Sonntag, 14. Juli 2013

Live von der Qualifikation am Rothenbaum


Na, das sieht mal gar nicht schlecht aus auf dem Platz 1 neben dem Center Court am Hamburger Rothenbaum. Hier spielt Maximilian Marterer (links im roten Hemd, Nr. 1082) in der ersten Runde der Qualifikation gegen den Tschechen Jan Hajek (Nr. 122). Die Ränge sind fast voll besetzt. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue überrascht, wie viele Menschen sich am Wochenende vor Turnierbeginn die Quali-Matches ansehen. Dass der Eintritt frei ist, spielt da gewiss eine Rolle. Bei den saftigen Preisen fürs Eis, für das auf der ATP-Tour mit Exklusivrechten ausgestattene mexikanische Reisbier und für die meines Erachtens eher abschreckend riechenden Burger aus dem Hause Block lohnt es sich vermutlich dennoch auch finanziell, das Publikum gratis auf die Anlage zu locken. Nebenbei ist es eine Werbung für das Hauptturnier, das am Montag losgeht.

Nach rund sechs Wochen Pause melde ich mich also zurück auf meinem Blog mit einem Bericht vom ersten Quali-Tag in Hamburg. Das Wetter war fantastisch, das Ambiente weitgehend wie im vergangenen Jahr. Was die Matches angeht, waren viele sehr einseitig. Es waren eine ganze Reihe Spieler am Start, die dicht dran sind an den Top 100 oder sogar bereits dazugehören. Sie waren gesetzt und spielten in der ersten Runde überwiegend gegen Spieler, die weit weg sind von den Top 100, und ihnen mehrere deutsche Junioren, die mit Wild Cards ins Quali-Feld gekommen waren. Schade für die vielen Zuschauer war, dass kaum deutsche Spieler dabei waren, die eine realistische Chance hatten, ins Hauptfeld zu kommen - Leute von den Ranglistenplätzen 100 bis 200 wie Björn Phau, Simon Greul, Bastian Knittel oder Peter Gojowczyk. Statt zu versuchen, sich für die große Bühne in Hamburg zu qualifizieren, spielen die meisten von ihnen in der kommenden Woche lieber ein Challenger in Polen. Wer sich fragt, warum, dem sei ein Blick auf den Terminplan der Tennis-Bundesliga empfohlen. Da war heute Spieltag, und das scheint für Spieler dieser Kragenweite attraktiver zu sein, als zu versuchen, sich für Hamburg zu qualifizieren.

Aber jetzt ein Blick auf die Spiele

Cedrik-Marcel Stebe (Deutschland, Nr. 166) - Sergi Stachowksi (Ukraine, Nr. 96) 7:6, 6:0
Fangen wir an mit dem einzigen Deutschen aus den Top 200, der sich für die Hamburger Quali entschieden hat. Das letzte Mal, dass ich Stebe an dieser Stelle sah, war im vergangenen September, und es war das Davis-Cup-Match gegen Australien. Vor gut einem Jahr war er die größe akute deutsche Nachwuchshoffnung und auf Platz 71. Danach ging es bergab. Die Talsohle scheint der 22-Jährige mittlerweile durchschritten zu haben, wie in diesem grundsoliden Match zu sehen war. Allerdings ins Stachowski auf Sand noch nie eine Granate gewesen, und heute in der zweiten Quali-Runde hat Stebe dann auch verloren. Aber immerhin: Stebe hat den Spieler bezwungen, der in Wimbledon in der zweiten Runde Roger Federer aus dem Wettbewerb gekegelt hat. (Dafür übrigens hätte sich Stachowski eigentlich eine Wild Card für den Rothenbaum verdient: Hätte er Federer nicht geschlagen und wäre Federer in Wimbledon weit gekommen, wäre Federer gewiss nicht auf die Idee gekommen, diese Woche in Hamburg anzutreten.)


Jan Hajek (Tschechien, Nr. 122) - Maximilian Marterer (Deutschland, Nr. 1082) 6:3, 6:4
Eigentlich muss man ja zumindest einen Satz gewinnen, um als Junior so richtig Eindruck zu hinterlassen. Aber der 18-jährige Maximilian Marterer hat mir auch ohne Satzgewinn richtig gut gefallen. Sein Auftritt erinnerte mich ein bisschen an Jan-Lennard Struff vor vier Jahren, und aus dem ist ja immerhin in diesem Jahr so viel geworden, dass er in Wimbledon die zweite Runde erreicht hat und in Hamburg eine Wild Card fürs Hauptfeld hat. Marterer ist ein Linkshänder mit flachen, schnellen Schlägen. Und er hat Chuzpe: Den ersten Matchball wehrte er erfolgreich mit einer unerreichbar ins Eck gesetzten eingesprungenen Florian-Mayer-Rückhand ab.


Diego Sebastian Schwartzman (Argentinien, Nr. 135) - Florian Barth (Deutschland, Nr. 1575) 7:5, 6:1
Für Diego Schwartzman dürfte es ungewohnt gewesen sein, wie der Schiedrichter seinen Namen aussprach: "Schwarzmann". Es fällt mir schwer, mit vorzustellen, dass argentinische Lippen sich mit einer solchen Konsonantenkumulation abgeben. Der 20-jährige und 1,70 Meter kleine Schwartzman ist einer, mit dem in den nächsten Jahren auf den Sandplätzen dieser Welt zu rechnen sein dürfte. Deshalb wollte ich ihn mir unbedingt ansehen. Leider habe ich den ersten Satz verpasst, in dem Barth - ein 24-Jähriger aus Henstedt-Ulzburg, der sich auf seiner Internetseite als Jugend- und Erwachsenen-Trainer vorstellt, erstaunlich gut mithielt. Der zweite Satz ging dann ziemlich schnell vorbei.

Robin Kern (Deutschland, Nr. 392) - Martin Alund (Argentinien, Nr. 112) 6:4, 6:3
Das war eine richtig gute Leistung des 19-Jährigen aus Nürnberg. Er spielte nicht sehr spektakulär, aber machte Druck, und es unterliefen ihm kaum Fehler. Mit seinem Stirnband und seinem wehenden blonden Haar hat er das Zeug zum Publikumsliebling, falls er demnächst ein paar mehr Spiele gewinnen sollte. In der zweiten Quali-Runde ist er dann allerdings heute gegen Blaz Kavcic (Slowenien, Nr. 133), untergegangen.

Hier die Ergebnisse aus der Qualifikation (PDF)

Und hier die Auslosung fürs Hauptfeld (PDF)

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