer nordwestlich von Santiago de Chile. Nachdem Nadal sein eigentlich für Januar geplantes Comeback verschieben musste, entschloss er sich kurzfristig zu einer Chile-Reise. Die Meldefrist war zwar längst abgelaufen. Aber für einen Rafa fand sich natürlich eine Wild Card.

Früher gewann meistens der inzwischen zurückgetretene Lokalmatador Fernando Gonzalez das Turnier in Viña del Mar. Diesmal wird es wohl Rafa sein. Denn nachdem er in seinem Erstrundenmatch gegen Federico Delbonis (Argentinien, Nr. 128) die Unken rufen ließ, im ersten Satz schnell mit 0:2 zurücklag und sich in meiner Twitter-Timeline alle Welt darüber ausließ, dass Nadals Schläge wirklich nicht mehr annähernd so hart seien wie früher, war plötzlich doch wieder alles wie früher. Delbonis holte nur noch ganze drei Spiele, und bald hieß es 6:3, 6:2 für Nadal.

So wird es weitergehen. Der einzige Turnierteilnehmer, der ihm vielleicht noch hätte gefährlich werden können, der an 2 gesetzte Juan Monaco (Nr. 15), ist schon ausgeschieden. Nadal spricht über sein Comeback auch längst nicht mehr so vorsichtig wie noch vor wenigen Wochen, als er stets betonte, man dürfe keine Wunderdinge von ihm erwarten. Zwar sagt er noch immer: „Es ist klar, dass ich in Roland Garros nicht der Favorit bin.“ Inzwischen sagt er aber einen munteren Satz dazu: „Ich muss aber auch nicht Favorit sein, um das Turnier zu gewinnen.“ Dabei ist es natürlich viel zu früh, um zu beurteilen, ob er im Mai, Juni fit genug sein wird für einen Grand-Slam-Titel.

Der eigentliche Hammer aber ist dies: Ich freu mich richtig, dass Rafa wieder da ist. Früher habe ich mit seiner Hauruck-Spielweise nie viel anfangen können. Ich zählte mich ganz klar zur Roger-Federer-Fraktion. Aber als ich das Australian-Open-Endspiel zwischen Novak Djokovic und Andy Murray sah, begann ich, mich zu langweilen. Mir war total egal, wer gewinnt. Die beiden können einfach nicht richtig polarisieren. Jetzt liefert Rafa hoffentlich noch ein paar packende Endspiele bei großen Turnieren ab. Gewinnen muss er sie ja nicht unbedingt.

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